Hätte man mich vor einigen Jahren nach meinem Beruf
gefragt, hätte ich „Historiker und Archivar“ geantwortet – heute ist die Antwort eindeutig „Archivar und Historiker“.

– Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

Dr. Stefan Schröder beendete 2014 sein Masterstudium erfolgreich mit der Arbeit „Archivmanagement in kleinen Archiven“. Damit gelang dem engagierten Grevener Archivar ein Leitfaden für die Professionalisierung der Archivarbeit in kleinen kommunalen Archiven. Stefan Schröder bloggt für das Stadtarchiv Greven im Archivamtblog und ist beliebter Referent auf Fachtagungen wie dem Westfälischen Archivtag. Für unsere Blogreihe gewährt er uns einen Blick auf seinen Lebenslauf.


Quelle: StaG F3D-595 (Stefan Schröder im Gespräch beim „Tag der Archive 2016“, den der AKAST, bestehend aus 25 Kommunalarchiven, diesmal zum Thema "1816-2016 ǀ 200 Jahre Kreis Steinfurt" in Steinfurt ausgerichtet hat)

Stefan Schröder im Gespräch beim „Tag der Archive 2016“, den der AKAST, bestehend aus 25 Kommunalarchiven, diesmal zum Thema „1816-2016 ǀ 200 Jahre Kreis Steinfurt“ in Steinfurt ausgerichtet hat. Quelle: Stadtarchiv Greven (StaG F3D-595)

Nach meinem Abitur 1986 und anschließendem Zivildienst habe ich 1988 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein Magisterstudium (zunächst Hauptfach Archäologie) begonnen und im Jahr 2000 das Studium der Neueren und Mittelalterlichen Geschichte und Romanistik mit der Direktpromotion beendet. 2005 wurde meine Dissertation „Displaced Persons im Landkreis und in der Stadt Münster 1945-1951“ veröffentlicht. Hierfür waren Archivreisen weltweit nötig (Public Record Office, Kew/London; UN-Archiv, New York; National Archives and Records Administration, Washington D.C.; Archives Nationales, Paris und etliche weitere deutsche Archive vom kleinen Kommunalarchiv bis zum Bundesarchiv).

Der Reiz der Archivarbeit während der Promotionsphase hat mir den Weg zu meinem Berufswunsch gewiesen. Zu diesem Zeitpunkt war ich aufgrund der damals geltenden einschlägigen Voraussetzungen (üblicherweise erstes Staatsexamen + Promotion, Höchstalter 32 Jahre) für eine Bewerbung zum Archivreferendariat allerdings nicht mehr geeignet. Im Archivwesen bin ich dennoch untergekommen weil es damals nicht selten noch die Möglichkeit gab, als Quereinsteiger ohne archivfachliche Ausbildung eine Stelle zu bekommen, was heute nur noch ganz vereinzelt möglich ist. Dafür waren meine beruflichen Erfahrungen (Praktika und befristete Beschäftigungen in einer Universitätsbibliothek, mehreren Archiven und einer Gedenkstätte) sehr von Nutzen. Als Student habe ich meine Finanzen zunächst mit Semesterferienarbeit als Leiharbeiter in der ostwestfälischen Möbelbranche und als Fensterputzer in Münster aufgebessert, mir dann aber gezielt Jobs gesucht, die beim Einstieg in das Berufsleben nach dem Studium hilfreich sein könnten. Und die waren mehrheitlich sehr nah am Archivwesen. So bin ich 1999 zunächst befristet ins Stadtarchiv Greven/Westfalen gekommen, seit 2001 unbefristet, und 2002 dessen Leiter geworden.

Der M.A. Archivwissenschaft an der Fachhochschule Potsdam: Fragen der digitalen Archivierung und des Archivmanagements waren ausschlaggebend bei der Entscheidung für das Studium

Meine Archivarbeit auf hohem Niveau zu gestalten war mir immer wichtig. So habe ich seit 1999 zahlreiche Fortbildungen des LWL-Archivamtes, aber auch der Archivschule Marburg  und der Fachhochschule Potsdam (FHP) absolviert. Als der M.A. Archivwissenschaft 2009 an der FHP etabliert wurde, war ich zunächst zurückhaltend – ein neuer Studiengang? Mir stellte sich die Frage, ob ich das fachlich brauche und wie sich so ein Studium in die Vollzeitberufstätigkeit integrieren lässt, von der Kostenfrage ganz zu schweigen. Beim Umfang meiner fachlichen Kenntnisse musste ich mir schon eingestehen, dass gerade der zukunftsträchtige Bereich der digitalen Langzeitarchivierung, den ich seit 2002 selbst im Blick hatte, doch mehr braucht als gelegentliches Selbststudium ohne roten Faden. Besonders interessiert war und bin ich auch an Fragen des Archivmanagements, aus der dann 2014 auch meine Masterarbeit entstand. Beide Themenbereiche haben dazu beigetragen, mich für den zweiten Masterkurs 2011-2014 zu bewerben.

Als Fazit kann ich verraten, dass mich fast alle Module weitergebracht oder zumindest mein vorheriges berufliches Wirken bestätigt haben. Hätte man mich vor einigen Jahren nach meinem Beruf gefragt, hätte ich „Historiker und Archivar“ geantwortet – heute ist die Antwort eindeutig „Archivar und Historiker“.Für meine Arbeit in einem kleineren Kommunalarchiv sind definitiv beide Ausbildungen wichtig, um das Profil des Stadtarchivs Greven so zu gestalten, dass alle Arbeitsbereiche ausreichend und auf hohem Niveau berücksichtigt werden, siehe dazu das BKK-Positionspapier.

Stadtarchiv Greven

Übernahme von Vereinsschriftgut ist Alltag in einem Kommunalarchiv, das sich als Institution für die gesamte Ortsgeschichte, nicht nur die Geschichte der eigenen Verwaltung zuständig sieht. Quelle: Stadtarchiv Greven, StaG F3D-616

Für die unterschiedlichen Ansprüche aus Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit wird Fachwissen benötigt, das zwischen Lokal- und Regionalgeschichte, Archivpädagogik, Records Management, digitaler Langzeitarchivierung, Bestandserhaltung und baufachlichen Fragen, Archivrecht und weiteren Facetten oszilliert. Insofern hat sich mein Geschichtsstudium mit dem der Archivwissenschaft in Potsdam fruchtbar ergänzt.

Rückblickend betrachtet…

Ich habe auch nochmal in mein Bewerbungsschreiben für den Studiengang von 2011 geschaut. Darin habe ich formuliert, dass ich meinen Wunschberuf mit größtmöglicher Kompetenz und Professionalität ausüben und dieses Wissen als Beitrag im kollegialen Austausch weitergeben möchte. Meiner Erfahrung nach ist besonders in den kleinen Archiven mit eingeschränkten Ressourcen die Person im Archiv der eigentliche Dreh- und Angelpunkt, der/die auch mit wenig Mitteln viel für das eigene Archiv tun kann. Insofern hoffe ich, dass die Kolleginnen und Kollegen aus den kommunalen Archiven im Kreis Steinfurt, die seit 2004 in einem gemeinsamen Arbeitskreis (AKAST) zusammengeschlossen sind, ein wenig mit profitieren können. Zumindest hat mich der AKAST im vergangenen Jahr als Kreisdelegierten für die Teilnahme an den

Stadtarchiv Greven

Unterlagen eines Wasserverbandes gaben die Anregung für eine nähere archivwissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Genossenschaften, siehe http://archivamt.hypotheses.org/3816. Quelle: Stadtarchiv Greven, StaG F3D-615

Sitzungen der ASGA (Arbeitsgemeinschaft der Stadt- und Gemeindearchive beim Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen) gewählt, was ich als Auszeichnung und Verpflichtung gleichermaßen ansehe. Ich sehe aber auch die Aktivitäten, die ich für das Stadtarchiv Greven im Web 2.0 betreibe, als Teilen von Wissen in diesem Sinne an. Wie so etwas in einem kleineren Archiv funktionieren kann, versuche ich seit einigen Wochen als Teil des Archivamtblogs des LWL-Archivamtes. Von dieser Form der Wissensverbreitung bin ich schon lange überzeugt, der fachliche Austausch während des Masterstudiums über Moodle als Lernplattform hat mir das aber auch nochmal bestätigt.

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Beratung_Archivtag

Weiter+Bildung auf dem Deutschen Archivtag 2016

Dieses Jahr gehen wir in die Weiterbildungsoffensive! Neben der Vorstellung unseres berufsbegleitenden Masterstudiengangs Archivwissenschaft auf dem Deutschen Archivtag unter dem Titel „Weiter+Bildung“, bieten wir außerdem Beratung an unserem Messestand der „Archivistica“ an.

Zusätzlich zu unserem bekannten Informationsangebot möchten wir Studieninteressierte für den Masterstudiengang Archivwissenschaft am Donnerstag, dem 29. September, zwischen 13.00 und 14.00 Uhr gezielt beraten. Hierzu stehen Studiengangsleitung und Studienkoordination sowie Studierende und AbsolventInnen den Interessierten Rede und Antwort.

Am 30. September beraten wir alle, die sich für unsere berufsbegleitende Fernweiterbildung Archiv interessieren. Auch hier werden KursteilnehmerInnen von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Die Beratung findet von 11.00 – 12.00 Uhr statt.

Wir freuen uns auf Ihre Fragen :-)!

Bibliothekswissenschaftler Hans-Christoph Hobohm in die „Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin“ gewählt

Am 7. Juli 2016 wird Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm die Aufnahmeurkunde in die Berliner Gelehrtengesellschaft überreicht.

Ganz in der Tradition der Gelehrtengesellschaften pflegt die Leibniz-Sozietät den interdisziplinären Diskurs auf hohem akademischen Niveau. Neue Mitglieder werden jährlich Leibniz-Logo-2b64eah-150x150durch geheime Wahl nach strengen, akademieüblichen Kriterien auf Vorschlag anderer Mitglieder aufgenommen. Gegenwärtig hat die Leibniz-Sozietät über 300 Mitglieder im In- und Ausland interdisziplinär breitgefächert aus allen Wissensgebieten.

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Foto: FHP

„Die Tradition von Leibniz fortzuführen ist mir eine große Ehre und Herausforderung, nicht nur weil die Informatik ihn als einen ihrer Urväter sieht, sondern vor allem, weil er als Begründer des ersten profanen Bibliotheksgebäudes auch als wichtiger Vorreiter der Bibliotheks-wissenschaft gilt“, freut sich Hans-Christoph Hobohm über seine Wahl.

Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist bisher vor allem international vertreten durch Mitglieder wie Wolfgang Hofkirchner (Wien) oder das Ehrenmitglied Hiroshi Kawai (Tokyo).

Hans-Christoph Hobohm ist u.a. Professor für Bibliothekswissenschaft an der FH Potsdam und Projektleiter der beruflichen Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement.

(Presseerklärung der FHP)

Smile_Logo

Mit einem Lächeln aus der Klischeekiste – Interview in der Smile

Seit dem letzen Jahr gibt es das hochschulinterne Magazin „Smile – Blue Letters“. Neben Neuzugängen beim Personal stellen sich hier auch KollegInnen mit außergewöhnlichen Hobbys vor und auch die „Klischeekiste“  hat ihren festen Platz in der „Smile“ gefunden.

In der Ausgabe vom April diesen Jahres stellten Susanne Freund und Hans-Christoph Hobohm die Fernweiterbildung Archiv und Bibliotheksmanagement vor. Beide Projektleiter wiesen im Interview darauf hin, dass Weiterbildung der Schlüssel zur Praxis ist und betonten die wichtige Rolle, die der Fernweiterbildung auch hinsichtlich des drohenden Fachkräftemangels zukommt.

Was machen eigentlich InformationswissenschaftlerInnen so den ganzen Tag? Vor dem Compi sitzen und Pizza futtern? Unsere neue Dekanin, Karin Schwarz und ihr Vorgänger Günter Neher, widmen sich in der Klischeekiste den Vorurteilen, die so auf dem Campus vorhanden sind, wenn es um unsere Profession geht…

Das vollständige Interview und den Blick in die Klischeekiste gibt es hier:

Wege_Archiv_Blogreihe

Will(weiter)kommen im Archiv!
Sieben Jahre M.A. Archivwissenschaft und persönliche
Résumés unserer AbsolventInnen

2009 wurde unser berufsbegleitender Masterstudiengang Archivwissenschaft eingeführt, der die bis dahin laufenden postgradualen Weiterbildungen zum Diplomarchivar/ zur Diplomarchivarin an der Fachhochschule Potsdam ablöste und die Archivausbildung bei uns um eine wichtige Komponente ergänzte: Die Möglichkeit des Zugangs unserer AbsolventInnen zu den Laufbahnen des höheren Dienstes.

Sieben Jahre, vier Kurse und eine erfolgreiche Reakkreditierung des Studiengangs später möchten wir unsere Absolventinnen und Absolventen um ihr persönliches Fazit bitten: Wie sind sie ins Archivwesen gekommen? Wie hat sich das Fachstudium auf ihre berufliche Situation ausgewirkt? Welchen Aufgaben gehen sie in ihren Archiven nach und wie konnte sie das Studium hierfür qualifizieren? Sind sie in Führungspositionen?

Die Biografien unserer Alumni stehen für Transparenz: Die nicht immer geradlinigen Lebensläufe zeigen Interessentinnen und Interessenten, die vielleicht gerade noch im Geschichtssstudium stecken, wie viele verschiedene Wege es gibt, das erworbene theoretische Wissen um eine praktische Ausbildung zu ergänzen und zeigen auch unschlüssigen Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern im Archiv, wie wertvoll ein (archiv)fachliches Fundament für ihre tägliche Arbeit ist.

Der erste Beitrag in unserer neuen Blogreihe „Wege ins Archiv(wesen)“ kommt von Dr. Christian Groh, Leiter des Archivs des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen und Masterabsolvent der ersten Stunde.

„Es war mir besonders wichtig, die „on the job“ erworbenen Kenntnisse auszuweiten. Als Historiker lernte ich Im Laufe der Zeit die Vielfältigkeit der Archivarbeit gegenüber der rein wissenschaftlichen Arbeit zu schätzen“.

Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Dr. Christian Groh, Leiter des Archivs des ITS in Bad Arolsen, Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Zuächst studierte ich Anglistik, Mittlere und Neue Geschichte sowie Politikwissenschaften in Heidelberg, wo ich 1996 meinen Magisterabschluss machte. Im Rahmen meiner Promotion arbeitete ich zwischen 1998 und 2002 als wissenschaftlicher Angestellter am Stadtarchiv Pforzheim/ Institut für Stadtgeschichte (StA PF). Hier kam ich durch die Bearbeitung eines umfangreichen Bestands erstmalig mit Archivarbeit in Kontakt. 2002 promovierte ich zum „Wiederaufbau einer demokratischen Polizei in der US-Zone“.

Nach der Bearbeitung des Bestands im Stadtarchiv Pforzheim und mehreren kleinen Publikationen zu Beständen aus dem Archiv erhielt ich eine Festanstellung und übernahm immer mehr Aufgaben aus dem archivischen Bereich, schließlich auch Führungsaufgaben.
Die „on the job“ erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen wollte ich ausweiten und mich für den Beruf als Archivar qualifizieren, dessen Vielfältigkeit ich gegenüber der „rein wissenschaftlichen Arbeit“ als Historiker im Archiv zu schätzen lernte.
Nach mehreren Fortbildungen der Fachhochschule Potsdam, durchgeführt an der Freien Universität Berlin, erschien mir das erstmals angebotene berufsbegleitende Masterstudium die ideale Gelegenheit weil dort relevante Inhalte angeboten wurden (digitale Archivierung u. ä.) und ein enger Bezug zum Arbeitsalltag hergestellt worden konnte.

Mit dem Masterzeugnis 2012 konnte ich mich zunächst erfolgreich auf die Stelle des Leiters des Stadtarchivs Pforzheim bewerben.

Dr Groh vor der Zentralen Namenkartei: Die Zentrale Namenkartei (ZNK) beinhaltet rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Christian Groh vor der Zentralen Namenkartei (ZNK): Sie beinhaltet rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Seit April 2014 leite ich die Abteilung Archiv des International Tracing Service (ITS). Der durch ein internationales Gremium geleitete ITS ist ein Archiv und Dokumentationszentrum über NS-Verfolgung und die befreiten Überlebenden. Teile der mehr als 30 Millionen Dokumente gehören seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“.
Erst seit 2007 stehen die Bestände des ITS der Benutzung zur Verfügung. Archivische Aufgaben sind beim seit 1948 bestehenden ITS (mit Vorgängerorganisationen seit dem Spätjahr 1944) erst spät, etwa seit 2000, ausgeprägt worden. Dies hat insbesondere Folgen auf die Arbeiten der Erschließung sowie auf die Bestandserhaltung.

Kernaufgaben des von mir geleiteten Teams von 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Abteilung Archiv sind die Verbesserung des Zugangs zu den Dokumenten durch Digitalisierung und Erschließung (auf Sammlungsebene und durch die Indizierung von relevanten Informationen auf Dokumentenebene) sowie die Bestandserhaltung.

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