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M02 – English for Information Professionals (Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement)

Seit Mitte September hat auch die Fernweiterbildung Bibliothekmanagement einen neuen Dozeten für das Modul „English for Information Professionals. Ken Nein ist sein Name und  Erfahrungen bringt er gleich in doppelter Hinsicht mit: Zum einen lehrte er bereits bei einem Berliner Bildungsträger Fachenglisch und zum anderen ist er Muttersprachler –  was bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern genau so gut ankommt wie seine berühmten „Pennsylvania Dutch Cookies“…

Woher kommst du genau?

Ich bin in Pennsylvania, USA geboren (mein Ur-Ur-Großvater kam aus Deutschland). Nach meinem Studium in Amerika (Hauptfach English), bin ich 1976 nach Berlin umgezogen, eigentlich nur um kurzfristig Germanistik zu studieren. Zufälligerweise habe ich aber dann meine erste Tätigkeit im Bibliothekswesen als „Library Technician“ (heutzutage als FaMI bekannt) bei der U.S. Luftwaffe am Flughafen Tempelhof aufgenommen. Als ich dann später kommissarisch die Bibliotheksleitung übernommen habe, entschied ich, dort zu kündigen und mich beruflich zu qualifizieren. Meinen Diplom-Bibliothekar habe ich an der FU Berlin und eine Zusatzausbildung zum Musikbibliothekar an der FH Stuttgart gemacht.

Ken Nein

Unser neuer Englisch-Dozent: Ken Nein – Eigenes Foto.

In den 80er Jahren arbeitete ich an der FU Berlin in dem Forschungsprojekt „FiSch – Fachinformation in Schulen“, wobei wir viele Berufskollegen die (damals) brandneue Welt der Nachschlagewerke auf CD-ROM vorgestellt haben. Ich war dort Gastdozent für musikbibliothekarische Themen, z.B. Musikbibliographien. Zur gleichen Zeit war ich auf der internationalen Ebene des Musikbibliothekswesens aktiv und wurde 1987 auf der Jahrestagung der Internationalen Vereinigung der Musikbibliotheken, Musikarchive und Musikdokumentationszentren (IVMB) in Amsterdam zum Präsident der Öffentlichen Bibliotheken gewählt (Amtszeit: 3 Jahre). Später war ich fast ein Jahr im Auslandsarchiv des DIN-Instituts eingestellt und danach viele Jahre bei der Bibliographischen Agentur O. Gracklauer im Bereich der Titelschutzrecherche tätig. Seit 1998 leite ich die Schulbibliothek (Das Info-Labor) der Johann-Peter-Hebel-Grundschule in Berlin Wilmersdorf.

Wie ist dein Bezug zu Bibliotheken?

Ich bin eigentlich immer ein „library patron“ gewesen. Ich weiß sogar noch den Titel des ersten Buches, das ich als Grundschulkind ausgeliehen habe. Später auf der High School arbeitete ich ehrenamtlich als „Library Aid“. Während meines 4-jährigen Studiums verbrachte ich die halbe Zeit in der Bibliothek. Warum ist es mir nicht damals schon eingefallen, einen Masters-Abschluss in Library Science zu machen? Ich bin sicher, weil es sich um einen „Frauenberuf“ handele. Inzwischen bin ich emanzipierter als die meisten Frauen und muss ehrlich schmunzeln, wie bequem, selbstverständlich und vor allem naiv es damals war, als Mann solche Vorurteile zu verbreiten. Heutzutage betrachte ich Bibliotheken als letztes Bollwerk gegen die kommenden „New Dark Ages“.

Du unterrichtest ja schon seit einiger Zeit Englisch, oder?

Ja – wieder nur zufälligerweise ist das passiert. 2007 brauchte ein guter Freund, der damals Leiter eines Berliner Bildungsträger war, dringend einen Englischlehrer und bat mich, einige Kurse zu übernehmen, darunter auch Vorbereitungskurse für LCCI-Prüfungen (London Chamber of Commerce and Industry). Über die Jahre wurde das Lehrspektrum immer breiter: HSA- und MSA-Kurse für Schulabbrecher, Englischkurse für Logistiker, Immobilienmakler, Gesundheitsmanager, Erzieher (einer meiner Lieblingsbereiche), IT-Spezialisten, sogar im Bundestag wurde ich eingesetzt (und habe, nach all den Jahren ein neues Wort auf Deutsch gelernt; „Dünkel“). Vor einigen Jahren war es auch nur durch Zufall, dass ich – wegen Dozentenausfall – im FaMI-Bereich eingesetzt wurde. Englisch im Bereich des Bibliothekswesens zu unterrichten ist für mich ein echter Segen und „a work of love“.

Welches Modul lehrst du in der Fernweiterbildung?

Ich unterrichte „English for Information Professionals – Librarians“. Es war meine erste Erfahrung mit einem Moodle-Platform, aber ich hab’s überlebt. Ich freue mich, dass die FH Potsdam demnächst eine Art „Moodle for Dummies“-Kurs  anbietet. Sicherlich werde ich erfahren wie total umständlich ich alles gemacht habe.

Wie ist das Modul aufgebaut?  Wie ist der Unterschied zur bisherigen Lehrform der Blocklehre?

Die Fernweiterbildung ist natürlich kein Grammatikkurs. Also, so wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde, muss ich meine Englischlehrer-Persönlichkeit öfter etwas unterdrücken. Trotzdem finde ich es aus professioneller Sicht absolut notwendig, erst festzustellen, wie gut (oder weniger gut) die Englischkenntnisse in der Klasse sind. Berufstätige FaMIs sollten auf der B1 Ebene sein. Das ist ja auch meistens der Durchschnitt. Nachdem die Werkzeugen für das Fachenglisch in der Warming-Up-Phase festgestellt werden, geht es dann mit der Anwendung richtig los: Lese- und Hörverständnis-Übungen und, nicht zu vergessen, Schreib- und Übersetzungsaufgaben. Sprechübungen werden nicht ganz vernachlässigt, aber, besonders bei einer Fernweiterbildung, ist das, rein praktisch gesehen, kein effektives Mittel. Mir ist vor allem wichtig, dass unsere Leute ihr Fachenglisch auffrischen und aufbauen. Deshalb werden die zu behandelnden Fachbegriffe ständig durch den ganzen Kurs von der Klasse gesammelt und bearbeitet. Wenigstens wird man für die Zukunft das Notwendige auf Papier haben. Hat man im Berufsalltag keine Möglichkeit, die Englischkenntnisse verbal zu benutzen, wird es kein Wunder, dass man vieles später vergisst.

Mit dem Begriff „Blocklehre“ vermute ich, dass du auch auf den Unterschied zwischen Fernstudium und Unterricht vor Ort hinweisen willst. Ich unterrichte Menschen und keine Namen auf einer Liste. D.h. mir ist der menschliche Kontakt primär wichtig. Das fällt hier natürlich fast komplett weg, aber man versucht so gut wie es geht, bei den drei Präsenztagen – vor allem am ersten Tag – schnell ein gewisses Verhältnis aufzubauen. Bei jeder Kurseinführung stelle ich mich mit meinem Vornamen vor. Das ist für manche Deutsche ein kultureller Schock, aber im Business English völlig legitim. Es ist auch schwerer, die Belastbarkeit der Teilnehmer einzschätzen, wenn man sich nicht jeden Tag sieht.

Welche Leistungsnachweise erbringen die TeilnehmerInnen?

Die meisten Aufgaben werden bei mir nicht benotet, aber unerledigte Aufgaben werden natürlich die Endnote negativ beeinflussen. Von den benoteten Aufgaben (inklusiv einen Fachbegriff-Test am letzten Präsenztag), wird einen Durchschnitt berechnet. Die letzte Aufgabe im Modul ist in „Independent Project“-Form und dient als praktische Anwendung.

Welchen Rat möchtest du unseren TeilnehmerInnen mit auf den Weg geben?

Es ist immer erfreulich, wenn man erfährt, dass eine neue Bibliothek irgendwo entsteht oder eine schon vorhandene Einrichtung renoviert oder ausgebaut wird. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass wir in einem Land leben, in dem man keine Lösung für einen bitter notwendigen Neubau der Zentralbibliothek der Hauptstadt findet. Es geht schlicht und einfach um Prioritäten, und die Politik hat gezeigt, obwohl ein neues Gebäude mitten in der Stadt errichtet wird, dass man, in Hinsicht auf den Stellenwert des Bibliothekwesens, blind ist. Egal ob man in der „Weltstadt“ Berlin oder im Kleinkleckersdorf als BibliothekarIn arbeitet, sollte man auf der Hut sein.