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WP-A1 – IuK-Technologien (M.A. Archivwissenschaft)

Nach langer Pause ist es wieder soweit: Hier kommt ein neuer Beitrag aus unserer Reihe „Module unter der Lupe“! Professor Dr. Jörg Bleymehl erweckt unser Wahlpflichtmodul „Informations- und Kommunikationstechnologien“ im M.A. Archivwissenschaft zu neuem Leben. Seit 2000 vertritt er an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fakultät Medien, das Lehrgebiet Angewandte Medieninformatik und Mediengestaltung. Schwerpunkte seiner Lehre im Studiengang Medientechnik sind Webentwicklung und Entwicklung mobiler Anwendungen. Im Studiengang Museologie lehrt er „Datenmanagement und Datenbanken“ und im Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft „Medienkompetenz und Medienherstellung“.

In Anlehnung an die Entwicklungen des Social Web im Archivwesen verhilft der „im Umgang mit GeisteswissenschaftlerInnen geübte“ Ingenieur dem Modul zu neuem Glanz. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit :-)!

Worum geht es bei dem Modul?

Prof. Dr. Jörg Bleymehl

Prof. Dr. Jörg Bleymehl

In der heutigen Zeit sind IuK-Technologien allgegenwärtig und die Entwicklung schreitet rasant voran. Grundlegende Kenntnisse sind daher für alle Bereiche hilfreich, wenn nicht sogar notwendig. Dies gilt auch für die Archivwissenschaft. Diese Kenntnisse sollen es den Studierenden ermöglichen, Möglichkeiten der Technologien für die eigene Arbeit zu erkennen und/oder zu bewerten. Natürlich macht es wenig Sinn, hier allzu tief in technische Details einzusteigen. Hierfür gibt es entsprechende Fachleute.

Der Fokus des Moduls wird auf dem Internet liegen. Hier wird erst einmal die Funktionsweise in vereinfachter Form vermittelt und wichtige Begriffe, die mittlerweile sogar das heimische Wohnzimmer erreicht haben, erläutert (Router, VPN u.a.).

Im weiteren Verlauf des Moduls werden dann verschiedene Dienste des Internet vorgestellt, die von den Studierenden genutzt werden, so z.B. ein Content Management System zum Erstellen einer Webseite oder eines Blogs sowie Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke. Wichtig ist, die Grundprinzipien der Dienste zu verstehen und deren Erfolg nachvollziehen zu können.

Was bringen die Studierenden bereits mit?

Die Studierenden dürften sehr inhomogene Voraussetzungen mitbringen, bedingt durch berufliche oder private Erfahrungen und Präferenzen. Auch ist zu erwarten, dass verschiedenen Diensten (z.B. Facebook) gegenüber durchaus Vorbehalte herrschen und eine private Nutzung deshalb explizit vermieden wird. Hier gilt es, objektive Kriterien herauszuarbeiten, die es ermöglichen, eine Nutzung solcher Dienste im beruflichen Rahmen neutral zu bewerten.

Welche Prüfungsleistung gibt es?

Die Prüfungsleistung wird eine praktische Abschlussarbeit. Hier ist es wünschenswert, dass die Studierenden ein Projekt angehen, welches direkt mit ihrer Tätigkeit in Verbindung steht. Es muss daher mit den Studierenden individuell abgestimmt werden, um was es sich genau handelt.

Vielen Dank!

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HOMO SAPIENS DIGITALIS VS. HOMO SAPIENS
ARCHIVARIUS?

Ein persönlicher Rückblick auf die Tagung „offene Archive 2.2 – Social Media im deutschen Sprachraum und im Internationalen Kontext“ am 3. und 4. Dezember 2015 in Siegen von Julia Sammler

„Den Digital Natives ist der Sieg sicher!“, lautete die frohe Kunde von Marcus Stumpf, der stellvertretend für die BKK (Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag) die Gäste der Tagung „Offene Archive 2.2“ am 3. Dezember 2015 im Siegener „Kulturhaus LYZ“ begrüßte. Die Organisatorinnen und Organisatoren der bereits zum 3. Mal stattfindenden Veranstaltung hatten sich im Vorfeld (inoffiziell) das Ziel gesetzt, sich „neben dem „Jetzt“ auch mit dem „Morgen“, also der Zukunft von Social Media und Web 2.0 im Archivwesen auseinander[zu]setzen“. Und das ist ihnen auch gelungen! Präsentationen aus dem „bibliothekarischen Heute“ von Hans-Christoph Hobohm und Almut Breitenbach, ein Workshop zu Web 2.0-tauglicher Erschließungssoftware und „artfremde“ Beiträge vom Social Media-Experten Frank Tentler und der „histocamp“- Organisatorin Karoline Döring machten einen Ausblick in die archivische (Social Media-) Zukunft möglich. Erfahrungsberichte aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Schweizerischen Bundesarchiv zeigten, wo deutschsprachige Archive im digitalen Raum heute schon verortet werden können.

„Bei 25 Vorträgen aus 7 Ländern an zwei Tagen fällt es allerdings nicht leicht, einen roten Faden zu finden“. Mit Mario Glauerts Schlussworten aus der Vorjahrestagung im Gedächtnis, ist es den OrganisatorInnen gelungen, die traditionelle Struktur mit Workshops und einer Podiumsdiskussion zu „Social Media in der archivischen Aus-, Fort- und Weiterbildung“ aufzubrechen.

"Beruhigend ernüchternd": Eine niedrige Follower-Zahl bei archivischen Facebook-Seiten ist nicht zwangsläufig ein Grund zur Trauer. Bei Jan Graefes Workshop wurden unter anderem (kostenfreie) Monitoring-Tools vorgestellt.

„Beruhigend ernüchternd“: Eine niedrige Follower-Zahl bei archivischen Facebook-Auftritten ist nicht zwangsläufig ein Grund zur Trauer. Bei Jan Graefes Workshop wurden unter anderem (kostenfreie) Monitoring-Tools vorgestellt.

Das Organisationsteam wurde zu Recht von Marcus Stumpf in seiner Eröffnungsrede als „Herzschrittmacher der deutschen Archive im Web 2.0“ bezeichnet – denn: Auf die Sprünge geholfen werden muss dem deutschen Archivwesen nach wie vor. „Heute sind Sie sich da alle einig“, lautete die unschuldige Annahme von Siegen-Wittgensteins amtierenden Landrat Andreas Müller als er sich bei seinen Grußworten rund 80 Web 2.0-affinen Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmern, die überwiegend aus Archiven kamen, gegenüber sah.

Positive Beispiele aus der Fachcommunity, wie die BKK-Handreichung zum Umgang mit Social Media oder die Freischaltung des VdA-Blogs im vergangenen Herbst, zeigen, dass sich auch die großen Instanzen der deutschen Archivwelt diesem inzwischen zum Mainstream gewordenen Thema nicht mehr gänzlich verschließen. Jedoch geht es bei der Frage nach offenen Archiven um weitaus mehr als den bloßen Einsatz neuer Werkzeuge. Denn auch diese werden früher oder später abgelöst, wie Karsten Kühnel seinen Workshop zu Web 2.0-tauglicher Erschließungssoftware reflektiert: „Im Zeitalter des Multi channeling, des user involvement und des Semantic Web dürfe man nicht meinen, es könne einen technischen Entwicklungsstand geben, der nicht bald erneut überholt sein würde.“

Es ist vielmehr eine Frage unserer Mentalität und (Archiv-)Tradition, die deutsche Archive seit jeher von Archiven anderer Länder, vor allem denen im angelsächsischen Raum, unterscheidet. Dies ist in erster Linie am „archivischen Selbstverständnis“ festzumachen. Während sich in Deutschland Archive vor allem als Herrschaftsüberlieferer und Dienstleister der nächst höheren Behörde begreifen, steht beispielsweise in den USA der Nutzer im Zentrum archivischen Handelns, wie unter anderem in der Vorjahres-Keynote von Kate Theimer deutlich wurde. Ein unterschiedliches archivisches Selbstverständnis führt schließlich zu unterschiedlichen Erschließungstraditionen und –methoden und somit auch dazu, dass archivfachlichen Begriffen, je nach Nationalität, eine völlig unterschiedliche Bedeutung zukommen kann. Mit der ICA-Datenbank zur multilingualen Archiv-Terminologie wird versucht, den verschiedenen Traditionen Rechnung zu tragen, jedoch orientiert sich die Sammlung „am Weltbild der Langzeitarchivierung, der Digital Preservation, aus archiv-akademischer Sicht“, wodurch der allgemeine Nutzen eingeschränkt ist.

Hans-Christoph Hobohm: Ein persönlicher Rückblick darüber, wie Bibliotheken ins Web 2.0 gekommen sind.

Hans-Christoph Hobohm: Ein persönlicher Rückblick zum „Sprung“ der Bibliotheken ins Web 2.0.

Deutsche Bibliotheken als „artverwandte“ Einrichtungen haben den Sprung ins Web 2.0 inzwischen geschafft, wie Hans-Christoph Hobohm in seiner Keynote berichtete. Jedoch hat dieser Meilenstein erstaunlich lange auf sich warten lassen, wenn man bedenkt, dass Bibliotheken grundsätzlich nutzerzentrierte Institutionen sind. Der Grundstein wurde 1994 mit der InetBib-Mailingliste und einer „analogen Twitter-Wall“ (ausgedruckte E-Mails an einer Metaplanwand auf einer Tagung) gelegt, wie Hobohm schmunzelnd die Anfänge der digitalen Vernetzung im deutschen Bibliothekswesen resümiert. 2006 wurde im Zuge von Laura Cohens „A librarian’s 2.0 Manifesto“ erkannt, dass BibliotheksnutzerInnen „Satisfaction“ wollen und Bibliotheken ihre Kultur als Ganzes ändern müssen: Die Geburtsstunde des Begriffes „Bibliothek 2.0“.

„Das Digitale geht nicht ohne analoge Beziehungen“, reflektiert Hobohm die Einführung des „BibCamps“ 2008, der ersten Unkonferenz (Begriffsdefinition vgl. Matti Stöhr und Karsten Schuldt, 2011) im deutschen Raum. Unkonferenzen oder BarCamps sind deshalb erwähnenswert weil sie als Gegenentwurf zu konventionellen Tagungen keine festen Themen und ReferentInnen vorgeben und somit keine Distanz zwischen Publikum und Vortragenden entstehen soll. Kurzum: Sie sind als Raum für neue Ideen oder frische Impulse gedacht; hier kann sich jede/r unabhängig von bereits vorhandener oder noch nicht vorhandener Fachreputation einbringen und findet Gehör. Über das erste deutsche BarCamp „für alle, die an und mit Geschichte arbeiten“, dem #histocamp, wurde ferner am zweiten Tagungstag von Mitinitiatorin Karoline Döring referiert.

Neun Jahre nach Veröffentlichung des bibliothekarischen Web 2.0-Manifests und sieben Jahre nach dem ersten „BibCamp“ wurde die Bedeutung sozialer Medien für Bibliotheken in Deutschland erkannt und 2015 mit Guidelines (#socialbib) in die Verbandspraxis übernommen. Aktuelle Trends sind auch hier in den USA durch „Empathie“ für die NutzerInnen entstanden. Dort fungieren BibliothekarInnen unter anderem als Chief Information Officers, die Informationskompetenz vermitteln, beispielsweise durch Schulungen für Literaturverwaltungsprogramme. So genannte „Maker Spaces“, für die im Internet momentan noch nicht einmal eine deutschsprachige Definition zu finden ist (und unter denen ich die Bereitstellung eines 3-D-Druckers in der Bibliothek verstehe), zählen ebenfalls zu den Trends aus den USA, die langsam auch deutsche Bibliotheken erreichen.

Almut Breitenbach, die in Ihrer Keynote „Social Media und altes Buch“ auf das große Potential hinwies, welches in der Bereitstellung historischer Altbestände über das Web 2.0 liegt, ließ mit Ihrem Hinweis auf so genannte „Blog-To-Print-Magazine“ ArchivarInnenherzen höher schlagen. So hatte Marcus Stumpf in seinen Grußworten zur Tagung darauf hingewiesen, dass sich das LWL-Archivamt mit der Veröffentlichung seiner Zeitschrift „Archivpflege in Westfalen-Lippe“ und dem gleichzeitigen Betreiben des „Archivamt“-Blogs bewusst für die Redundanz entschied, da (noch) nicht alle Archivarinnen und Archivare Blogs lesen würden.

Dass sich Archive von dem Gedanken lösen müssen, nur Überlieferer von Herrschaftsgeschichte zu sein, zeigt sich inzwischen nicht nur regelmäßig auf den BKK-Fortbildungsseminaren, sondern wurde auch im Beitrag von Elisabeth Steiger deutlich, die das „Community as Opportunity“- Projekt (kurz: CO:OP) vorstellte, in welchem Ergänzungen zu den klassischen archivischen Bestände angeregt werden und die Geschichte der „kleinen Leute“ dokumentiert werden soll.

Nach Andreas Neuburgers Resümee zu den Pilot-Projekten des Landesarchivs Baden-Württemberg und Jan Graefes Workshop zu „Monitoring“, stellte sich durch die bestätigte Vermutung, dass Archive gar keine große „Crowd“, sondern nur die richtige benötigen und eine Kennzahl im Kontext von Kultur und Bildung nicht mit einer Kennzahl im kommerziellen Bereich gleichgesetzt werden kann, eine angenehme Ernüchterung ein und der Druck, sich als ArchivarIn auch noch eine Übersicht in der unübersichtlichen Social Media-Welt machen zu müssen, war weg.

homo sapiens digitalis

Frank Tentler stellte den TagungsteilnehmerInnen den „Homo sapiens digitalis“ vor. Wie könnte ein „Homo sapiens archivaris“ aussehen?
Bildquelle: https://blog.telefonica.de/2014/06/homo-sapiens-digitalis/

„Offene Archive 2.2“ schloss für mich am zweiten Tag mit Frank Tentlers (#TENTLER) Keynote-Vortrag „Smartplaces“, in dem er die deutsche Archivwelt zu etwas Provokativem aufforderte: „Überspringt die kommenden 2 Jahre, in denen ihr euch mit Social Media anfreunden wollt und springt mit eurem tollen Content und einem 3-Jahres-Masterplan in das interaktive Location Based Services-Zeitalter. Geht dahin, wo die Menschen euch brauchen“ (Vgl. Frank Tentler auf Facebook am 4. Dezember 2015).

Diese betriebswirtschaftliche Betrachtung mag nicht nach dem Geschmack der meisten Gemüter sein, jedoch machte Tentler in seinem Vortrag deutlich, dass der Homo sapiens digitalis allgegenwärtig und letztlich der Archivnutzer von heute ist, auf den es sich einzustellen gilt.

Die digitale Disruption, also eine Innovation, die sich zunächst am unteren Ende des Marktes befindet und schließlich etablierte Anbieter im Laufe der Zeit verdrängt, zwang bisher etliche Branchen zum Umdenken. Für Archive stellt dieses Phänomen jedoch keine Bedrohung dar, sondern im Gegenteil, eine große Chance! Mit Frank Tentlers Vortrag fiel nicht zum ersten Mal der Begriff der „Macht von unten“.

So lautete Florian Hoffmanns Resümee im Tagungsbericht: „Im Übrigen wurde deutlich, dass soziale Medien auf die Gesamtheit der Archive bezogen nur von einer Minderheit genutzt werde. Ganz überwiegend handelt es sich noch immer um eine Bewegung von unten, die vor allem von kleineren und mittleren Archiven als Chance begriffen wird, mit vergleichsweise geringem Aufwand Öffentlichkeitsarbeit, Kontaktpflege mit den Nutzern und Bestandsvermittlung zu betreiben, während sich die staatstragenden Institutionen (Archivschule, Bundesarchiv) eher zurückhaltend geben.“

Ist nach dem „BibCamp“ und dem #histocamp die Zeit womöglich reif für ein „ArchiCamp“, bei dem sich Homo sapiens archivarius und Homo sapiens digitalis die Hände reichen?


#archive20

Die Fernweiterbildung stellt sich vor: Andreas Klisch – unser Mann für Social Media!

Andreas Klisch ist der Rock ‘n‘ Roller unter den Social-Media-Experten. Nachdem er fast 20 Jahre Veranstalter für Rock- und Pop-Konzerte war und dabei auch die Presse und Werbung verantwortete, wechselte er seine Position, um fortan seine Offline-Erfahrung mit den modernen Online-Möglichkeiten zu verbinden.

Als studierter Kultur- und Medienwissenschaftler interessierte ihn das Internet schon vor dem Web 2.0. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Andreas Klisch an der Fachhochschule Potsdam und ist mit Lehraufträgen als freier Dozent – auch an diversen anderen Hochschulen – für das Thema Online-Marketing, insbesondere Social Media, engagiert.

Mit dem Web 2.0 geht ein radikales Umdenken in den Marketing-Abteilungen der Unternehmen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Fachhochschulen und Universitäten einher. Neue Denkansätze und eine intensive Auseinandersetzung mit den neuen Technologien und Kommunikationskanälen sind erforderlich, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Denn das Internet ist das Informations- und Kommunikationsmedium neuer potenziellen Zielgruppen, für die Bloggen und Twittern so selbstverständlich zum Alltag gehören wie die Nutzung von Telefon und E-Mail.

In der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement lehrt er das „digitale Medienpraktikum“, in der Fernweiterbildung Archiv das Modul „Informations- und Kommunikationstechnologien“.IMG_5842

Lieber Herr Klisch, was machen Sie im „normalen Leben“?

Was wäre denn ein unnormales Leben ;-)? Wenn Sie darauf abzielen zu unterscheiden zwischen online und offline, dann gibt es da für mich keine Trennung. Meine Aktivitäten in Beruf und Freizeit erstrecken sich auf beide Bereiche.

Was hat Sie zu uns geführt?

Die Einladung aus dem Fachbereich Informationswissenschaften die medienpraktischen Module in den Fernweiterbildungen Bibliotheksmanagement und Archiv zu übernehmen. Vielleicht zählt auch die Tatsache, dass ich schon seit Jahren in der Medienbildung- und Pädagogik unterwegs bin…

Welche Trends sind in Bezug auf die von Ihnen gelehrten Module derzeit zu beobachten?

Es gibt immer noch zwei Positionen: „Ich brauche und will das nicht“ und die andere Seite „Cool, toll, hab schon eine Idee wie ich das bei mir in der Einrichtung umsetzen kann.“ Oft wird auch von innerbetrieblichen Problemen gesprochen: „Ich würde ja gern aber mein Chef will das nicht“ ist dabei die häufigste Begründung. Dahinter kann man sich aber auch selbst ganz gut verstecken, denn sich mit neuen Technologien zu beschäftigen macht natürlich erstmal Arbeit. Die Herausforderung für mich besteht dann immer darin, solche Aufgaben zu modulieren die für alle einen Mehrwert haben, sei es nun die komplette Ablehnung oder die Anwendung.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit mit den TeilnehmerInnen?

Das ist ja das Tolle an meinem Beruf. Ich habe ständig neue Themen- und Lehrbereiche, in die ich mich einarbeite und jeder neue Teilnehmer bringt eine neue Sicht auf die Dinge und für mich neue Themen werden besprochen. Ich lerne Einrichtungen wie Bibliotheken und Archive kennen.

Worin unterscheidet sich Ihrer Meinung nach die Arbeit mit TeilnehmerInnen der Fernweiterbildung im Vergleich zu Studierenden im Direktstudium am stärksten?

Das liegt ja in der Natur der Sache. Drei Präsenztermine à 1,5 Stunden und dazwischen E-Learning ist schon was anderes als ein Seminar in einem Semester mit wöchentlich 1,5 Stunden Präsenz. Schwierig in der Fernweiterbildung ist die oft fehlende Gruppendynamik und das sofortige Reagieren auf Stimmungen, Fragen, Thesen etc.. In der Fernweiterbildung ist oft „Einzelfallbetreuung“ angesagt.

Was möchten Sie angehenden KursteilnehmerInnen für die Fernweiterbildung gerne mit auf den Weg geben?

Fernweiterbildung ist ein tolle Möglichkeit sich berufsbegleitend zu qualifizieren. Wichtig ist nur, dass Sie die Aufgaben nicht nur „abarbeiten“, sondern sich mit dem jeweiligen Thema auch proaktiv auseinandersetzen.

Ich bedanke mich für das Interview !!!

Gern.

48. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Kommunalarchivare am 16./17.05.2014 in Coburg

Ein Gastbeitrag von Marius Pfaller, Stadtarchiv Nürnberg, Teilnehmer der Fernweiterbildung Archiv

Auf Einladung der Coburger Kollegen – denen auch an dieser Stelle nochmals für die hervorragende Organisation und Bewirtung gedankt sei – fand die 48. Jahrestagung des traditionell und wohl auch künftig eher losen Zusammenschlusses der bayerischen Kommunalarchivare dieses Jahr im schönen oberfränkischen Coburg statt.

Nachfolgend möchte ich ein paar wenige subjektive Eindrücke äußern, ein gedruckter Tagungsbericht wird in der Zeitschrift „Archive in Bayern“ erscheinen.

Was die Kollegen bewegt – Kommunalarchivare als Multitalente?

Allein das Programm der Versammlung lässt die Vielzahl der Herausforderungen für Kommunalarchivare im Arbeitsalltag erahnen: Von Fragen der Überlieferungsbildung über Digitalisierung, digitale Archivierung und Rechtsgrundlagen bis hin zu neuen Möglichkeiten und Herausforderungen des Internets für die kommunalarchivische Arbeit reicht das Spektrum an Themen, die die Kollegen bewegen.

Müssen Kommunalarchivare Multitalente sein? In der archivarischen Fachwelt meint man zu wissen, dass die ewige Diskussion der Abgrenzung von Kern- und freiwilligen Aufgaben nicht zielführend, ja sogar gefährlich ist. Bei extrem begrenzten personellen und finanziellen Mitteln – was soweit reicht, dass in kleinen bayerischen Gemeinden mitunter kein institutionell abgegrenztes oder eigens personell betreutes Archiv existiert – ergibt sich eine Priorisierung zwangsweise von selbst, indem etwaige Aufgaben aus Gründen der Ressourcen vernachlässigt werden müssen oder nicht als kommunalarchivisch erkannt werden.

Dennoch – die Wahrnehmung von „freiwilligen“ Aufgaben bedingt wohl mitunter, dass „Pflichtaufgaben“ durch Ausstattung mit notwendigen Mitteln überhaupt professionell erledigt werden können. Deutlich wird dies in der Wahrnehmung des Archivs durch die Träger: Die 2. Coburger Bürgermeisterin Dr. Birgit Weber (seit 05.05.2014 im Amt), die die Tagungsteilnehmer herzlich zu einem geselligem und kulinarisch ausgezeichnetem Empfang lud, erklärte bei der der Begrüßung, dass ihr das Coburger Stadtarchiv nur durch ein archivpädagogisches Projekt, an dem ihre Tochter teilnahm, bekannt sei…

Auch die Zukunft und Arbeit der Arbeitsgemeinschaft selbst hängt von der Situation der kleinen Gemeindearchive ab: So stellte selbst die Erhebung eines Mitgliedsbeitrages in einer festen Vereinsstruktur ein möglicherweise nicht überwindbares Hindernis für die Beteiligung der kleinen Archive in der Arbeitsgemeinschaft dar, welche sich gerade für diese – so mein persönlicher Eindruck – als Plattform für den fachlichen Austausch und kooperative Hilfestellung versteht.

Auch die Unterarbeitsgruppe „Bewertung von Archivgut“ sieht ihre Ausarbeitung von Bewertungsempfehlungen anhand des mehrheitlich und wohl nahezu flächendeckend in bayerischen Gemeinden eingesetzten Einheitsaktenplanes als Handreichung für die „kleineren“, denen ein Verweis auf die informations- und archivwissenschaftliche Überlieferungsbildungsdiskussion in der Fachliteratur nicht ausreichte: Die Arbeiten ziehen sich hin – immerhin wurden bereits Empfehlungen für die Hauptgruppen „Schulwesen“, „Bauen, Planen, Gewässer, Wohnen“, und „Finanzwesen“ erarbeitet. Die Unterarbeitsgruppe sucht weitere bayerische Kommunalarchivare zur produktiven Mitarbeit!

Neue Möglichkeiten des Internets für Kommunalarchive

Die 2. Arbeitssitzung am 17.05.2014 stand ganz im Zeichen „Neue Möglichkeiten des Internets für Kommunalarchive.“ Besprochen und diskutiert wurde sowohl die Präsentation des Archivs und seiner Archivalien für die Zielgruppen „potentielle Nutzer“ und „Stakeholder“, als auch die neuen Möglichkeiten fachlicher Vernetzung.

Ich möchte hier nur kurz auf letzteren Aspekt eingehen: Der fachliche Austausch ist wichtig und sollte dazu führen, sich mit seinen Herausforderungen in guter Gesellschaft zu wissen und ggf. sogar fachliche Probleme zu lösen. Sicher ist dies auch über virtuelle Räume möglich und sinnvoll (Angela Stilwell stellte unter anderem die Facebook-Gruppe „Archivfragen“ und weitere Möglichkeiten kollegialen Austausches vor).

Generation „Kopf unten“?

Der persönliche Kontakt und die Besprechung alter und neuer Probleme in einem geschlossenen Raum unter Fachkollegen kann zum Glück auch dazu führen, dass Meinungen außerhalb des Protokolls geäußert werden – Videoaufzeichnungen und Echtzeitprotokollierung via Twitter, Facebook & Co. tragen nach meiner Ansicht nicht unbedingt dazu bei, dass dies auch so bleibt.

Es stellt sich für mich – der selbst auch sporadisch twittert und bei Facebook angemeldet ist – aber schon die Frage, ob wir Archivare bei Tagungen eine Generation „Kopf unten“ werden sollten – was in diesem Fall weniger die mentale als vielmehr die Haltung des Kopfes, der über Tablet und Smartphone gebeugt ist, meint.

Internet und Social Media sind meiner Ansicht nach trotz aller auf der Tagung angesprochenen Probleme und Hürden ausgezeichnete Kommunikationsmittel, auch im beruflichen Kontext – der Hashtag zur Tagung lautete übrigens #agbka14; auch prognostiziere ich den Social Media und dem Web 2.0 nicht – wie ein Kollege vor Ort – ein ähnliches Schicksal wie dem Tamagotchi, das von uns Kindern der 1990er Jahre nach anfänglichem Interesse zunächst vernachlässigt wurde und anschließend den virtuellen und später mit Entsorgung des Plastikschrottes durch die Eltern den physischen Tod sterben musste.

Ich freue mich auf jeden Fall auf (hoffentlich) zahlreiche aktuelle Beiträge und auch Grundsatzpapiere und Handreichungen auf der neuen Website der Arbeitsgemeinschaft: www.kommunalarchive-bayern.de und/oder auf einem – wie bei der Tagung von Maria Rottler vorgeschlagen – kommunalarchivischen Gemeinschaftsweblog.

Die 49. Tagung der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Kommunalarchivare wird 2015 – im Rahmen des Bayerischen Archivtages – in Schweinfurt stattfinden. Frei nach dem geschäftsführenden Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Dr. Michael Stephan steht zu hoffen, dass sich weiter auch die Kollegen aus den kleineren Kommunalarchiven beteiligen und die Web 2.0-affinen Kommunalarchivare weiterhin Interesse auch an einem persönlichen Austausch von Angesicht zu Angesicht haben.

Ich jedenfalls werde – soweit möglich – auch wieder nach Schweinfurt kommen!

Marius Pfaller, Nürnberg

Offene Archive 2.1 – von Gaming Area bis Online-Andacht, und der Frage was ein offenes Archiv letztendlich ausmacht

Am 3. und 4. April 2014 fand im Hauptstaatsarchiv Stuttgart die Tagung „Offene Archive 2.1 – Social Media im deutschen Sprachraum und im internationalen Kontext“ statt. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen, um sich Vorträge aus insgesamt sieben Ländern anzuhören. ReferentInnenbiografien und Abstracts zu den Vorträgen wurden vorab auf Archive 2.0 – Social Media im deutschsprachigen Raum eingestellt. Netbooks, Tablets, Smartphones sowie „analoge“ Notizblöcke waren vielfach vertreten: Ein Live-Stream zur Tagung und der Einsatz einer Twitterwall (Hashtag #archive20) ließen aus Sicht des „Mitmach-Webs“ keine Wünsche offen. Partizipation, also Teilhabe, war das große Stichwort. Doch wieviel fachlicher Austausch konnte in diesem Rahmen tatsächlich stattfinden?

Kate Theimer (Keynote), erste Referentin der Tagung, war zwar nur per Telefon zugeschaltet, aber durch ihre für angelsächsische Archivarinnen und Archivare typische offene Sichtweise auf ihre Arbeit, umso präsenter. Archive müssen weg von Dokumenten als Zentrum archivischer Arbeit. „Put people into the centre of our mission“, so Theimers Botschaft, die sie mit Beispielen archivischer Öffentlichkeitsarbeit in den USA untermalte. So genannte Sleep overs, also Übernachtungen im Archiv, sind in Deutschland sicher (noch) schwer vorstellbar. Dennoch sollte es auch in hiesigen Archiven darum gehen, die Schnittstelle zur Lebensrealität der Kunden zu finden, wie aus den anschließenden Beiträgen der Gaming-Referenten Marcus Bösch und Christoph Deeg hervorging.

So präsentierte Politikwissenschaftler und Spieleentwickler Marcus Bösch das Online-Spiel „CC Play. Das 20. Jahrhundert zum Puzzeln.“ Bei den Puzzleteilen handelt es sich um lizenzfreie Fotos aus den Beständen des Bundesarchivs (aus Kooperation mit Wikimedia). Christoph Deeg, seines Zeichens Social Media Berater, möchte Archive zwar nicht „cooler machen“, sprach aber gleichzeitig von einem „gamified archive“. Ähnlich wie viele Bibliotheken sollten auch Archive künftig auf den „Spieltrieb“ der NutzerInnen setzen und Gaming-Konsolen im Lesesaal aufstellen. „Wenn es auf dem nächsten deutschen Archivtag keine Gaming Area gibt, gehen Sie einfach nicht hin!“ Diese Aussage Deegs, wenngleich überspitzt, macht eines ganz deutlich: Deutsche Archive sollten nicht nur nutzerfreundlich, sondern nutzerorientiert handeln. Kein höfliches Tolerieren, sondern aktives Involvieren der NutzerInnen unter Berücksichtigung ihrer Motivation und Interessen. Um es kurz zu machen: Archive sollten „mehr in der Breite arbeiten“, um nicht als „boring, forbidden and dusty“ angesehen zu werden, wie bereits durch den Vortrag von Kate Theimer deutlich wurde.

Schließlich hat eine weitere Institution, der das Image des „Langweiligen und Uncoolen“ anhaftet, den Sprung ins Web 2.0 bereits geschafft, wie der evangelische Pfarrer Alexander Ebel zu berichten wusste. Mit großem Missionierungseifer und unter Einsatz von „Online-Andachten“, „Jesus-Schnitzeljagden auf Facebook“ und „Twompleten“ (= Twitter + Abendgebet/Komplet) erreichen manche Kirchen heutzutage ihre Gemeinden.

Insgesamt wurden die „archivfremden“ Beiträge als sehr bereichernd angesehen, wie aus einem häufig weitergeleiteten Tagungstweet hervorging.

Dr. Bastian Gillner vom Landesarchiv Nordrhein-Westfalen war es letztendlich, der die Anwesenden der Tagung ins Hier und Jetzt, also die Realität des deutschen Archivwesens zurückholte: „Behördenbetreuung funktioniert wie vor fünfzig Jahren; ebenso viele andere Abläufe im Archiv“. Daneben hätten Archive die digitale Entwicklung der vergangenen zehn Jahre nicht berücksichtigt und sollten virtuell nicht nur anwesend sein, sondern auch präsent. Schließlich bestehe die Gefahr, dass Archive den althergebrachten Strukturen nur ein „digitales Mäntlein“ umhängen.

Ganz in diesem Sinne gab es zum Ende des ersten Tagungstages mehrere Fragen, die gute Ausgangspunkte für eine offene Diskussion gebildet hätten. Allen voran: Was bedeutet Archive 2.1? Ist es die von Karsten Kühnel (Universitätsarchiv Bayreuth) vertretene These, „dass ein wesentliches Merkmal von Archive 2.1 die Einbindung der Nutzer in das archivarische Kerngeschäft sei“?

Zudem wurde durch Tweets und Statements der TagungsteilnehmerInnen deutlich, dass Social-Media-Präsenzen nicht zwangsläufig am Unwillen der Archive selbst scheitern, sondern häufig an deren übergeordneten Behörden. So heißt es in einem Tweet des Digitalen Archivs Köln: „Selbst mit Richtlinien – wie spontan kann ein Archiv sein, wenn es öffentlich nur über die Pressestelle agieren darf?“

Sollten künftig nicht auch übergeordnete Verwaltungen zu Tagungen wie diesen eingeladen werden? Letzten Endes sprechen wir sonst nur mit uns selbst, wie bereits Christoph Deeg in seinem Vortrag bemerkte.

Das Gemeinschaftsblog Archive 2.0 existiert seit 2012 und wurde seitdem mit knapp 200 Beiträgen begeistert von der deutschen Archivcommunity aufgenommen. Kommentare zu Artikeln werden jedoch nur vereinzelt geschrieben und in der Regel nur von „Wortführern“ der deutschen Archiv 2.0-Welt. Ähnlich verhält es sich mit der geschlossenen Facebook-Gruppe „Archivfragen“, wie Karsten Kühnel kritisch anmerkt. Warum gibt es so wenige Kommentare? „Haben deutsche ArchivarInnen Angst davor, man könne wissen, dass sie eine eigene Meinung haben?“, hieß es scherzhaft in einer weiteren Twittermeldung.

Leider war es der Organisationsform der Tagung geschuldet, dass diesen Fragen nicht weiter nachgegangen werden konnte, beispielsweise in Form von Workshops oder Podiumsdiskussionen.

Der 4. April stand ganz im Zeichen erfolgreicher Social-Media-Strategien in europäischen Archiven mit dem besonderen Schwerpunkt Crowdsourcing.

Neil Bates, Marketingspezialist bei „Europeana“, erklärte, wie wichtig die Bereitstellung von Bildern auf Social-Media-Plattformen ist: „Pinterest and their cultural window shoppers help increase the findability of your collections in google.“ Er betonte zudem, dass bei jeglichen Web 2.0-Aktivitäten nicht der Traffic, sondern die Reichweite entscheidend ist: „The real value is not just how many times collections have been viewed, but how and where they have been re-used“.

Es folgten Beiträge zu erfolgreichem Crowdsourcing in Dänemark (Nanna Floor Clausen, The Danish Demographic Database) und der Schweiz (Nicole Graf, „Swissair“-Projekt der ETH Zürich). Beim Crowdsourcing handelt es sich im archivischen Kontext um das „Auslagern“ von Kernaufgaben (in der Regel Transkription und Erschließung) auf motivierte Freiwillige außerhalb des Archivs. Weder das dänische Datenarchiv noch das ETH-„Swissair“-Projekt hätten ohne die Hilfe engagierter Ehrenamtlicher quantitativ derartig umfangreiche Verzeichnungsarbeiten abschließen können. Nicole Graf merkte außerdem an, dass ohne die Expertise der „Swissair“-Pensionäre eine aussagekräftige Erschließung des dortigen Fotobestandes ausgeschlossen gewesen wäre.

Bisher werden derartige Kooperationen zwischen Archiven und Freiwilligen in der Fachwelt weitestgehend belächelt, wie Dr. Thekla Kluttig kritisch bemerkte. Diese Form der Zusammenarbeit bietet jedoch eine sehr Ressourcen schonende Chance für Archive, wie ein Beispiel aus Deutschland zeigte.

So arbeitet das Landesarchiv Baden-Württemberg im Rahmen des Pilotprojektes „Kriegsgräberstätten“ mit dem Verein für Computergenealogie zusammen, der hierfür die technische Infrastruktur zur Verfügung stellt und betreut. Auch aus Sicht der Lehre birgt insbesondere das Crowdsourcing im Netz ein beachtliches Potential. Mittlerweile stellen immer mehr Archive ihre unerschlossenen Quellen für die Bearbeitung ins Internet. Angehende Archivarinnen und Archivare haben somit die Möglichkeit, Quellen zu erschließen, zu transkribieren oder sich kritisch mit Editionsrichtlinien auseinander zu setzen. Ein kritischer Diskurs im Zusammenhang mit Crowdsourcing ist ohnehin unumgänglich. Hierbei sollten unter anderem folgende Fragen berücksichtigt werden:

Wie erfolgt die Qualitätssicherung der (Erschließungs-)ergebnisse? Wer darf Quellen überhaupt bearbeiten? – Eine offene oder eine geschlossene „Crowd“? Welche Nachnutzungsrechte haben freiwillige VerzeichnerInnen?

Ulrich Nieß, der derzeit mit einer Arbeitsgruppe der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) eine Web 2.0-Empfehlung für Kommunalarchive erarbeitet, machte zudem darauf aufmerksam, dass Crowdsourcing kein Social-Media-Phänomen ist, sondern bereits weit vor dem digitalen Zeitalter begonnen hat. Nanna Floor Clausen beschrieb in diesem Zusammenhang sehr anschaulich, wie das dänische Datenarchiv noch vor gar nicht allzu langer Zeit Transkriptionen ihrer ehrenamtlichen „Erschließungskönige“ auf Diskette erhielt. Archive sollten ihre potentielle „Crowd“, die in den meisten Fällen älter als fünfzig ist, daher stets auf analogem Wege ansprechen – also vor Ort im Archiv – ehe sie den zweiten Schritt ins Web 2.0 gehen.

Karsten Kühnel beschrieb am Ende in seinem sehr komplexen und kontrovers diskutierten Beitrag „Partizipation durch Standardisierung? Erschließung vor dem Hintergrund fortgeschrittener Nutzeremanzipation“ die Idee einer funktionalen Provenienz, also der künftigen Erschließung nach Provenienz und Funktion unter starker Einbeziehung der NutzerInnen.

Abschließend blieb nach zwei Tagen und 25 Vorträgen zwar wenig Raum für Diskussion, dennoch entwickelte sich zuletzt eine Kontroverse um die Grundsatzfrage: Wer war zuerst da? Das Archiv oder die BenutzerInnen? Sollten Social-Media-Strategien ausgehend von den Zielen eines Archivs formuliert und entwickelt werden? Oder sollten Archive ihre Arbeit grundsätzlich aus den Augen der NutzerInnen betrachten und daher neue Werkzeuge wie das Web 2.0 sofort testen, um zu schauen ob und wie sie funktionieren?

Ganz in diesem Sinne soll auf der nächsten Tagung (Archive 2.2?), die übrigens schon 2015 stattfinden wird, Evaluation ein zentrales Thema sein – oder um es mit den Worten von Neil Bates zu sagen: „What are the indicators for your success in social media?“

 Julia Sammler