Der Thüringer Archivpreis 2017 geht an…

…das Universitätsarchiv Ilmenau

Ein Beitrag von Anja Kürbis, Leiterin des Universitätsarchivs der Technischen Universität Ilmenau und Studierende des 4. Fernweiterbildungs-Masterstudiengangs Archivwissenschaft

Foto: Anja Kürbis

Als ich im August dieses Jahres erfuhr, dass das Universitätsarchiv Ilmenau den diesjährigen Thüringer Archivpreis erhält, war die Freude zunächst groß. Doch sie wich bald schon einem Gefühl der Verunsicherung: Was, wenn die Öffentlichkeit wirklich Interesse an dem Archiv zeigt? Was, wenn das Festkomitee oder gar die Presse eine Besichtigung des Archivs wünscht? Diese Gedanken führten mich zu grundsätzlichen Frage: Wie gelingt Marketing, wie Öffentlichkeitsarbeit, mit einem Archiv, dessen Magazine so gar nicht dem Standard einer normgerechten Aufbewahrung der Archivalien entspricht? Weiterlesen

Back to the roots

Iva Jobs – Foto: Sabine Wolf

Liebe Blogleserinnen, liebe Blogleser,

ich freue mich als neues Mitglied des Teams der Fernweiterbildung diesen Beitrag verfassen zu dürfen. Seit zwei Wochen bin ich nun zurück an der FHP. Zurück deshalb, weil ich nach meinem Abitur  von 2009 bis 2013 den Bachelorabschluss  in Archiv und 2015 den Masterabschluss in Informationswissenschaften hier gemacht habe.  Als Nachfolgerin von Julia Sammler bin ich seit dem 1. August für die Organisation und Koordination der Fernweiterbildung Archiv und des Masterstudiengangs Archivwissenschaft verantwortlich.

In meinem Studium habe ich durch Praktika und Jobs unterschiedliche Archivsparten kennengelernt und freue mich darauf nun mit unterschiedlichen Charakteren aus unterschiedlichen Archiven zusammenarbeiten zu können.

Seit 2014 arbeite ich außerdem an der HU Berlin und betreue dort das „Weiterbildungsprogramm-Archiv“ der Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung am Institut für Erziehungswissenschaften. Lebenslanges Lernen ist für mich eine Selbstverständlichkeit und eine große Bereicherung für das (Berufs-)Leben. Nicht zuletzt durch meine Mitarbeit an der HU, bin ich für die Bedeutung des Lernens über die gesamte Lebensspanne hinweg sensibilisiert. Umso mehr freue ich mich über die Möglichkeit die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer auf ihrem Weg zu mehr Verantwortung im Beruf zu begleiten.

Auf eine gute Zusammenarbeit! 🙂

Herzliche Grüße

Iva Jobs

Bücherbusfahrer gegen Bibliothekar oder Der ganz normale #gamingwahnsinn

Romy Topf und Bianca Hochstein – Eigenes Foto

Ein Beitrag von Romy Topf und Bianca Hochstein

Wir lernten uns während unserer gemeinsamen Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der damaligen „Thüringischen Bibliotheksschule“ in Sondershausen kennen. Bereits damals war uns beiden klar, dass der Ausbildung eine weitere Qualifikation folgen sollte, um auch weiterhin aktiv an der Gestaltung zukünftiger moderner Bibliotheken mitzuwirken. 2012 hatten wir die Chance, gemeinsam am 6. gradualen, berufsbegleitenden Fernweiterbildungskurs Bibliotheksmanagement der FH Potsdam teilnehmen zu können. Im Oktober 2016 haben wir erfolgreich die Fernweiterbildung abgeschlossen.

In unserer Bachelorarbeit mit dem Thema „E-Sport-Events: Chancen für das Eventmarketing von öffentlichen Bibliotheken“ lag unser Augenmerk auf der Verwendung von Spielkonsolen in öffentlichen Bibliotheken und den vielfältigen Chancen des wettkampfbasierten Spielens von digitalen Spielen im Veranstaltungsangebot ebendieser. Keine Beachtung fand der professionelle E-Sport, der hauptsächlich auf PCs betrieben wird. In Zeiten knapper Budgets ist es für Bibliotheken schwierig, sich leistungsfähige Gaming-PCs anzuschaffen und diese auf dem zum Spielen benötigten aktuellen Stand zu halten. Neue Konsolen kommen alle 3-4 Jahre auf den Markt und stellen damit, unserer Meinung nach, die günstigere Alternative für Bibliotheken dar. Die Arbeit beleuchtet ausschließlich den Grundgedanken „Competitive Gaming“ und die damit verbundenen menschlichen Interaktionen für unterschiedliche Zielgruppen. Der Ort Bibliothek wird zum Erlebnisraum und erhält dadurch eine nachhaltige Aufwertung der Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus können E-Sport-Events einen Beitrag zum bibliothekarischen Bildungsauftrag und zur Gewährleistung von Chancengleichheit leisten. Dazu kommen zahlreiche Möglichkeiten für regionale und überregionale Kooperationen.

FIFA-Turnier im Lesesaal – Eigenes Foto

Neben der Realisierung von fünf Experteninterviews mit Bibliotheken, die bereits im Bereich Gaming aktiv sind, hatten wir die Gelegenheit ein Pilot-Gaming-Projekt in der Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel durchzuführen. Es ermöglichte uns, die Teilnehmer und deren Interaktion während des Events zu beobachten und auszuwerten, sowie eine direkte Befragung der Beteiligten. In unserem Bundesland Sachsen-Anhalt ist das Thema „Gaming in öffentlichen Bibliotheken“ noch relativ dünn besetzt. Wir haben verschiedene Kanäle genutzt, um unsere BA zu promoten und wurden als Folge dessen auch bereits als Referenten eingeladen. Unseren Vortrag auf dem 14. Bibliothekstag Sachsen-Anhalt haben wir genutzt, um unter den ca. 60 Kollegen aus Sachsen-Anhalt mit Hilfe von Gefühlsmonstern eine kleine Abfrage zu starten. Die Gefühlsmonster waren bewusst ausgewählt, denn Gaming hat sowohl bei aktiver Teilnahme als auch bei persönlicher Wertung, immer etwas mit Emotionen zu tun. Unter den Kollegen war lediglich eine Meldung bei dem Gefühl der Ablehnung. Das restliche Publikum stand dem Thema offen gegenüber. Es wurde jedoch deutlich, dass fehlendes Know-How und Ressourcen personeller und finanzieller Art, eine Erarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Thema verhindern.

Nichtsdestotrotz ist das Thema Gaming in Bibliotheken angekommen – auch wenn es sich bisher oft nur um eine theoretische Auseinandersetzung handelt. Wenn Stakeholder nicht das sich wandelnde Geschäftsmodell von Bibliotheken anerkennen und die Bibliotheken, die damit verbundenen Potenziale für die Kommune nicht transparent kommunizieren, ist eine Weiterentwicklung bzw. Umstrukturierung, nur unter Qualitätseinbußen möglich. Wenn ein Bibliotheksleiter sich am Anfang des Jahres rechtfertigen muss, warum seine Ausleihzahlen zurückgehen und das Argument der steigenden Besucherzahlen bei den Trägern nicht zählt, ist es nicht verwunderlich, das die vorhandene Arbeitskraft gebündelt dafür eingesetzt wird, das vermeintliche bibliothekarische Kerngeschäft – das Verleihen eines Medienbestandes – abzusichern.

Wenn sich die internen und externen Stakeholder noch die Frage stellen, warum sich Bibliotheken mit dem Thema Gaming beschäftigen sollten, gibt unsere Bachelorarbeit die Antwort darauf. Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung wird es immer schwieriger, ein attraktives Medienangebot vorzuhalten. Man müsste sogar kritisch hinterfragen, ob es denn jemals das Kerngeschäft von Bibliotheken war, Medien zu verleihen? Ist es nicht eigentlich immer schon das Geschäftsmodell von Bibliotheken, Raum für menschliche Interaktion zu bieten? Den Ort Bibliothek als Begegnungs- und Kommunikationsraum zu nutzen? Konzipieren Bibliotheken nicht schon längst mit den vorhandenen Medieninhalten mittels Lesung, Konzert oder Vorlesewettbewerb einen Mehrwert abseits vom Verleihmodell?

Das Fortschreiten der Digitalisierung und neue technische Entwicklungen machen es aus unserer Sicht sogar noch einfacher, diesem eigentlichen Kerngeschäft nachzukommen. Denn anders als die großen kommerziellen Unternehmen wie Amazon, Netflix und Co. haben Bibliotheken einen Raum in der analogen Welt, den es zu nutzen gilt. In dem konkreten Fall von Gaming-Events haben wir bewiesen, dass die Eigenart eines solchen Veranstaltungsformats über mehrere Stunden zahlreiche Aktionen unter den Teilnehmern fördert, welche nur sehr schwer mit anderen klassischen Eventformaten erzielt werden können. Kommt man mit Kollegen zum Thema Gaming ins Gespräch wird schnell deutlich, dass oft ausschließlich die Zielgruppe Jugendliche in Betracht gezogen wird. Ein Gegenargument, das wir dann oft anbringen ist, dass der durchschnittliche Gamer derzeit 32 Jahre alt ist und dass wir beide auch sehr gern „zocken“. Die Zielgruppen reichen von Kinder- und Jugendlichen über Erwachsene, Senioren und Flüchtlinge. Das verdeutlicht, warum es kein universelles Gaming-Rezept für alle Bibliotheken geben kann und sollte.

analoges Gaming: Die Star Wars Edition von „Das verrückte Labyrinth“ – Eigenes Foto

Zu bemerken ist hierbei, dass nicht nur die Nutzung von digitalen Spielen gemeint ist, sondern durchaus auch Konzepte mit klassischen Brettspielen oder anderen analogen Spielen funktionieren können. Im Pilotprojekt in Salzwedel hatten die Teilnehmer nicht nur die Möglichkeit, sich in mehreren Qualifikationsspielen zu beweisen, sondern auch die Spielpausen zu nutzen, um traditionelle Brettspiele wie „Das verrückte Labyrinth“ zu spielen. Die Kombination von digitalen und analogen Angeboten hat sehr gut funktioniert.

Wie in vielen anderen Bibliotheken war es auch in Salzwedel so, dass das Team zwar nicht ablehnend dem Thema Gaming gegenüberstand, aber eben auch bei Weitem nicht so enthusiastisch war, wie wir es uns gewünscht hätten. Was kann man tun, um das Gefühl von Gaming zu vermitteln? Ganz einfach: miteinander Spielen. Es war ein großartiges Bild zu sehen, wie der Bücherbusfahrer und Bibliothekar, der seit über 20 Jahren hinter dem großen Buslenkrad sitzt, zum ersten Mal in seinem Leben ein kleines Mario-Kart-Plastik-Lenkrad in den Händen hält. Vor Freude, Staunen und Lachen war es ihm kaum möglich, sich auf das Spiel, geschweige denn auf unsere Spieltipps zu konzentrieren. Zum ersten Mal hat er erlebt, was Gaming bedeutet und wollte plötzlich unbedingt beim Pilotprojekt anwesend sein. Er konnte es kaum fassen wie viele Fußball-Profi-Gespräche während des FIFA-Battles geführt wurden.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Gaming-Events ist nach unseren Erfahrungen auch das „aufweichen“ von Hierarchien. Die Leiterin in Salzwedel hat uns ihr uneingeschränktes Vertrauen geschenkt und es nicht bereut. Es darf und sollte keine Rolle spielen, ob der technik- bzw. gamingbegeisterte FaMI, Diplom-Bibliothekar oder Bachelor die Verantwortung für ein Gaming-Event trägt. Bestimmte Hierarchien sind natürlich richtig und wichtig, aber starre autoritäre Strukturen verhindern unseres Erachtens Engagement und innovative Projekte in diesem Bereich.

Wir beschäftigen uns nun seit über einem Jahr mit dem Thema „Gaming und Gamification in öffentlichen Bibliotheken“. Unsere persönlichen Gaming-Leuchtturmprojekte sind derzeit Folgende:

  • Die Mediothek Krefeld hat zusammen mit der deutschen E-Sport Firma TaKeTv im Februar diesen Jahres, das „Crefelder-Fifa-Battle“ veranstaltet. Im Ligabetrieb kämpften verschiedene Teams aus Krefeld im Alter ab 14 Jahren um den Pokalsieg.
  • Die Stadtbibliothek Halle hat im vergangen Jahr ein Minecraft-Projekt mit Jugendlichen gestartet. Ziel des erfolgreich abgeschlossenen Projekts war es, die Stadtbibliothek Halle nachzubauen.
  • Die Stadtbibliothek Wolfsburg hat in der Vergangenheit ein generationsübergreifendes Gaming-Konzept durchgeführt. Kinder erklärten Senioren die Spielmechanik von Wii-Bowling und spielten mit- und gegeneinander.

Teams aus den öffentlichen, kirchlichen Büchereien in Borken, Geldern, Lüdinghausen, Ochtrup und Raesfeld trainierten monatelang analoge Spiele wie bspw. Canasta und Kniffel und Konsolenspiele wie bspw. Dirt 3, Fifa und Minecraft, um am 25.09.2016 das Finale des sogenannten „Bücherei Battles“ in der Remigius Bücherei in Borken auszutragen – Hashtag #gamingwahnsinn.

Der Medienpädagoge der Stadtbibliothek Minden hat zusammen mit Jugendlichen des Jugendhauses Juxbude während einer Projektwoche interaktive Rallyes durch die Stadt Minden entwickelt. Das daraus entstandene Local-Based-Game „MinGo“, realisiert mit der Actionbound App, kann mithilfe von Smartphone oder Tablet gespielt werden und fordert die Teilnehmer heraus, kleine Aufgaben wie Bilderrätsel, Schätzfragen oder Fotoaufgaben zu lösen, und liefert ganz nebenbei interessante Informationen zur Stadtgeschichte.

Diese sehr verschiedenen Projekte zeigen nur eine kleine Auswahl von den zahlreichen Potenzialen von Gaming-Aktivitäten in öffentlichen Bibliotheken. Bei allen Projekten können unter den Teilnehmern neben einer Demokratieerfahrung auch Lern- und Kompetenzpotenziale in den Bereichen Medienkompetenz, kognitive, soziale und persönlichkeitsbezogene Kompetenz und der Sensomotorik verbucht werden. Je nach Konzept können innerstädtische und überregionale Kooperationen entstehen oder auch die Möglichkeit wahrgenommen werden, die Bibliothek außerhalb ihrer Räumlichkeiten zu präsentieren. Gaming-Aktivitäten können Barrieren ökonomischer, institutioneller, räumlicher und kultureller Art überwinden und fördern dadurch auf vielfältige Weise die soziale und kulturelle Interaktion.

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass bis hierher nur über Gaming und nicht über Gamification berichtet wurde. Das Thema „Gamification in öffentlichen Bibliotheken“ steckt nach unserer Sicht tatsächlich noch in den Kinderschuhen. Beim Begriff Gamification denken die meisten Menschen zuerst an Belohnungen in Form von Punkten und Abzeichen. Dann wäre das Konzept der Deutschen Bahn, bei jeder Fahrt mit einer gültigen BahnCard, Prämien- und Statuspunkte zu sammeln und ab 2.000 Punkten den Status „Bahn Comfort – Kunde“ zu erlangen, ja ein sehr erfolgreiches Gamification Konzept?! An diesem ironisch gemeinten Beispiel wird deutlich, dass das Konzept von Gamification viel weitreichender ist.

Spielmechaniken werden in einen „Nicht-Spielkontext“ gesetzt. Man könnte auch sagen: Alltagstätigkeiten werden mit spielerischen Elementen so angereichert, dass sie Spaß bringen und Engagement fördern und sich der Effekt einstellt: „Machen um des Machens Willen“. Gamification ist eine Möglichkeit, um dieses Ziel zu erreichen, aber eben auch kein Allheilmittel.

Aufruf zum Gaming-Event – Eigenes Foto

Für ein gelungenes Gamification-Konzept muss man sich zunächst die Frage beantworten, was genau die Basis für menschliche Motivation ist. Was muss gegeben sein, damit der Mensch von sich aus eine bestimmte Leistung bzw. eine bestimmte Tätigkeit vollbringen möchte? Neben der Motivation spielen dabei die Faktoren eigener Wille und vorhandene Fähigkeiten eine essentielle Rolle. Gamification nutzt spielbasierte Mechanik, Ästhetik und Design, um Menschen zu aktivieren und an einem Prozess teilhaben zu lassen. Gamification-Konzepte stellen eine Umgebung her, um den Nutzer für eine Aktion zu motivieren, das Lernen zu fördern und Probleme zu lösen. Belohnungen in Form von Punkten und Abzeichen sind lediglich die Mechaniken, um den Fortschritt im Spiel zu visualisieren und so ein Feedback zugeben. Die eigentlichen Prämien sollten jedoch immer überraschend kommen und eben nicht in Form von Punkten oder Abzeichen.

Wir planen derzeit den „Lesesommer XXL 2017“ in der Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel durch Gamification-Elemente anzureichern. Gerne schreiben wir – nach der erfolgreichen Umsetzung – einen weiteren Blogbeitrag zum Thema. 😉

Noch mehr zum Thema:

Informatik + Bibliothek = ???

Wenn mich die Leute fragen, was ich beruflich mache, so wäre es ein Leichtes zu sagen, ich sei Bibliothekar. Damit wäre alles gesagt. Die Leute hätten ein Bild von meinem beruflichen Alltag und eine Vorstellung von meinen Aufgaben zwischen Bücherregalen und an Informationstheken.  Genauso wäre es, wenn ich sagen würde, ich bin Fachinformatiker. Da sähe man mich wahrscheinlich den ganzen Tag vor einem PC sitzen und irgendwelche kryptischen Codezeilen in ein nicht minder kryptisches Programm hacken oder beim Aufbau von kabelverworr

Markus Caspers (an der VR-Station) – Foto: privat

enen PC- und Netzwerksystemen. Aber so ist es nicht, denn gelernt habe ich tatsächlich beides und mein beruflicher und akademischer Werdegang führte mich als sogenannter „Systembibliothekar“ in die IT-Abteilung der Stadtbibliothek Köln.

Wie kam es dazu?

Bibliotheken waren für mich schon sehr früh wichtige und sehr interessante Orte, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben. Allerdings riet man mir nach dem Schulabschluss davon ab, eine berufliche Karriere in diese Richtung zu starten. Mangelnde Aufstiegschancen, geringer Verdienst und wenige Jobangebote waren die Gegenargumente. Da ich damals allerdings auch Interesse an informatischen Dingen hatte, führte mich dies 2005 in eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, welche ich 2008 abschloss. Allerdings merkte ich schon während der Ausbildung, dass die reine Entwicklung und Programmierung von Software zwar eine interessante und spannende Aufgabe ist, jedoch auf Dauer nicht die absolut passende Option für mich sein würde. Irgendetwas fehlte dann doch noch. Also entschied ich mich dazu, doch noch eine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz: FAMI) in Fachrichtung Bibliothek bei der Stadtbibliothek Köln zu absolvieren, aller Gegenargumente zum Trotz. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte.

Die Bibliothekskirschblüten im Frühling – Foto: © Stadtbibliothek Köln

Nachdem ich meine FAMI-Ausbildung 2011 bei der Stadtbibliothek Köln abgeschlossen hatte, wurde ich unbefristet übernommen und stellte bald fest: Da geht noch mehr! Als FAMI bieten sich tatsächlich nur begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten. Diese Erkenntnis führte mich 2012 allerdings nicht weg von der Bibliothek, sondern in die berufsbegleitende Fernweiterbildung für Bibliotheksmanagement an der FH Potsdam. Hier hatte ich nicht nur die Möglichkeit, mich neben meinem Beruf aus der Ferne weiterzubilden, das Ziel am Ende der Fernweiterbildung war außerdem (und ist es natürlich immer noch), mit allen erworbenen Modulzertifikaten in das letzte Semester des laufenden Regelstudiengangs Bibliotheksmanagement eingestuft zu werden und dort regulär den entsprechenden Bachelorabschluss zu erwerben. Zudem ist die FH Potsdam dafür bekannt, einen hohen informatischen Anteil im bibliothekarischen Studium anzubieten. Somit konnte ich hier auch meine Kenntnisse aus der Ausbildung zum Fachinformatiker einbringen.

Zentralbibliothek – Foto: © Stadtbibliothek Köln

Die Module der Fernweiterbildung vertieften nicht nur mein Verständnis des bibliothekarischen Fachgebiets, insbesondere wurden durch die Inhalte in den informatorisch-technischen Modulen wie EDV, XML, Datenbanken, Medienpraktikum, Informations-, Kommunikations- und Webtechnologien sowie Bibliothekstechnik nachhaltig meine Bibliotheks- und Informatikkenntnisse miteinander verknüpft. In meinem jetzigen Beruf als Systembibliothekar sind zwar die Inhalte der rein bibliothekarischen Fernweiterbildungsmodule wie formale und inhaltliche Erschließung, Bibliothekstypologien, Bestandskonzeption sowie Bibliotheksdienstleistungen oder Informationsquellen nicht mehr in dem Maße prägend, aber dennoch sind natürlich Grundkenntnisse am Arbeitsort Bibliothek nicht hinderlich. Ganz im Gegenteil. Die Fernweiterbildung in Potsdam hat mir zudem die Möglichkeit eröffnet einen höheren Abschluss bei gleichzeitiger Ausübung meines Berufes zu erwerben. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass eine solche berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahme nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Wer sich dafür entscheidet, sollte wissen, dass dies mit großen Belastungen und Einschränkungen verbunden ist, da ein Großteil des Studiums in der Freizeit erledigt wird. Dafür ist die finanzielle Sicherheit einer Anstellung weiterhin gegeben und im Optimalfall winkt nach dem Bachelorabschluss sogar eine Versetzung auf eine höhere Position, wie in meinem Falle.

Während ich noch die Fernweiterbildung absolvierte, wurde 2015 eine FAMI-Stelle in der IT-Abteilung der Stadtbibliothek Köln frei, auf die ich mich aufgrund meiner beruflichen Qualifikation prompt bewarb und genommen wurde. Beide Fachrichtungen beruflich unter einen Hut zu bringen, war ein echter Glücksfall. Nach meiner Ausbildung zum  Fachinformatiker hatte ich lange Zeit gedacht, dass diese umsonst gewesen sei, da sie mir in meiner Bibliothekslaufbahn nichts nützen würde. Falsch gedacht! Es kam sogar so, dass in der IT-Abteilung gerade zum passenden Zeitpunkt nach meinem Bachelorabschluss im Herbst 2016 eine höhere Stelle frei wurde und ich Anfang 2017 auf diese umgesetzt werden konnte. Spiel, Satz und Sieg!

Aber was mache ich als „Systembibliothekar“ denn jetzt genau?

Kontrolle der Rückbucher-IT – Foto: privat

Eigentlich kennt man Systembibliothekare als IT-versierte Bibliotheksmitarbeiter eher aus den wissenschaftlichen Bibliotheken. Aber auch große öffentliche Bibliothekssysteme, wie die Stadtbibliothek Köln betreuen ihre umfangreiche IT-Infrastruktur mit bibliothekarisch-informatischem Fachpersonal. Zudem ist die Bezeichnung „Systembibliothekar“ nicht geschützt. Mein Arbeitsbereich in der IT-Abteilung der Kölner Stadtbibliothek umfasst zunächst die Betreuung und Pflege des Bibliotheksmanagementsystems. Dazu gehören die Fehleranalyse, Fehlerdokumentation und Anwendungsberatung. Zudem leiste ich zusammen mit meinem Team von acht Leuten den IT-Support für die bibliotheksspezifische Hardware, das Computernetzwerk, das RFID-Selbstverbuchungssystem sowie die Telefonanlagen. Eine weitere Säule bildet auch die Mitarbeit in IT-bezogenen Bibliotheksprojekten, in meinem Fall sind dies das Virtual-Reality-Angebot der Stadtbibliothek Köln und die „Onleihe“, der digitale E-Medien-Leihservice der öffentlichen Bibliotheken. Zudem erledige ich den Einkauf und die öffentlichen Vergaben von informationstechnisch relevantem Equipment für die Bibliothek. Dazu zählen standardmäßige Hard- und Software, Netzwerkkomponenten, Spezialinstallationen wie interaktive Präsentationssysteme sowie projektbezogene Beschaffungen wie beispielsweise VR- und Gaming-Zubehör oder auch mal ganz einfache Dinge wie USB-Sticks. Zu einem vollständigen Beschaffungsvorgang gehören dabei die Marktsichtung, Angebotseinholung, -vergleich und -vergabe, Liefer- und Rechnungsprüfung sowie die Inventarisierung.

Trotz der vielen informationstechnischen Aufgabengebiete ist mein bibliothekarisches Know-How dennoch unabdingbar. Um die informationstechnischen Strukturen in einer Bibliothek umsetzen und vermitteln zu können, sind Kenntnisse über bibliothekarische Datenformate, Ordnungssysteme, Abläufe in der Medienverbuchung oder Informationsvermittlung sowie in der Funktionsweise von Bibliotheksmanagementsystemen notwendig, um auch entsprechende Lösungen anbieten zu können. Zudem ist ein vielfach unterschätzter Punkt die Kommunikation zum Bibliothekspersonal und den Bibliotheksnutzern. Aus diesem Grund zählen auch Anwenderschulungen zu meinen Aufgaben.

Und wer sich jetzt generell fragt, was es mit diesen „Systembibliothekaren“ noch so auf sich hat, dem empfehle ich einen Blick in meine Bachelorarbeit „Der Systembibliothekar an deutschen Bibliotheken“ (https://opus4.kobv.de/opus4-fhpotsdam/frontdoor/index/index/docId/1390) auf dem OPUS-Server der FH Potsdam zu werfen. Bevor ich nämlich einer wurde, habe ich erstmal darüber geschrieben. Zufälle gibt’s… 😉

11. gradualer Bibliothekskurs in Planung!

Sie lieben Ihren Beruf als FaMI bzw. sind mit Leib und Seele gerne BibliotheksassistentIn? Könnten jedoch auch mal wieder Input vertragen? Dann haben wir da was für Sie…

In diesem Jahr wird der nunmehr 11. graduale Fernweiterbildungskurs Bibliothekswissenschaft an den Start gehen. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen und erneut ist das Interesse an einer Teilnahme groß, wie die zahlreichen Anfragen aus ganz Deutschland zeigen.

Doch welche Voraussetzungen sollten Sie, als unsere/unserer zukünftige/r TeilnehmerIn, mitbringen?

  • Eine abgeschlossene Berufsausbildung als FaMI (Fachrichtung Bibliothek) oder BibliotheksassistentIn
  • Eine mind. zweijährige Berufserfahrung in einer Bibliothek
  • Englischkenntnisse

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann steht einer Bewerbung nichts mehr im Wege. Das Bewerbungsschreiben sollte neben den entsprechenden Nachweisen (Zeugnis der Berufsschule, Arbeitszeugnis) ein Motivationsschreiben und einen Lebenslauf enthalten. Haben Sie in den letzen Jahren Fortbildungen besucht? Unterstützt IhrArbeitgeber die Fortbildung finanziell? Dann fügen Sie Ihrer Bewerbung bitte auch darüber Nachweise bei.

Und was erwartet Sie bei uns?

  • Aktuelle Lehrinhalte
  • Angenehme Kursgrößen in einem attraktiven Umfeld
  • Dozentinnen und Dozenten aus Wissenschaft und Praxis.

Eine Bewerbung ist noch bis zum 15. Juni möglich. Der Kursstart ist für Mitte Novemer 2017 geplant. Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne unter sabine.wolf[at]fh-potsdam.de zur Verfügung.

Ich freue mich auf Ihre Bewerbung!

Mit besten Grüßen aus Potsdam in die weite Welt,

Sabine Wolf