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Tagungsbericht zum Deutschen Archivtag online!

„NEUE WEGE INS ARCHIV – NUTZER, NUTZUNG, NUTZEN“ – so lautete das Thema des 84. Deutschen Archivtages, der vom 24. – 27. September 2014  in Magdeburg stattfand.

Unser studentischer Mitarbeiter Norman Warnemünde hat hierzu einen kurzen Tagungsbericht verfasst, der ab sofort hier eingesehen werden kann.

Schrecklich informativ und fürchterlich kommunikativ

Von Mathias Bornschein, FaMI beim Umweltbundesamt, Fachbibliothek Umwelt und Teilnehmer des 6. grad. Kurses der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement.

image1 (2)Wenn am Vortag außer dem Veranstaltungsmotto „Die digitale Gesellschaft“ der weitere Programmplan keine Einträge enthält und die Teilnehmerliste aus so bunten Namen wie @lesewolke, @fabibumwelt, @bibliothekarin oder @lambo besteht, dann ist klar, es ist BibCamp-Zeit. Warum? Weil alles nach BibCamp schreit.

„Back to the roots…“ kehrte die „Bibliothekarische Unkonferenz“ dieses Jahr zurück zu den Wurzeln. Und damit zurück an den Ort, wo 2008 alles als Gegenveranstaltung zum ehrwürdigen Bibliothekarstag begann.

Für den Neuling liest sich das dann nüchtern: 26.09. ‐ 27.09.2014 ‐ BibCamp – FH Potsdam.

Dabei handelt es sich bei einem BibCamp um alles andere, als eine typische Bibliothekskonferenz von Bibliotheksmenschen für Bibliotheksmenschen. In all den Jahren haben es die unterschiedlichen Veranstalter tatsächlich geschafft, den typischen Charakter der Ursprungsveranstaltung zu erhalten. Und so kennt auch das BibCamp 2014 weiterhin keine Besucher, sondern nur aktive TeilnehmerInnen. Als Neuling bei einem BibCamp steht man dann pünktlich 13:00 bepackt mit Isomatte, Schlafsack und Campingausrüstung in der FH Potsdam und schaut dann doch erst einmal etwas irritiert auf den leeren  Veranstaltungsplan und fragt sich:

„Wo sind denn jetzt die anderen Zelte?“ und „Was passiert hier jetzt eigentlich?“

Ganz BibCamp-­‐typisch findet die Themensammlung nämlich gemeinsam zu Beginn der Veranstaltung im Plenum statt. Die Themenvorschläge kommen dabei innerhalb eines riesigen Brainstormings von den Teilnehmern selber. Die Vorschläge könnten dabei weiter entfernt von verstaubten Büchern, alten Zeitschriften und Duttfrisuren von morgen nicht sein. Vielmehr füllt sich die provisorische Themenwand im „Hörsaal ohne Tafel“ der FH Potsdam mit Schlagworten wie: Augmented Reality, Öffentlichkeitsarbeit 2.0, Design Thinking, Bibliotheksethik, Informationskompetenz, Booksprint, Mitarbeitermotivation für Neues, Bibliothek der Zukunft, Embedded Librarian und Literaturverwaltung…

Ganz im Gegensatz zu typischen Konferenzen wundert sich dann auch so mancher Teilnehmer über sich selbst. Denn schnell ist der Mut gefasst sich aktiv ins Geschehen einzubringen und nicht in der Masse zu verschwinden. Im Anschluss an diese Themenfindungsrunde stimmen die Teilnehmer dann über die Programmpunkte der Konferenz ab und füllen nach und nach den
Programmplan der nächsten beiden Tage. Die BibCamp-­Veteranen nennen das Ergebnis am Ende „Sessiongrid“, meinen aber wohl das Selbe. Die gewählten Themen werden anschließend getreu dem Motto: „Mut zu kurzen Sessions“ innerhalb von 45 Minuten behandelt. Und spätestens hier stehen die Konferenzteilnehmer dann doch vor einem typischen Problem bei parallelen Sessions auf Konferenzen: „Wo gehe ich denn jetzt hin?“

„Neue Ansätze in der Infokompetenz“ vs. „Forschungsdatenmanagement“
„Motivation von Mitarbeitern für Digitales“ vs. „Bibliotheksethik“
„Bibliothek der Zukunft“ vs. „Literaturverwaltung“
oder „Augmented Reality“ vs. „Design Thinking für Bibliotheken“.

Schon der kurze Blick verrät, dass eigentlich alles interessant und schrecklich informativ ist. Zum Glück zeigt sich schnell, dass diese verstaubten Bibliotheksmenschen mittlerweile fürchterlich kommunikativ sind und die weiteren Sessions unter dem Hashtag #bib7 im Social Web und an der Twitwall mitverfolgt undnachvollzogen werden können.
Man kann also beruhigt selber mit Kolleginnen und Kollegen, Wissenschaftlern, Studenten und anderen interessierten Teilnehmern in der eigenen Session ins Gespräch kommen und das Thema kontrovers diskutieren. Nicht selten gelangt man im Laufe der Session dabei zu Themen, an die zu Beginn der Diskussionsrunde keiner dachte. Doch auch dies macht das BibCamp aus.

Von der „Bibliothek der Zukunft“ über „Werkzeug in der Bibliothek“ hin zur „Ausbildung der Zukunft“. Diskussionen während der Sessions, der weitere Austausch in den Pausen auf den Gängen und beim abendlichen „Social Event“ beim „Sterni“ für 1€, lassen dabei keine Diskussionsgelegenheit aus und laden auch neue, jüngere Teilnehmer zum Erfahrungsaustausch mit den Veteranen wie @lambo, @bibliothekarin oder @lesewolke ein.

Am Ende der zwei Tage #bib7 kann man nur allen Teilnehmer und natürlich den Organisatorinnen um Professor Dr. Stephan Büttner der FH Potsdam zu der äußerst gelungenen Veranstaltung gratulieren und fragt sich, warum man eigentlich Schlafsack, Isomatte und Campingausrüstung mit hatte und weshalb nicht viel mehr TeilnehmerInnen anwesend waren. Denn das BibCamp ist keineswegs eine reine Veranstaltung für Studenten, sondern vielmehr eine schrecklich informative und äußerst kommunikative Veranstaltung deren Reiz vor allem der Mix der Teilnehmer ausmacht und hoffentlich auch den Charakter des nächsten BibCamps #bib8 in Leipzig 2015 prägt.

Von Manner, Staren und Footprints

Mur-Insel

Graz, Insel in der Mur

Dass in Richtung Graz keine Flugzeuge des Typs Boeing 787 fliegen würden, habe ich nicht angenommen, dass dahin aber Flugzeuge des Typs DASH8 unterwegs sind, die nur unwesentlich größer als die Spielzeuge meiner Tochter sind, war trotzdem eine Überraschung. Bisher kannte ich den Begriff „Dash“ eher von so Sätzen wie „Fancy a dash ice in your Cola?“ und weniger aus der Luftfahrt. Der Flug in diesem kleinen Flugzeug hatte aber auch Vorteile: Das Sightseeing über Berlin war im Preis mitinbegriffen, der Fernsehturm konnte aus erstaunlicher Nähe bewundert werden… Nach knapp 1,5 Stunden fand auch diese Maschine hüpfenderweise den Weg nach unten und Graz begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein.

Keynote

Roy Williams stellt die Footprints vor

Der diesjährige E-Learning-Tag an der FH Joanneum, der unter dem Motto „Evaluierung offener Lernszenarien“ lief, begann mit der Keynote von Jenny Mackness (Independent Education Consultant) und Roy Williams (University of Porthsmouth). Beide stellten die Evaluations- und Reflexionsmethode der „Footprints of Emergent Learning“ („Fussabdrücke von Lernprozessen“) vor, eine sehr anschauliche Methode, die aufzeigt, wie der Lernprozess und das didaktische Konzept sowohl aus Dozenten- als auch aus Studierendensicht wahrgenommen wird. Die Footprints unterteilen sich in die Viertel/Cluster „Offenheit und Struktur“, „Interaktive Lernumgebung“, „Raum für persönliche Entwicklung“ und „ Eigener Stil, Selbstpräsenz“ und werden spezifiziert durch insgesamt 25 Faktoren (hier gibt es eine genaue Erklärung der Cluster und deren einzelnen Faktoren), die sich wertemäßig in verschiedenen Zonen des Kreises befinden – von der Mitte (1 – 10) bis hin zum Rand (ab dem Wert 30):

  • 1-10 vorgeschriebenes Lerndesign (wenig Offenheit, Aufgaben müssen abgearbeitet werden)
  • 11-16 sweet emergence (recht strukturiert, doch es kann auch Unvorhergesehenes geschehen, die Lernenden sind meistens in der Komfortzone)
  • 17-22 medium emergence (teilweise forderndes Lerndesign, es braucht Eigeninitiative und Engagement, um seinen, ihren Weg zu finden)
  • 23-28 sharp emergence (das Lernen ist anstrengend manchmal liegt zu viel Verantwortung auf den Lernenden, die Organisation des Lernprozesses, die Aufgabenstellungen brauchen Energie, die in der Auseinandersetzung mit dem Inhalt fehlt)
  • 29-30 Rand des Chaos (die Aufgaben sind so offen, komplex, dass nur mehr wenig Zeit für Inhalte übrig bleibt)
  • > 30 im Chaos (Lernen ist nicht mehr möglich, die Energie liegt in der Bekämpfung des Chaos oder die Lernenden gegeben auf, ziehen sich zurück).
Footprint2

Bsp.-Footprint

Mehr Informationen zu den Footprints, den Faktoren und die Möglichkeit die Footprints selbst auszuprobieren gibt es hier.

Auch kommt es auf die Sichtweise der Studierenden an: Fühlen diese sich bspw. in der „Sweet emergence-Zone“ im Cluster „Interaktive Lernumgebung“ beim Faktor „Co-Evolution“ wohl und möchten gar nicht mehr gefordert werden, so kann eine durch den Dozenten wohlgemeinte Veränderung lerntechnisch eher ins Negative umschlagen. Das Bild links wie die Erklärung der Werte oben wurden dem Blogs des ZML entnommen.

Interessanter Vergleich im Laufe des Vortrages: Das Verhalten von Teilnehmern beim E-Learning ähnelt dem von Staren, die sich einen Nachtplatz suchen. In beiden Fällen kann man das was folgt kaum vorhersehen…

Footprint_Reimerth

Erläuterung der eigenen Erfahrungen mit den Footprints

In den weiteren Vorträgen von Gudrun Reimerth und Barbara Ormsby im Track „Footprints und Reflexion“ wurde nochmals detailliert auf Erfahrungen mit den Footprints eingegangen. Reimerth (linkes Bild) nutzt die Footprints als selbstevaluations- und Weiterentwicklungstool in der PR Ausbildung und beschrieb, wie sie beim Einsatz stellenweise zwischen Euphorie und Ernüchterung hin- und hergerissen war. Denny Seiger (FH Joanneum Management internationaler Geschäftsprozesse) und Rainer Loidl (FH Joanneum Soziale Arbeit) nahmen die TeilnehmerInnen mit nach Stockholm, und verglichen das Reisen mit dem Lernen bzw. Lernprozessen. Was bringt mehr: ein planvolles Vorgehen oder ein offenes Herangehen? Sie kamen zu dem Schluss, dass eine Kombination beider Wege auch zum Ziel führt.

Nach der Pause ging es im Track „Evaluierungszenarien“ weiter. Heribert Popp (TH Deggendorf) erläuterte wie Nutzungsdaten der NutzerInnen aus Moodle (u.a. Log-In-Frequenz, Engagment in den Foren, eingereichte Seminararbeiten) zur Evaluierung virtueller Mathematik-Kurse ausgewertet werden („Learning Analytics), um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen Lernaktivität und Lernerfolg besteht. Bei Johannes Feiner und Elmar Krajnc (FH Joanneum, Intertechnik) konnten die BesucherInnen des Tracks live bei einer Online-Vorlesung via Etherpad mitmachen und sich somit in die Rolle der Studierenden einfinden. Im Anschluss stellte ich die „Evaluationsmethoden der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement“ vor und wies in diesem Zusammenhang auch auf die daraus gezogenen Schlüsse hin, wie z.B. der Einrichtung des Kurses „Gute Online-Lehre“ oder auch der Renovierung eines Seminarraumes unter der Berücksichtigung der Gruppenarbeit. Der letzte Vortrag hatte das Thema „Planspiel“ und Wolfgang Gruber (FH St. Pölten) stellte dar, wie es ihm gelingt, die Studierenden im Rahmen des Seminars „Internationale Entwicklung im historischen Kontext“ zu einer aktiveren Teilnahme zu bewegen.

Nach einer kurzen Kaffepause und einem kohlenhydratenhaltigen Snack in Form des berühmten östrreichischen „Manner“-Riegels ging es weiter. Nun war nochmal die Aktivität der TeilnehmerInnen gefragt! Beim deutsch-englischen Footprint-Workshop hatten wir die Gelegenheit eigene Footprints zu erstellen und mit Jenny Mackness und anderen Teilnehmenden darüber zu diskutieren. Aus diesem Workshop nehme ich als Ergebnis mit, dass Footprints

  • keine Wertung darstellen
  • immer in ihrem subjektiven Kontext zu sehen sind und somit
  • ist eine Häufung im inneren Bereich des vorgeschriebenen Lerndesigns auch per Se nicht schlecht.

Footprint_Graz

 

Zum Abschluss des Tages habe ich einen eigenen Footprint der Veranstaltung erstellt.

 

Die FaMI-Ausbildung im Bundesarchiv wird 15! Symposium in Berlin-Lichterfelde

Am 5. September 2014 fand im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde ein Symposium anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der FaMI-Ausbildung statt.

Den dazugehörigen Tagungsbericht „Vielseitig, vielfältig, FaMI“ gibt es auch der Seite des Bundesarchivs.

Auch wir gratulieren zum Geburtstag des jungen Ausbildungsberufes, der 1999 eingeführt wurde und freuen uns auf many years to come mit unseren Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste :-)!

Mehr als „nur“ Bauhaus – Tagung der FaMI-AusbilderInnen des Bundes in Dessau

Am 12. und 13. Juni 2014 fand in Dessau die Tagung der FaMI-AusbilderInnen des Bundes statt. Es war mein erster Besuch in der Bauhaus-Wirkstätte und wird in Anbetracht meiner Leidenschaft für Architektur und Design – ich habe unter anderem ein zweimonatiges Praktikum im Bauhaus-Archiv Berlin während meines Studiums gemacht – nicht mein letzter gewesen sein.

Anlass meiner Reise war jedoch die Präsentation der Fernweiterbildung Archiv und Bibliotheksmanagement vor den FaMI-AusbilderInnen, gemeinsam mit Patrick Frischmuth, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste im Bundesarchiv Berlin und Teilnehmer der 5. gradualen Fernweiterbildung Archiv. Bereits im letzten Jahr präsentierten meine Kollegin Sabine Wolf, Projektkoordinatorin für die Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement, und ich unser Weiterbildungsangebot im Rahmen der Tagung im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin.

Diesjähriger Tagungsort war das Umweltbundesamt (UBA) und den Schwerpunkt unseres Vortrages bildete die Frage, welche Kenntnisse und Fähigkeiten ein/e FaMI für die Fernweiterbildung bereits mitbringt und worauf AusbilderInnen (künftig) achten sollten, um ihren Azubis einen bestmöglichen Start in die Höherqualifizierung zu ermöglichen. Die Präsentation von Patrick Frischmuth ist am Ende dieses Beitrags eingestellt.

Oliver Olesch, Leiter der Fachbibliothek Umwelt und „seine“ FaMIs waren für die einwandfreie und liebevolle Organisation verantwortlich: So wurde ich bereits am Dessauer Bahnhof von einem „Fachangestellten-Komitee“ empfangen, das mir den Weg zum Tagungsort wies, wo mir am „Check-In-Schalter“ meine Unterlagen überreicht wurden. Wer nun denkt, dass es gar nicht mehr besser kommen kann, der irrt! Neben Keksen sowie Heiß- und Kaltgetränken gab es nämlich auch noch selbst gebackene Cake-Pops, die mir im Vergleich zu anderen Fachtagungen als originelle Aufmerksamkeiten in Erinnerung bleiben werden.

Das UBA ist seit 2002 Ausbilder für den FaMI-Beruf (Fachrichtung Bibliothek) und bildet derzeit 12 Fachangestellte aus. Im Anschluss daran werden FaMIs für ein Jahr übernommen; bei sehr guten Leistungen in den Abschlussprüfungen für weitere sechs Monate. Die schulische Ausbildung erfolgt am OSZ Louise Schroeder in Berlin, da Sachsen-Anhalt selbst keine Fachangestellten ausbildet.

Sachsen-anhaltische Azubis des FaMI-Berufes gehen zur schulischen Ausbildung entweder nach Berlin oder in das Thüringische SBZ Sondershausen. Auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein verfügen über einen solchen Kooperationsvertrag: So findet die schulische Ausbildung von FaMIs aus Schleswig-Holstein an der Beruflichen Schule Müritz statt.

Anhand einer Statistik des Bundesverwaltungsamtes (BVA) verdeutlichte Herr Olesch den aktuellen Stand des Ausbildungsberufes in den Bundesbehörden. So gab es 2013 insgesamt 180 auszubildende FaMIs, verteilt auf 53 Einrichtungen und fünf Fachrichtungen. Die meisten Fachangestellten arbeiteten in der Fachrichtung Bibliothek (98 Azubis); 48 Ausbildungsplätze entfielen auf die Fachrichtung Archiv, 31 auf den Bereich Information und Dokumentation, 2 auf die Fachrichtung Medizinische Dokumentation und schließlich entfiel 1 Ausbildungsplatz auf den Bereich Bildagentur. Weiterhin stellte der Bund 2013 insgesamt 66 vollständig qualifizierte Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste neu ein (Bibliothek: 33, Archiv: 22, IuD: 10, Med. Dok.: 1).

FaMI-Ausbildertagung

Doch wer bewirbt sich überhaupt um einen Ausbildungsplatz zur/zum FaMI?

„Klassische“ Schulabgängerinnen und Schulabgänger gibt es kaum noch, wie aus der anschließenden, sehr lebhaft geführten Diskussion der AusbilderInnen hervorging. Nur noch wenige bewerben sich direkt im Anschluss an die Mittlere Reife oder das Abitur um einen Ausbildungsplatz in diesem Berufsfeld. Personalverantwortliche in Archiven, Bibliotheken und Dokumentationsstellen sehen sich zunehmend mit einer „Überalterung“ ihrer BewerberInnen konfrontiert, denn viele unter ihnen haben bereits eine abgeschlossene Ausbildung oder gar ein abgeschlossenes Studium.

Die starke Motivation und zuvor erworbene Kompetenzen der „reifen“ Bewerberinnen und Bewerber stehen im Spannungsfeld zu späteren Autoritätsproblemen gegenüber den jungen FaMI-AusbilderInnen und BerufsschullehrerInnen.

Doch eine Bewerbung im Vorfeld nicht zu berücksichtigen, da es sich um eine Zweitausbildung handelt, kommt für die meisten Bundesbehörden nicht in Frage.

Intrinsische Motivation

Woran geeignete Azubis zu erkennen sind und wie ihnen der Start ins Berufsleben und der Ausbildungsalltag erleichtert werden können, sollte im Vortrag der Diplom-Psychologin Corinna Rakow (Deutsche Gesellschaft für Personalwesen e.V – DGP) verdeutlicht werden. InteressentInnen, die sich aus intrinsischer Motivation heraus bewerben – also dem Wunsch, eine bestimmte Handlung auszuführen, weil die Handlung an sich als interessant und erfüllend wahrgenommen wird – sind die idealen Auszubildenden. Azubis nach diesem Kriterium auszuwählen klingt zunächst einfach. Jedoch kann die wahre Motivation in vielen Fällen nur zwischen den Zeilen, also beispielsweise in einem informellen Gespräch nach dem Vorstellungsgespräch, ermittelt werden. Im Ausbildungsalltag sei es weiterhin wichtig, so Rakow, dass sich die AusbilderInnen auch nach mehreren Jahren der Berufstätigkeit in die Situation ihrer Auszubildenden hineinversetzen können. Nicht immer sind fehlende Motivation oder mangelndes Interesse Grund für schlechte Leistungen oder Fehlzeiten. Frau Rakow betonte, dass die Auszubildenden ganzheitlich betrachtet werden müssen – die individuelle Lebenssituation sollte bei MitarbeiterInnengesprächen, insbesondere in Krisensituationen, immer berücksichtigt werden.

Motivation ist ebenfalls von zentraler Bedeutung wenn es um die Entscheidung für eine Weiterbildung geht. Für unsere FernweiterbildungsteilnehmerInnen sind sowohl die Aussicht auf eine höhere Qualifizierung und Besoldung (extrinsisch) als auch der Wunsch nach einer anspruchsvollen Tätigkeit mit vielfältigen Aufgaben (intrinsisch) ausschlaggebende Gründe an die FH Potsdam zu kommen. Für viele von Ihnen geht mit dem Erlangen des akademischen Grades B.A. im Anschluss an die Weiterbildung der Wunsch nach einer interessanten Tätigkeit und entsprechender Höhergruppierung in Erfüllung. Diejenigen, die die Weiterbildung aus Eigeninitiative heraus und ohne Unterstützung des Arbeitsgebers absolvieren, haben sehr gute Aussichten, sich erfolgreich auf Stellen des gehobenen Dienstes im gesamten Bundesgebiet zu bewerben. Gerade in Kommunalarchiven wird nach Aussage von Vertretern der BKK (Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag) dringend nach archivfachlichem Nachwuchs im gehobenen Dienst gesucht.

Neue Entgeltordnung des Bundes

Roswitha Hoge, Zuständige für die FaMI-Ausbildung und Fortbildung zum Fachwirt für Medien- und Informationsdienste der Bezirksregierung Köln, forderte MitarbeiterInnen, die sich neben der Arbeit weiterqualifizieren und anspruchsvollen Tätigkeiten nachgehen – dabei aber weiterhin in Entgeltstufe 6 (oder darunter) eingestuft sind – zu mehr Mut und Initiative auf: „Es wird kein Arbeitgeber ankommen und Ihnen freiwillig mehr zahlen!“ Alle Angestellten des Bundes haben seit dem 1. März 2014 das Recht, bei Übertragung einer höher zu bewertenden Tätigkeit stufengleich höher eingruppiert zu werden (Vgl. Flugblatt-Entgeltordnung-Bund). Die Entgeltgruppe 9 wurde mit der neuen Entgeltordnung für den TVÖD (gilt seit 01.01.2014) in zwei Gruppen gespalten: 9a und 9b. „Die Entgeltgruppe 9a besitzt ab sofort die Tätigkeitsmerkmale der „kleineren“ Entgeltgruppe 9“ – Das bedeutet, dass u.a. Fachwirte für Medien- und Informationsdienste künftig bei entsprechenden Tätigkeitsmerkmalen in die 9a eingruppiert werden können. Die Tarifstufen EG 9b – EG 12 bleiben weiterhin Archiv-/Bibliotheks-/IuD-MitarbeiterInnen mit abgeschlossener (Fach-) Hochschulbildung (Dipl. oder B.A.) und entsprechender Tätigkeit vorbehalten.

Die Fachwirtfortbildung, die bisher nur in Hessen und Nordrhein-Westfalen angeboten wird, soll künftig auch auf Bundesebene eingeführt werden. Eine baldige Einführung ist derzeit jedoch noch nicht absehbar, da zunächst ein geeigneter Bildungsträger gefunden werden muss.

Mein Bericht zur Tagung der FaMI-Ausbildertagung des Bundes soll an dieser Stelle enden, da ich leider nicht die Möglichkeit hatte am 2. Tagungstag teilzunehmen. Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei dem Leiter der größten Umwelt-Fachbibliothek im deutschsprachigen Raum, Herrn Oliver Olesch, und seinen Auszubildenden für die tolle Organisation bedanken! Ebenfalls bedanke ich mich bei den FaMI-AusbilderInnen für die lebhafte und offene Diskussion und hoffe gleichzeitig auf ein paar Kommentare, die meine Eindrücke ergänzen.