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M13 – Paläographie (Fernweiterbildung Archiv)

Nach sechseinhalb Jahren Dienst verließ uns im September 2015 unser geschätzter wissenschaftlicher Mitarbeiter Norman Warnemünde (M.A. Public History), da er sich künftig noch stärker im Bereich der Geschichtsvermittlung – insbesondere in der Gedenkstättenarbeit –  engagieren möchte. Nichtsdestotrotz bleibt er unserem Team auf andere Weise treu! Seit diesem Jahr lehrt Norman Warnemünde das Modul „M 13 – Paläographie“ in der Fernweiterbildung Archiv und greift hierbei auf langjährige Erfahrungen als Dozent für Genealogie und Paläographie in der Erwachsenenbildung zurück.

Rezept in Kurrent

Rezept in Kurrent – Die ersten Übungen sollen das Lesen lernen schmackhaft machen

 Worum geht es bei dem Modul?

Das Modul besteht aus zwei Hauptsäulen. Zum einen lernen die KursteilnehmerInnen die wichtigsten Entwicklungsstufen der Schriftgeschichte und ihre Zusammenhänge kennen. Neben dieser theoretischen Komponente liegt der Fokus vor allem auf dem Erlernen der deutschen Schrift des 19.-20. Jahrhunderts, was das Modul auch sehr übungsintensiv macht.

Warum ist Paläographie für die Archivpraxis so wichtig?

Natürlich gehört die Anwendung paläographischer Kenntnisse nicht für alle ArchivarInnen zur täglichen Arbeit. Nichtsdestotrotz sind sie für die Erschließung, Verzeichnung und Benutzung älterer Akten oder Nachlässe unverzichtbar. Ebenso kommt man als ArchivarIn bei Nutzerauskünften, Vorbereitungen archivpädagogischer Projekte oder Ausstellungsvorhaben zu bestimmten Themen schwer um Schriftkunde herum.

Was bringen ausgebildete FaMI bereits mit? Auf welche (Ausbildungs-)kenntnisse und –fähigkeiten kann hier aufgebaut werden?

Mit Paläographie kamen die KursteilnehmerInnen zum ersten Mal bereits während ihrer FaMI-Ausbildung in Kontakt. Mit Hinblick auf das Lesevermögen ist daher bei vielen TeilnehmerInnen erstes Vorwissen erkennbar. Ziel des Kurses ist es, dieses Vorwissen zu vertiefen und um die theoretische Basis zu ergänzen.

Welche Prüfungsleistung(en) gibt es?

Weg zum Zertifikat

„Nur sieben Etappen bis zum Ziel!“ – „Fahrplan“ für aktuelle TeilnehmerInnen des 5. gradualen Fernweiterbildungskurses Archiv

Neben regelmäßig zu transkribierenden Übungstexten wird es am Ende des Kurses eine 90-minütige Klausur geben, in der die TeilnehmerInnen neben einigen theoretischen Fragen vor allem nachweisen müssen, dass sie einen längeren Text nach vorgegebenen Richtlinien sicher transkribieren können.

Wie können sich Interessierte darauf vorbereiten?

Zur Einführung in die Schriftentwicklung empfehle ich den Überblick von Werner Frese in Norbert Reimanns Standardwerk für FaMI: Frese, Werner: Zur Entwicklung der Schrift. In: Reimann, Norbert (Hg.): Praktische Archivkunde. Ein Leitfaden für Fachmitarbeiter für Medien- und Informationsdienste. Fachrichtung Archiv, Münster 2004, S. 283-297.

Erste „Schnupper-Leseübungen“ sind mit Harald Süß‘ „Deutsche Schreibschrift. Lesen und Schreiben lernen“ möglich. Ebenso bietet die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns unter http://www.gda.bayern.de/DigitaleSchriftkunde/ ein umfangreiches Online-Angebot an paläographischen Leseübungen.

Vielen Dank Norman!

Paläographieunterricht zwischen bewährten Grundsätzen und neuen Anforderungen

Ein Beitrag aus der Reihe „Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014“ von Christel Gäbler

[Zur Person]

Christel Gäbler, geb. 1984. Magisterstudium der Fächer Neuere Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Romanistik/Französisch an der Friedrich-Schiller-Universität Jena von 2003 bis 2009, studentische/wissenschaftliche Hilfskraft am Historischen Institut und am Institut für Geschichte der Medizin in Jena von 2005 bis 2011, von 2011 bis 2014 Berufsbegleitende postgraduale Fernweiterbildung Archivwissenschaft an der Fachhochschule Potsdam (Masterstudiengang), seit 2009 Doktorandin am Historischen Institut in Jena und Archivarin der Stadt Auma-Weidatal.Unbenannte Anlage 00291

Kontakt: christel.gaebler@gmx.de

 [Zur Masterarbeit]

Im Rahmen meines Geschichtsstudiums habe ich begonnen, mich intensiver mit paläographischen Schriften zu beschäftigen und dabei unter anderem auch Spaß am Entziffern schwieriger Textstellen gefunden. Der Paläographieunterricht von Dr. Lorenz Beck und Prof. Dr. Hartwig Walberg an der FH Potsdam hat dazu beigetragen mein Interesse für die Paläographie als autonome (Historische Hilfs)Wissenschaft zu wecken und mich näher mit dem Unterrichten dieser Disziplin zu beschäftigen. Aus der anfänglichen Idee der Konzeption eines Paläographiekurses, entstand vor allem durch die wertvollen Hinweise der beiden Gutachterinnen der Arbeit, Frau Prof. Dr. Susanne Freund und Frau Petra Rauschenbach, eine spannende Auseinandersetzung mit der Geschichte des Lehrens und Lernens des Faches Paläographie von den Anfängen bis in unsere Gegenwart.

[Ergebnisse]

Die Paläographie und ihre analytischen Methoden besitzen mit voranschreitenden Digitalisierungsambitionen von historischen Texten verstärkte Aktualität und Relevanz für ein breiteres, orts- und zeitunabhängig agierendes Publikum. Neben E-Learning-Angeboten wird der traditionelle Direktunterricht des Faches Paläographie, welcher sich als Einsatz- und Experimentierfeld innovativer Lehr- und Lernmittel eignet, auch in Zukunft seine Berechtigung behaupten.

Für die wissenschaftliche Fortentwicklung der Paläographie bedarf es der verstärkten Interaktion der Vertreter(innen) dieser Fachcommunity und der offensiven, öffentlichkeitswirksamen Kommunikation von Vorhaben, Zielsetzungen und Ergebnissen derselben. Darüber hinaus sollten informations- und geisteswissenschaftliche Neuansätze, wie die der „Digital Humanities“ für die Weiterentwicklung der Paläographie als wissenschaftliche Disziplin erprobt und genutzt werden.

[Thesen – Auswahl]

Paläographische Schriften transportieren Informationen über die verschiedensten Wissens- sowie Wissenschaftsbereiche und fungieren damit automatisch als Quellengrundlage für interdisziplinäre, historisch angelegte Forschungsfragen.

Das Fach Paläographie und seine Bearbeitungsgegenstände sind neben der Forschung auch in der Lehre fächerübergreifend mit anderen Disziplinen und Bereichen vernetzungsfähig.

Paläographieunterricht erweist sich sowohl durch die untrennbare Verbindung von Schriftkundetheorie und Transkriptionsarbeit, als auch durch eine vermehrte Hinwendung zu den digitalen Errungenschaften unseres Informationszeitalters als ein praxisnahes Arbeitsfeld „Forschenden Lernens“.

[Zum Studiengang]

Für das Masterstudium Archivwissenschaft an der Fachhochschule Potsdam habe ich mich entschieden, um meine Arbeit im Archiv auf eine fundierte fachliche Basis zu stellen. Dabei erwies sich die berufsbegleitende Studienvariante meines Erachtens als besonders erkenntnisfördernd und nachhaltig, da die theoretischen Studieninhalte direkt in der beruflichen Praxis angewandt und umgesetzt werden konnten.