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Weil auf jedes Ende ein neuer Anfang folgt…

…verabschiedeten wir den 5. gradualen Fernweiterbildungskurs Archiv in dieser Woche mit dem symbolträchtigen Stift zum Verfassen einer Abschlussarbeit, Nervennahrung und einem Crashkurs im Bachelorarbeiten schreiben.

Drei Jahre sind seit der Begrüßung der engagierten FaMI an der Fachhochschule Potsdam vergangen. Sie haben sich an der Blogparade von Siwiarchiv beteiligt und seit 2013 ihr archivfachliches Fundament Präsenz um Präsenz erweitert. Dem Aufstieg in den gehobenen Dienst sollte nun nichts mehr im Wege stehen!

Dass die Nerven vor der letzten Hürde angespannt sind, kann man niemandem verübeln. Zwar hat man das wissenschaftliche Schreiben mit jeder Hausarbeit aufs Neue geübt, aber was wenn man sich nun bei der Themenfindung verzettelt oder gar zu viel Stoff hat, von dem man keine Abstriche machen möchte?

Auf solche und andere Fragen hatte Rosaria Chirico in ihrem schreibdidaktischen Workshop die passenden Antworten. Die freiberufliche Schreibtrainerin, die wir bereits im vergangenen Jahr kennengelernt haben, überzeugte nicht nur uns, sondern auch unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Angst vor dem Schreiben einer scheinbar endlos langen         ABSCHLUSSarbeit ist einem klaren Kopf und realistischer Einschätzung des Projektes Bachelorarbeit gewichen. Es muss keine Doktorarbeit geschrieben werden! Erkenntnisse sind wichtig, aber sie müssen nicht zwangsläufig neu sein. Wichtig ist, dass sie für die Verfasserinnen und Verfasser neu sind und der Weg zur Erkenntnis für die Gutachterinnen und Gutachter nachvollziehbar ist.

In diesem Sinne wünsche ich den künftigen Absolventinnen und Absolventen eine spannende Reise, an deren Ende der Erkenntnisgewinn einem neuen Anfang vorangeht.

Alles Gute :-)!

 

 

Jeder kann schreiben!

So lautet das Fazit von Rosaria Chirico, Gründerin der Schreibwerkstatt Schreib los!. Am vergangenen Freitag besuchten Julia Sammler und Sabine Wolf den Workshop der Schreibtrainerin zum Thema „Bachelorarbeiten begleiten und bewerten“ in der Filmuniversitat Babelsberg Konrad Wolf. Veranstaltet wurde der Workshop vom Netzwerk Studienqualität Brandenburg (SQB). Hier ist ihre Zusammenfassung des Workshops.

Ergebnisse Workshop

Ergebnisse der ersten Gruppenarbeit – Foto: Wolf

Nachdem zu Anfang die Erwartungen der Teilnehmenden abgefragt wurden, ging es im Anschluss in der ersten Gruppenübung darum, eigene Erfahrungen sowohl als Studierender als auch als Lehrender Revue passieren zu lassen. Was haben negative Bewertungen zu Studienzeiten in mir ausgelöst und was positive? Das Gleiche sollten wir für eine Arbeit herausarbeiten, die von uns bewertet wurde. Warum hat diese Arbeit zu Erfolg bzw. Misserfolg geführt und was waren die Faktoren, die bei der Notengebung eine Rolle spielten? Warum wurden Arbeiten am Ende gut bzw. schlecht bewertet? Fühlen sich Studierende zu Recht ungerecht bewertet?

Hierbei haben alle Gruppen unabhängig voneinander herausgearbeitet, dass „Transparenz“ und „Vergleichbarkeit“ entscheidende Kriterien bei der Notenvergabe sind, die Lehrende vor einer „Rechtfertigungssituation“ bewahren und für Studierende eine „Checkliste“ zum Schreiben einer Arbeit darstellen („Welche Punkte habe ich noch nicht oder zu wenig berücksichtigt, obwohl sie bei der Bewertung eine wichtige Rolle spielen?“).

Fragebogen Studierende

Fragebogen für Studierende – Foto: Wolf

Wie kann weiterhin die Rolle der Betreuenden einer Abschlussarbeit bewusster gestaltet werden, wenn diese doch offensichtlich einen so großen Einfluß auf die Bewertung am Ende hat? Rosaria Chirico verwies hiermit auf das Dilemma, in dem sich viele Gutachterinnen und Gutachter befinden, die gleichzeitig betreuen und bewerten: Der Spagat zwischen „Betreuer und Juror“ ist hierbei häufig schwierig und das daraus resultierende Problem allzu menschlich: Viele GutachterInnen wissen aus eigener Erfahrung, dass das persönliche Verhältnis zu den Studierenden und somit subjektive Einschätzungen ebenfalls als unformulierte Kriterien in die Bewertung einfließen. Abstand ist daher ein ganz entscheidendes Kriterium, wenn GutachterInnen die eigene Objektivität bei der Bewertung in Frage stellen. Die Unschlüssigkeit über die Vergabe der richtigen Bewertung, die weder zu streng noch zu gutmütig ausfallen sollte, kann reflektiert und überwunden werden, indem man sich eine zweite Meinung zur Arbeit durch einen weiteren Fachexperten bzw. eine weitere Fachexpertin einholt.

Ein häufiges Problem, das für „Frust auf beiden Seiten“ sorgt, sind Abschlussarbeiten, die überraschend schlecht ausfallen, obwohl zuvor Sprechstunden und Kolloquien besucht wurden und sich sowohl GutachterIn als auch „Prüfling“ in Sicherheit wähnen, später auf ein angemessenes Resultat zu schauen. Tatsächlich aber sprechen Studierende und BetreuerInnen in Kolloquien häufig aneinander vorbei und dringen somit nicht bis auf den Kern des Problems durch – sei es auch Scham der Studierenden, sich als unwissend „bloßzustellen“ oder aber weil sie das Kernproblem schlicht nicht von selbst erkennen. So berichtete Rosaria Chirico davon, dass Studierende häufig mit formalen Fragen in die Sprechstunde kommen aber dass sich die ursprünglichen Problemstellungen –  beispielsweise Fragen zur richtigen Zitierweise – im Verlauf einer (guten) Beratung häufig als „Nebenschauplätze“ herausstellen, wenn erkannt wird, dass der Arbeit Struktur und roter Faden fehlen.

Abhilfe kann hier ein Fragebogen zur Sprechstundendokumentation schaffen, der sowohl von Betreuenden als auch von Studierenden ausgefüllt wird. Darin festgehalten werden zum Beispiel der Stand der Dinge, Probleme, Lösungsvoschläge etc. (siehe Abbildung). Der Bogen soll dabei helfen, Fallstricke, die während des Bearbeitungsprozesses der Abschlussarbeit auftauchen, zu vermeiden.

Fallstricke…

Ein Fallstrick, der einen besonders gravierenden Einfluss auf die Arbeit hat, ist  z.B. der Schreibtyp, da sich dieser im Zeit- und Selbstmanagement widerspiegelt. Hier gilt es herauszufinden, welcher Kategorie der/die Studierende angehört. Handelt es sich um den kreativ-assoziativen Typ, der eine engmaschige Betreuung und regelmäßigen Termindruck benötigt, damit er sich nicht in Gedanken verliert oder um den strukturierten Schreibtyp, der grundsätzlich über ein gutes Zeitmanagement verfügt aber dafür ggf. dazu neigt, sehr spät mit dem Schreiben zu beginnen oder das Thema der Arbeit so stark einzugrenzen, das wichtige Punkte gar nicht einbezogen werden?

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Fragebogen für Lehrende – Foto: Wolf

Da sich die Studierenden dessen oftmals selbst nicht bewusst sind, ist der Scheibtypen-Test der Goethe-Universität Frankfurt ein erster Schritt, der zusammen mit dem Fragebogen zu einer strukturierteren Herangehensweise bei der Bearbeitung der Bachelorarbeit führt.

Entwicklung eines Bewertungsrasters

Nach der Pause entwickelten wir auf der Grundlage von von vier bereits bestehenden Bewertungsrastern in Gruppenarbeit unsere eigene Bewertungsmatrix. Hierbei zeigte sich, dass die unterschiedlichen Fachgebiete durchaus unterschiedlicher Auffassung waren, wie ausführlich die Punkte Form und Inhalt untergliedert werden sollten und ob eher eine Notenskala oder eher prozentual bewertet werden sollte… wir haben uns schließlich auf eine Notenskala von 1  -5 entschieden und unser Raster grob in Form (30%), Inhalt (40%) und Methode (30%) untergliedert. Letztgenanntere unterteilte sich noch in Eigenständigkeit, Festigkeit und Ablauf. Unter Form fassten wir die äußere Form, die korrekte Verwendung von Zitaten, das einflechten von Tabellen und Abbildungen und die Verwendung von Fachbegriffen zusammen. Unter Inhalt verstanden wir neben der Gliederung auch die verwendete Literatur, das angewendete Fachwissen, die Aktualität der Forschungsfrage, die Reflexion und die belegbarkeit.

In der Tiefe der Erde…

Häufig sind in Abschlussarbeiten Alltagsformulierungen zu finden, die durch ein oberflächlichliches oder fehlendes Lektorat in der Erstversion der Arbeit verblieben sind. Ein Beispiel für die Verwendung von Alltagssprache: „In der Tiefe der Erde wird der Druck immer höher!“ Dieser eher an Küchenpoesie erinnernde Satz hält kaum der Wissenschaftlichkeit stand, da er Präzision als auch den Hinweis auf die Nachweisbarkeit vermissen lässt. In einem kurzen Brainstorming erarbeiteten wir Kriterien eines wissenschaftlichen Textes, wie z.B. die Verwendung von Fachtermini und Definitionen sowie die Vermeidung von Redundanzen und Modalverben. Unsere Aufgabe bestand nun darin, dem aufgeführten Text mithilfe der erarbeiteten Kriterien Wissenschaftlichkeit zu verleihen – mit zum Teil sehr interessanten und ausführlichen Ergebnissen!

Ganz oft ist in Abschlussarbeiten aber auch das umgekehrte Phänomen zu beobachten, bei dem Studierende gar nicht erst in einen Schreibfluss kommen und sich an der möglichst wissenschaftlichen Formulierung Ihrer Sätze die Zähne ausbeißen. Sie verbringen dann zuviel Zeit mit dem Grübeln über gute Formulierungen als mit der eigentlichen wissenschaftlichen Bearbeitung ihres Themas.

Welche Tipps können Lehrende ihren Studierenden also geben, damit diese überhaupt erst einmal ins Schreiben kommen? Hier stellte uns Rosaria Chirico die „Free-Writing-Methode“ vor, bei der es darum geht, erst einmal die Gedanken in Alltagssprache herunter zu schreiben, bevor diese dann in einen wissenschaftlich adäquaten Text umgewandelt werden. Der geschriebene Text kann dabei Fehler aufweisen und es können Füllzeichen verwendet werden, wenn eine Wort fehlt – der Schreibfluss steht im Vordergrund. Als Zeitlimit gilt 5 – maximal 20 Minuten und die Methode kann auch zum „Aufwärmen“ vor dem Verfassen eines längeren Textes verwendet werden.

Selbstverständlich übten wir uns auch selbst im „Free Writing“ und formulierten unsere persönlichen Ergebnisse des Workshops. Dies war dann auch unsere letzte Aufgabe bevor es ans Feedback ging, das äußerst positiv ausfiel – den Erwartungen der Teilnehmenden wurde durchweg entsprochen.

Fazit
Ein anschaulich und gut gestalteter Workshop, der nicht nur auf die bloße Bewertung von Bachelorarbeiten einging, sondern darüber hinaus auch Vorschläge bot, wie z.B. unterschiedlichen Schreibtypen begegnet werden kann. Dabei war besonders interessant, dass es so etwas wie ein „Schreibgen“ gar nicht gibt.  Jede/r von uns zieht vielmehr einen „Schreiberfahrungsschwanz“ an guten und schlechten Erfahrungen mit dem Schreiben hinter sich her und je nachdem, welche Erfahrungen überwiegen, hat diejenige/derjenige dann das Gefühl „gar kein Talent fürs Schreiben“ zu haben. Dabei kann hier eigentlich nur eines helfen:

Üben, üben, üben – denn Schreiben kann wirklich jeder!

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Zweieinhalb Jahre Erforschung akademischer Kompetenzen in den Informationsberufen – Bericht zum AKIB-Abschlussworkshop

Im März 2012 startete am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam das Forschungsprojekt AKIB – Akademische Kompetenzen in den Informationsberufen.

In dem von der ANKOM-Initiative geförderten Projekt wurde erforscht, welche Eigenschaften einen guten Informationswissenschaftler bzw. eine gute Informationswissenschaftlerin ausmachen. Schlüsselkompetenzen sind hierbei von zentraler Bedeutung – diese galt es im weiteren Verlauf des Projekteszu zu ermitteln und neue Wege für deren Vermittlung zu schaffen.

Das Projektteam, bestehend aus Judith Pfeffing, Andres Imhof und Imke Groenveld verglich hierbei die Leistungen von Studierenden des Direktstudiums Archiv/Bibliotheksmanagement mit denen unserer FernweiterbildungsteilnehmerInnen. Dabei wurde festgestellt, dass die Vermittlung akademischer Kernkompetenzen – allen voran das wissenschaftliche Arbeiten – für die aus der Berufspraxis kommenden FaMI künftig einen höheren Stellenwert innerhalb der Fernweiterbildung einnehmen muss.

Im Vergleich zu einem Vollzeit-Präsenzstudium, bei dem das wissenschaftliche Schreiben intensiv geübt werden kann, müssen in der Fernweiterbildung angemessene E-Learning-Wege für das Lernen dieser Kompetenzen entwickelt und erprobt werden, die sich bestenfalls sogar mit der Berufstätigkeit unserer TeilnehmerInnen vereinbaren lässt.

Der vollständige Bericht zum AKIB-Abschlussworkshop ist hier nachzulesen.