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M17 – Bibliothekstechnik (Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement)

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Sabine Wolf – Foto: privat

Seit November 2012 bin ich nun wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Informationswissenschaften. Ganz so neu ist mein Arbeitsplatz jedoch nicht für mich. Von 2000 – 2004 habe ich hier studiert und mein Studium als „Diplombibliothekarin/FH“ erfolgreich abgeschlossen. Angefangen habe ich 1990 als Assistentin an Bibliotheken in der Stadtbibliothek Gelsenkirchen. Nach zehn Jahren war ich jedoch an der Grenze des beruflichen Aufstiegs angekommen und wollte mich zudem auch beruflich weiterentwickeln. An der FH Kön riet man mir vom Studium mit dem Schwerpunkt der ÖB ab („Zu überlaufen…studieren Sie lieber WB!“) und da gerade persönliche Veränderungen ins Haus standen und die Wohnortfrage „Berlin oder Ruhrgebiet?“ damit einher ging, entschied ich mich dann für die FH Potsdam…

Damit habe ich einen fast ähnlichen Berufsweg hinter mir, wie ihn unsere TeilnehmerInnen für die Dauer der Fernweiterbildung vor sich haben. Ausbildung und Berufserfahrung bilden in der Fernweiterbildung gute Grundlagen für die weitere Qualifikation in Richtung Bachelor und für die angebotenen Module in der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement.

Um was geht’s im Modul Bibliothektechnik?

Im ersten Teil des Moduls planen unsere Teilnehmenden eine Bibliothek auf der Grundlage der Regularien von Bibliotheksbauexperten wie Faulkner-Brown und MacDonald. Aber auch Grundriss_Gruppe3Modelle wie das von Jochumson et al. entworfene Four-Spaces-Modell und der DIN Fachbericht fließen in die Planung mit ein und auch die Architekturpsychologie wird berücksichtigt. In diesem Teil des Moduls steht die praxisnahe Erarbeitung des Themenkomplexes anhand einer realen Bibliothek im Vordergrund. Dazu stand uns im letzten Kurs die Bibliothek des Lette- Vereins, einer Berliner berufsbildenden Schule,  zur Verfügung. Diese soll den Erfordernissen der Schüler und Schülerinnen angepasst werden. In Gesprächen mit der zuständigen Bibliothekarin, Jana Haase, wurden die „Must Haves“ und „Nice to Haves“ des Bibliotheksteams und der Schülerschaft genauer herausgearbeitet. Grundriss_Gruppe4_Seite_01Nun galt es für unsere Teilnehmenden in Gruppenarbeit und auf der Grundlage des Grundrisses alles zu verwirklichen. Und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen, wie der im Dezember veröffentlichte Artikel „Ist das noch eine Bibliothek?!“ in der Fachzeitschrift Buch und Bibliothek und die beiden rechten Abbildungen daraus beweisen. Besonders schön zeigen die Entwürfe auch Ideen zur Umsetzung eines Makerspaces, verschiedene Vorschläge für die Arbeitsplatzgestaltung der Schülerinnen und Schüler oder auch zur  Entspannung. Ihre Entwürfe stellen die Teilnehmenden dann bei der 2. Präsenz vor, zeitgleich liegt die Abgabefrist für die schriftliche Dokumentation.

Dann wird es theoretischer… Der zweite Teil des Moduls beschäftigt sich mit dem Themenkomplex der Digitalen Bibliothek – viel Technik! – was nicht unbedingt immer bei allen Begeisterungsstürme auslöst. In Kleinstgruppen widmen sich die Teilnehmenden nun Repositories, Bibliothekssoftwaren, E-Books, Suchmaschinen, Discovery Systeme und dem Cloud Computing, den Modellen der Digitalen Bibliothek und den verschiedenen Trendreports.

Welche Technik kommt zum Einsatz?

Dass welche zum Einsatz kommt, liegt bei diesem Modul irgendwie nahe ;-). Besonders intensiv genutzt wurde z.B. die moodle-Plattform und Visualisierungssoftwaren wie Google-Drawings bzw. Floorplanner. Viele Gruppen skypten und chatteten auch miteinander oder nutzten WhatsApp , wenn sie merkten, dass sie mit moodle an ihre kollaborativen Grenzen stießen. Die geforderte Dokumentation wurde z.T. mit Google.docs erstellt. Der Austausch war somit insgesamt platformübergreifend, sehr intensiv und wurde auch im Kursverlauf nicht weniger.

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Blick in den moodle-Kurs – Screenshot: Autorin

Für den zweiten Teil des Moduls habe ich bis jetzt zwei verschiedene moodle-Funktionen ausprobiert. Während ich in meinem ersten Kurs, dem 6. gradualen Kurs, die moodle-Aktivität „Glossar“ getestet habe, hat der 7. graduale Kurs seine Ergebnisse als moodle-Arbeitsmaterial „Buch“ veröffentlicht. Beide Aktivitäten haben sicherlich ihre Vor- und Nachteile, schulen jedoch, was das gemeinschaftliche Erarbeiten eines Stoffes angeht, ungemein. Die Ergebnisse dieses Teils präsentierten die Teilnehmenden dann in der dritten und letzten Präsenz als geforderte Pecha Cucha, um typische Präsentationen mit umfangreichen Textwüsten bewußt zu umgehen.

Insgesamt kann ich sagen, dass beide Kurse mit sehr viel Elan und Fachwissen an ihre Aufgaben herangegangen sind und die Ergebnisse sich sehen lassen können!

Welchen Tipp möchte ich den Teilnehmenden mit auf den Weg geben?

Ach so viele Tipps…. Der vielleicht wichtigste: Nicht bloß die Fernweiterbildung mitzunehmen, sprich den BA zu machen und gut is‘ – gaaanz falsch! Sich zu interessieren, über den Tellerrand blicken, offen für Neues sein – darauf kommt es an. Bitte nicht davon ausgehen, dass man/frau für die nächsten 30 Jahre in der jetzigen Bibliothek bleibt und einfach nur vor sich hinarbeitet.. Wie sagte John Lennon so schön: „Life is what happens to you while you are busy making other plans.“ Also: bringt Leben in die Bibliothekswelt, gestaltet mit!

M08 – Englisch für ArchivarInnen (Fernweiterbildung Archiv)

Alexander Zöller ist frisch gebackener M.A. Informationswissenschaften – Absolvent und Promovent im Bereich „Kulturerbe Film“. Er arbeitet zudem als freier Mitarbeiter für das Bundesarchiv – Filmarchiv. In der Fernweiterbildung Archiv lehrt er erstmalig das Modul Fachenglisch (oder auch: „Englisch für ArchivarInnen“). Alexander Zöller ist erfahrener Referent auf internationalen Fachtagungen und hat längere Zeit in Neuseeland gelebt.

Zu seinen Veröffentlichungen zählen u. a. „Soldaten oder Journalisten? Das Image der Propagandakompanien zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ oder auch „Versprengtes Erbe. Das Reichsfilmarchiv (1934-1945) und seine Hinterlassenschaften“.

Wir freuen uns sehr über den „Nachwuchs“ in unserem Lehrbeauftragten-Pool :-)!

Worum geht es bei dem Modul?

Das Modul „M08 – Fachenglisch“ vermittelt die Grundlagen der englischen Sprache im

Alexander Zöller

Alexander Zöller

archivfachlichen Kontext. Angestrebt wird eine möglichst praxisnahe Wissensvermittlung von fachbezogenem Englisch wie es im Arbeitsalltag zum Einsatz kommt. Zum einen werden gängige Fachbegriffe und -konzepte erläutert, zum anderen die Anwendung des Englischen im schriftlichen Verkehr und im direkten Kontakt mit den NutzerInnen geübt (Korrespondenz, Telefonieren, Benutzergespräch). Wichtig hierfür sind flüssiges Lesen und Verstehen sowie die Übersetzung von Begriffen oder kurzen Texten (deutsch – englisch / englisch – deutsch). Schulkenntnisse des Englischen sind Voraussetzung für die Teilnahme und werden im Laufe des Kurses vertieft.

Warum ist Englisch für die Archivpraxis so wichtig?

Auch in kleineren Archiven gehört Englisch heutzutage zum „Alltag“, sei es bei der Beantwortung von Anfragen oder bei der Erteilung von Auskünften vor Ort. Fachliteratur und Archivnormen des Auslandes sind häufig auf Englisch abgefasst und werden hierzulande verstärkt rezipiert.

Welche Prüfungsleistungen gibt es?

Die vermittelten Inhalte werden durch insgesamt fünf Zulieferungen geprüft, welche die KursteilnehmerInnen zu festen Abgabeterminen einreichen. Hierbei werden die Kursinhalte Zug für Zug in praxisnahe Übungen umgesetzt. Von diesen fünf Aufgaben werden die drei am höchsten bewerteten für die Notenfindung herangezogen. Auf diese Weise soll das vermittelte Wissen in der Breite geprüft werden, ohne dass jede (Pflicht-)Aufgabe mit der gleichen Intensität bearbeitet werden muss – es wird also eine gewisse Flexibilität ermöglicht, die Prüfungsleistungen auf die eigenen Stärken auszurichten.

Wie können sich Interessierte auf das Modul vorbereiten?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht alle KursteilnehmerInnen ihre in der Schule beziehungsweise in der Ausbildung erworbenen Englischkenntnisse auch praxistauglich anwenden können. Es hat sich als sehr hilfreich erwiesen, bereits im Vorfeld immer wieder einmal Texte auf Englisch zu lesen oder entsprechende Filme oder Fernsehserien anzusehen. Das muss nicht viel sein, sollte aber möglichst regelmäßig geschehen. Je flüssiger das Englische in seinen Grundzügen beherrscht wird, desto einfacher ist es dann auch, Fachbegriffe oder komplexere Konzepte zu verstehen und zu erläutern. Wenn ihr eine amerikanische Lieblingsserie habt: Versucht es einfach einmal mit der Originalfassung.

Die Literatur zum Fachenglischen in der Archivwelt ist bislang sehr überschaubar. Für das Nachschlagen von Fachbegriffen gibt es das Wörterbuch von Dirk Ullmann und Keith Allen: „Fach-Englisch für Archivare„, Berlin 2011.

Vielen Dank :-)!

W01 – Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising (Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement)

Seit Herbst 2015 ist ein Teil der Teilnehmenden des 6. grad. Kurses der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement im Wahl-Modul „Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising“ dabei. Bereits die Einführungsveranstaltung des Moduls hat gezeigt, mit wie viel Engagement Ilona Munique, unsere neue Dozentin für dieses Modul, das Thema angeht – ob der Funke auch auf die Teilnehmenden übergesprungen ist? Mal sehen wie ihr Halbzeit-Bericht ausfällt…

Begeisterung zur Halbzeit im Wahlmodul „Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising“

Pünktlich zur Halbzeit fand das letzte Modul der drei „Pflicht“-Lerneinheiten „Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit und Fundraising“ sein warmes Plätzchen auf Moodle. Und pünktlich zur Halbzeit erreichte mich die erste Hausarbeit von einer der 14 Teilnehmenden des Wahlmoduls im berufsbegleitenden Fernlehrgangs „Bibliotheksmanagement“. Zeit also für eine Zwischenbilanz.

Bilanz

Bilanz – das klingt nach Zahlen. Bitte sehr.

Offiziell sind 75 Prozent von 18 Feedbackaufgaben zu beantworten, die aus einer Auswahl von 50 Fragestellungen bis auf wenige Ausnahmen nach Belieben herausgepickt werden können. Statistisch gesehen enthalten die drei Lerneinheiten (Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit und Fundraising) rund 50 weitere Fragen, die sich die Teilnehmenden selbst beantworten dürfen. Des weiteren 32 Übungsaufgaben, die freiwillig gelöst werden können, wobei 20 davon als Feedbackaufgabe vorgeschlagen sind. Zusätzlich arbeiten zwei Teilnehmende an der Lerneinheit „Jahresbericht“. Die Beantwortung der Feedbackaufgaben dient hier gleichzeitig als Hausarbeit. Rund 600 ein- und ausgehende Nachrichten wurden bislang ausgetauscht. (Zur zweiten Halbzeit dürfte sich das jedoch sehr reduzieren.) 74 Forenthemen wurden von den Teilnehmenden eingestellt, die insgesamt 236 Forenbeiträge (im Schnitt also rund 19 pro Kursteilnehmer/in) zeitigten.

Statistisch gesehen haben ein Drittel der Teilnehmenden so fleißig gearbeitet, dass sie bis zum Rest des Jahres nichts mehr zu machen bräuchten – was jedoch erfreulicherweise nicht von allen so gesehen wird. Zitat: „Wenn ich die HA fertig habe, werde ich sicher noch weitere Feedbackaufgaben lösen.“

Ein weiteres Drittel steht sehr kurz davor, ihre „Pflichtabgaben“ zu vollenden, und das restliche Drittel hat zwar noch wenig, jedoch sehr gute Ergebnisse eingereicht.

Mit einem Wort: ich bin begeistert!

Begeisterung

Begeistert von der Bereitschaft der Teilnehmenden, sich zu einer Lerncommunity zusammenschweißen zu lassen.

Begeistert von der Art und Weise, wie sich die Kursteilnehmenden untereinander im Forum konstruktive Feedbacks geben.

Begeistert von ihrem differenzierten Umgang mit komplexen Inhalten, welche sie auf ihre eigene Arbeitssituation in eine praktische Beziehung setzen.

Begeistert von der raschen Auffassungsgabe, mit der sie die eher ungewohnte, da nicht-schulische Art des Lernens im Sinne eines subjektorientierten, konstruktivistischen Ansatzes aufgegriffen haben.

Begeistert von der Akribie einiger, die sich formal sorgfältig jeder einzelnen Aufgabe so widmen, als wäre sie eine eigene Hausarbeit.

Begeistert aber auch von denjenigen, die sich über allzu Formales hinwegsetzen und stattdessen mit Lust zum Kern der Inhalte vorstoßen.

Begeistert über die vielen schönen Beispiele und Fotos, mit denen sie ihre Antworten würzen und die mir, der Dozentin, einen wunderbaren Einblick in ihre Bibliotheksalltagswelt geben. Und die mir nachgerade für die nächsten Jahre als einen Fundus an Beispielen dienen werden, mit denen ich die Module aktuell zu halten gedenke.

Es gäbe noch so einiges mehr, was mich erwärmt und froh stimmt. Aber dann glaubt mir das am Ende niemand, weil’s gar zu schön ist.

Doch sind denn auch die Teilnehmenden begeistert? Hier ein paar Rückmeldungen:

„Das Gestalten fürs 1. Modul hat mir so großen Spaß gemacht. Auch Ihre „Zusatzaufgaben“ klingen für mich nach Spaß. Ich freue mich jetzt schon, die erste Idee noch weiter auszubauen und zu verbessern.“

„Und wir sind auch begeistert, dass Sie uns soviel Feedback geben – hatten wir bisher noch in keinem Modul in der Intensität „

Schön, durch diese Aufgabe wieder etwas Neues dazugelernt zu haben 😉

„Es freut mich zu hören, dass wir gerne so viel machen können. Das Modul macht einfach unheimlich Spaß, wir lernen so viel.“

„… bedanke mich vielmals für das ganz Wissen was Sie uns im Modul vermittelt haben.“

„Vielen Dank für Ihr Feedback, die Kommentare empfand ich als sehr angebracht und hilfswert.“

Kritik

Gibt es denn so gar keine Kritik? Wenn ich persönlich überhaupt eine habe, dann betrifft sie nur den Umstand, dass ich ein wenig wehmütig unserer schönen deutschen Sprache und um eine ordentliche Rechtschreibung nachtrauere.  Doch nur bei der Hausarbeit werde ich pingelig. Und im Modul „Pressearbeit“ sowieso. Da führt kein Weg an gutem Deutsch vorbei.

Und wenn die Teilnehmenden etwas kritisieren, dann ist es entweder ein technischer Umstand auf der (von uns intensiv genutzten) Schulungsplattform oder weil sie den breiten Gestaltungsrahmen, den sie vorfinden, für sich nicht immer „sicher“ einzuschätzen vermögen. Schuldidaktik prägt wohl ein Leben lang. Gegängeltes Lernen wieder zu verlernen ist nicht ganz einfach. Es lohnt sich jedoch, um sich des UNABHÄNGIGEN Denkens und der EIGENEN Lösungswege wieder sicherer zu werden.

Wie auch immer – wir lernen voneinander so viel, dass ich bei den Feedbackantworten großzügig über Rechtschreibschwächen hinweg sehen mag. So, wie meine Teilnehmenden großzügig sind, wenn ich ihre Namen zuweilen verwechsle oder nicht immer sofort antworten kann, wenn ich wieder einmal einige Tage länger auf Seminarreise bin.

Zukunft

Daher blicke ich gelassen und frohgemut auf die vor uns liegende zweite Halbzeit. Gleichwohl mit dem Ausblick auf die garantiert über die Weihnachtsfeiertage und zu Sylvester zu bewertenden Hausarbeiten. Denn am 4.1.2016 ist die Ausleitungsveranstaltung anberaumt. Und nein, das ist nicht wirklich Kritikpunkt Nummer 2. Als Selbständige kenne ich das nicht anders, als die Feiertage zu nutzen. Doch wer kann von sich schon behaupten, dass sie oder er dabei die Arbeit quasi feiert (mit Ausnahme des 1. Mai natürlich)? Das ist sicherlich genau so selten, wie wenn Teilnehmende freiwillig mehr Aufgaben erledigen, als sie eigentlich müssten, aus purer Freude oder aus Interesse am Lernen.

Fazit:

Um die Zukunft der Potsdamer G6-W04 mache ich mir keine Sorgen. Möge die Kraft des eigenen Denkens und der Begeisterung ein Leben lang mit euch sein!

Na, das klingt doch toll! Wir freuen uns über einen so positiv gestimmten Bericht und wünschen Ihnen auch für die zweite Hälfte einen weiterhin engagierten Kurs!

M12 – XML (Fernweiterbildung Archiv)

Unser Lehrbeauftragter Dr. Ivo Keller beschäftigt sich vor allem mit Themen wie Big Data, Human Machine Interaction, Retrieval Systeme und verteilte Wissensplattformen. In der Fernweiterbildung Archiv lehrt er neben dem Pflichtmodul „XML“ auch das Wahlmodul „Information Retrieval“. In seinem kurzweiligen Bericht beschreibt er seine Lehrerfahrung aus Sicht eines Lehrenden ohne archivischen/ geisteswissenschaftlichen Kontext – mit allen Hürden und Erfolgserlebnissen :-).

„XML für die Archivare? Na, mehr als das XMLSpy können Sie da nicht verlangen, das sind doch keine Informatiker!“ – wir werden sehen. Wer nur rumklicken kann, wird von jedem 14-Jährigen ersetzt; die Leute brauchen Grundlagen und für die muss man sie halt fordern.

XML oder: Extensible Markup Language

XML oder: Extensible Markup Language

Und ab ging die Post. In sämtlichen Netzwerken ist XML präsent, da muss man Webservices programmieren, die Clients melden sich an, es geht um kleine Header und große Nutzdaten und um ein einheitliches Textformat – tagauf, tagzu dasselbe Prinzip. Und wenn man die Texte erst von Solr verarbeiten lässt, wird‘s so richtig interessant. Riesige Datenmengen für die Klassifikation, hochdimensional und chaotisch, welche Freude – aber was davon werden diese ArchivarInnen brauchen?

Außer der Konvertierung erstmal nichts. Wenn sie dann Blut geleckt haben, vielleicht ein bisschen mehr. Und leider verstehen sich diese Leute als Kulturträger und sehen sich über den Niederungen der Technik; der Ärger lag also in der Luft.

In die Einführungsveranstaltung hatte ich zu viel Stoff gepackt, die Pause überzogen – es würde übel werden. Bei der ersten Hausarbeit fingen sie dann auch prompt an, sich zu beschweren, sie würden die Aufgabenstellung nicht verstehen. Kinder, wie einfach soll ich‘s euch denn noch machen?!

Dr. Ivo Keller

Dr. Ivo Keller

– Ich hatte schlicht vergessen, die Aufgabenstellung hochzuladen.

Und anschließend kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Das waren Erwachsene, die sehr wohl verstanden hatten, warum sie sich mit Mitte 30 noch ein Studium aufbürden sollten. Wie die sich schinden konnten! Hatte ich mich mal nicht klar ausgedrückt, fingen sie an, es hin und her zu zirkulieren. Nein, jetzt war es vorbei mit dem kollaborativen Lernen und dass sich die Leute schon irgendwie selbst eintakten würden. Von jetzt ab musste ich immer hinterher sein. Im Forum war es manchmal zum Steinerweichen, die brauchten sofort Hilfe. Oft hatte ich keine Zeit mehr, eine süffisant-wegweisende Frage zu formulieren, sondern musste prompt zur Antwort übergehen. Und siehe, die Leute gingen mit. Mit der Zeit wurden sie charakterliche Hacker. Die Fehlermeldung nicht einfach mit einem Fluch wegklicken, sondern lesen, nüchtern denken, es anders probieren. Als eine Studentin meinetwegen Urlaub genommen hatte, musste ich den Stoff vereinfachen. Alles wurde gut.

Bis mir Microsoft höchstselbst in die Quere kam. Hatten die doch das XML wieder zurückgefahren?! Uns drohte das Ziel abhanden zu kommen, wozu jetzt noch diese Quälerei? Jetzt verstand ich auch, warum mich ein Buchautor zum Leidensgenossen geadelt hatte. Aber nach einigen harten Wochen fand sich schließlich doch ein gutes Ende, der Knoten löste sich, die Veranstaltung wurde wieder rund.

Summa summarum habe ich den Eindruck gewonnen, den unüberwindbaren Graben doch etwas zugeschüttet und der Mehrheit meiner Studierenden zu programmiererischen Erfolgserlebnissen verholfen zu haben. Das Thema blieb auf dem Grat zwischen der Big Data-Welt und dem Kulturbewahrenden der Archivare, und ich selbst bin seitdem ein bekennender Anhänger der Erwachsenenbildung.

M12 – Contentmanagementsysteme
(Fernweiterbildung Archiv)

Michael Panitz ist Mitarbeiter bei Mediamid Digital Services GmbH und hat 2012 seinen Master im Studiengang Informationswissenschaften an der FH Potsdam abgeschlossen. In der Fernweiterbildung Archiv lehrt er in diesem Jahr erstmalig das Modul „Content Management systeme“ (CMS). Lehrerfahrungen konnte er bereits in „unserem“ Direktstudium und in der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement sammeln.

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Lehrbeauftragter Michael Panitz

Worum geht es bei dem Modul?

Das Modul soll den Studierenden die Bedeutung von Content auf der einen und die Verwaltung desselben mit Hilfe geeigneter Systeme auf der anderen Seite nahe bringen. „Content“ wird heutzutage im digitalen Umfeld oft zitiert, aber nur schwammig „präzisiert“. Der Kurs setzt da an und betrachtet unterschiedliche Arten von Content, die von Webseiten-Inhalten, über Fotos bis hin zu digitalen Archivalien reichen können. Die entsprechende Anzahl von Systemen ist dementsprechend, weswegen ein kleiner Querschnitt präsentiert wird.

Warum sind CMS für die Archivpraxis so wichtig?

Auch „Digitale Archive“ sind im weitesten Sinne Content Management Systeme, ebenso wie Online-Findbücher. Aber die Bedeutung von CMS fängt für ein Archiv bei einer optimalen Webpräsenz an, die den Zugang erleichtert, Besucher über Nutzung und Öffnungszeiten informiert und auch ohne Findbücher wenigstens die Schwerpunkte der Archivinhalte umreißt. Da mit frei verfügbarer Software ohne viel Einarbeitung eine Realisierung möglich ist, sind CMS auch für die Archive wichtig und keine ausschließliche Sache der IT – gerade bei kleineren Archiven.

Was bringen ausgebildete FaMI bereits mit? Auf welche (Ausbildungs-)kenntnisse und –fähigkeiten kann hier aufgebaut werden?2000px-Logo_TYPO3.svg

Trotz des vergleichsweise geringen technischem Know-How ist ein eine gewisse technische Affinität sicherlich von Vorteil. Grundsätzliche Kenntnisse gängiger Office-Anwendungen, Online-Editoren und generelles Interesse an Web-spezifischer /-gestützter Arbeit sind zudem hilfreich für einen leichteren Einstieg, aber kein Muss. Für das Konfigurieren und Aufsetzen vieler Systeme in der Grundausstattung sind oftmals tatsächlich keinerlei Vorkenntnisse notwendig. Je größer die Systeme und der gewünschte Funktionsumfang, desto mehr Einarbeitung ist notwendig.

Welche Prüfungsleistung(en) gibt es?

Es gibt drei schriftliche Hausaufgaben, die zwei Drittel der Endnote ausmachen. Eine praktische Hausaufgabe geht zu einem Drittel in die Endnote ein.

Wie können sich Interessierte darauf vorbereiten?

Tatsächlich ist die „Wikipedia“ hier für den Einstieg sehr gut geeignet:

Herr Dr. Ulrich Kampffmeyer hat im Rahmen seiner Unternehmensberatung „PROJECT CONSULT“ einige interessante Beiträge veröffentlicht:

Und noch allgemeine Infos:

Vielen Dank!