Will(weiter)kommen im Archiv!
Sieben Jahre M.A. Archivwissenschaft und persönliche
Résumés unserer AbsolventInnen

2009 wurde unser berufsbegleitender Masterstudiengang Archivwissenschaft eingeführt, der die bis dahin laufenden postgradualen Weiterbildungen zum Diplomarchivar/ zur Diplomarchivarin an der Fachhochschule Potsdam ablöste und die Archivausbildung bei uns um eine wichtige Komponente ergänzte: Die Möglichkeit des Zugangs unserer AbsolventInnen zu den Laufbahnen des höheren Dienstes.

Sieben Jahre, vier Kurse und eine erfolgreiche Reakkreditierung des Studiengangs später möchten wir unsere Absolventinnen und Absolventen um ihr persönliches Fazit bitten: Wie sind sie ins Archivwesen gekommen? Wie hat sich das Fachstudium auf ihre berufliche Situation ausgewirkt? Welchen Aufgaben gehen sie in ihren Archiven nach und wie konnte sie das Studium hierfür qualifizieren? Sind sie in Führungspositionen?

Die Biografien unserer Alumni stehen für Transparenz: Die nicht immer geradlinigen Lebensläufe zeigen Interessentinnen und Interessenten, die vielleicht gerade noch im Geschichtssstudium stecken, wie viele verschiedene Wege es gibt, das erworbene theoretische Wissen um eine praktische Ausbildung zu ergänzen und zeigen auch unschlüssigen Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern im Archiv, wie wertvoll ein (archiv)fachliches Fundament für ihre tägliche Arbeit ist.

Der erste Beitrag in unserer neuen Blogreihe „Wege ins Archiv(wesen)“ kommt von Dr. Christian Groh, Leiter des Archivs des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen und Masterabsolvent der ersten Stunde.

„Es war mir besonders wichtig, die „on the job“ erworbenen Kenntnisse auszuweiten. Als Historiker lernte ich Im Laufe der Zeit die Vielfältigkeit der Archivarbeit gegenüber der rein wissenschaftlichen Arbeit zu schätzen“.

Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Dr. Christian Groh, Leiter des Archivs des ITS in Bad Arolsen, Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Zuächst studierte ich Anglistik, Mittlere und Neue Geschichte sowie Politikwissenschaften in Heidelberg, wo ich 1996 meinen Magisterabschluss machte. Im Rahmen meiner Promotion arbeitete ich zwischen 1998 und 2002 als wissenschaftlicher Angestellter am Stadtarchiv Pforzheim/ Institut für Stadtgeschichte (StA PF). Hier kam ich durch die Bearbeitung eines umfangreichen Bestands erstmalig mit Archivarbeit in Kontakt. 2002 promovierte ich zum „Wiederaufbau einer demokratischen Polizei in der US-Zone“.

Nach der Bearbeitung des Bestands im Stadtarchiv Pforzheim und mehreren kleinen Publikationen zu Beständen aus dem Archiv erhielt ich eine Festanstellung und übernahm immer mehr Aufgaben aus dem archivischen Bereich, schließlich auch Führungsaufgaben.
Die „on the job“ erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen wollte ich ausweiten und mich für den Beruf als Archivar qualifizieren, dessen Vielfältigkeit ich gegenüber der „rein wissenschaftlichen Arbeit“ als Historiker im Archiv zu schätzen lernte.
Nach mehreren Fortbildungen der Fachhochschule Potsdam, durchgeführt an der Freien Universität Berlin, erschien mir das erstmals angebotene berufsbegleitende Masterstudium die ideale Gelegenheit weil dort relevante Inhalte angeboten wurden (digitale Archivierung u. ä.) und ein enger Bezug zum Arbeitsalltag hergestellt worden konnte.

Mit dem Masterzeugnis 2012 konnte ich mich zunächst erfolgreich auf die Stelle des Leiters des Stadtarchivs Pforzheim bewerben.

Dr Groh vor der Zentralen Namenkartei: Die Zentrale Namenkartei (ZNK) beinhaltet rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Christian Groh vor der Zentralen Namenkartei (ZNK): Sie beinhaltet rund 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Quelle: International Tracing Service Bad Arolsen, Zucchi

Seit April 2014 leite ich die Abteilung Archiv des International Tracing Service (ITS). Der durch ein internationales Gremium geleitete ITS ist ein Archiv und Dokumentationszentrum über NS-Verfolgung und die befreiten Überlebenden. Teile der mehr als 30 Millionen Dokumente gehören seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“.
Erst seit 2007 stehen die Bestände des ITS der Benutzung zur Verfügung. Archivische Aufgaben sind beim seit 1948 bestehenden ITS (mit Vorgängerorganisationen seit dem Spätjahr 1944) erst spät, etwa seit 2000, ausgeprägt worden. Dies hat insbesondere Folgen auf die Arbeiten der Erschließung sowie auf die Bestandserhaltung.

Kernaufgaben des von mir geleiteten Teams von 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Abteilung Archiv sind die Verbesserung des Zugangs zu den Dokumenten durch Digitalisierung und Erschließung (auf Sammlungsebene und durch die Indizierung von relevanten Informationen auf Dokumentenebene) sowie die Bestandserhaltung.

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