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M12 – XML (Fernweiterbildung Archiv)

Unser Lehrbeauftragter Dr. Ivo Keller beschäftigt sich vor allem mit Themen wie Big Data, Human Machine Interaction, Retrieval Systeme und verteilte Wissensplattformen. In der Fernweiterbildung Archiv lehrt er neben dem Pflichtmodul „XML“ auch das Wahlmodul „Information Retrieval“. In seinem kurzweiligen Bericht beschreibt er seine Lehrerfahrung aus Sicht eines Lehrenden ohne archivischen/ geisteswissenschaftlichen Kontext – mit allen Hürden und Erfolgserlebnissen :-).

„XML für die Archivare? Na, mehr als das XMLSpy können Sie da nicht verlangen, das sind doch keine Informatiker!“ – wir werden sehen. Wer nur rumklicken kann, wird von jedem 14-Jährigen ersetzt; die Leute brauchen Grundlagen und für die muss man sie halt fordern.

XML oder: Extensible Markup Language

XML oder: Extensible Markup Language

Und ab ging die Post. In sämtlichen Netzwerken ist XML präsent, da muss man Webservices programmieren, die Clients melden sich an, es geht um kleine Header und große Nutzdaten und um ein einheitliches Textformat – tagauf, tagzu dasselbe Prinzip. Und wenn man die Texte erst von Solr verarbeiten lässt, wird‘s so richtig interessant. Riesige Datenmengen für die Klassifikation, hochdimensional und chaotisch, welche Freude – aber was davon werden diese ArchivarInnen brauchen?

Außer der Konvertierung erstmal nichts. Wenn sie dann Blut geleckt haben, vielleicht ein bisschen mehr. Und leider verstehen sich diese Leute als Kulturträger und sehen sich über den Niederungen der Technik; der Ärger lag also in der Luft.

In die Einführungsveranstaltung hatte ich zu viel Stoff gepackt, die Pause überzogen – es würde übel werden. Bei der ersten Hausarbeit fingen sie dann auch prompt an, sich zu beschweren, sie würden die Aufgabenstellung nicht verstehen. Kinder, wie einfach soll ich‘s euch denn noch machen?!

Dr. Ivo Keller

Dr. Ivo Keller

– Ich hatte schlicht vergessen, die Aufgabenstellung hochzuladen.

Und anschließend kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Das waren Erwachsene, die sehr wohl verstanden hatten, warum sie sich mit Mitte 30 noch ein Studium aufbürden sollten. Wie die sich schinden konnten! Hatte ich mich mal nicht klar ausgedrückt, fingen sie an, es hin und her zu zirkulieren. Nein, jetzt war es vorbei mit dem kollaborativen Lernen und dass sich die Leute schon irgendwie selbst eintakten würden. Von jetzt ab musste ich immer hinterher sein. Im Forum war es manchmal zum Steinerweichen, die brauchten sofort Hilfe. Oft hatte ich keine Zeit mehr, eine süffisant-wegweisende Frage zu formulieren, sondern musste prompt zur Antwort übergehen. Und siehe, die Leute gingen mit. Mit der Zeit wurden sie charakterliche Hacker. Die Fehlermeldung nicht einfach mit einem Fluch wegklicken, sondern lesen, nüchtern denken, es anders probieren. Als eine Studentin meinetwegen Urlaub genommen hatte, musste ich den Stoff vereinfachen. Alles wurde gut.

Bis mir Microsoft höchstselbst in die Quere kam. Hatten die doch das XML wieder zurückgefahren?! Uns drohte das Ziel abhanden zu kommen, wozu jetzt noch diese Quälerei? Jetzt verstand ich auch, warum mich ein Buchautor zum Leidensgenossen geadelt hatte. Aber nach einigen harten Wochen fand sich schließlich doch ein gutes Ende, der Knoten löste sich, die Veranstaltung wurde wieder rund.

Summa summarum habe ich den Eindruck gewonnen, den unüberwindbaren Graben doch etwas zugeschüttet und der Mehrheit meiner Studierenden zu programmiererischen Erfolgserlebnissen verholfen zu haben. Das Thema blieb auf dem Grat zwischen der Big Data-Welt und dem Kulturbewahrenden der Archivare, und ich selbst bin seitdem ein bekennender Anhänger der Erwachsenenbildung.