Schlagwort-Archive: Master Archivwissenschaft

Duisburgs „Hüter des alten Feuers“
– Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

Marinko Betker nahm am 3. Durchgang unseres M.A. Archivwissenschaft teil und ist somit einer unserer jüngsten Absolventen, der von seinem archivarischen Werdegang berichtet. Der Duisburger Stadtarchivar schrieb im Sommersemester 2016 seine Masterarbeit über Personalmanagement für Großstadtarchive und berät engagiert Nachwuchs- ArchivarInnen. Viel Spaß beim Lesen des folgenden Beitrags :-)!


Im Jahr 2000 nahm ich ein Magisterstudium an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf auf. Die Fächerkombination lautete „Neuere und Neueste Geschichte einschließlich Landesgeschichte“ im Hauptfach, mit den Nebenfächern „Mittelalterliche Geschichte“ und „Informationswissenschaft“. Die Magisterprüfung im Hauptfach habe ich bei Prof. Dr. Christoph Nonn, und in der Informationswissenschaft bei Prof. Dr. Wolfgang Stock abgelegt. Im Rahmen der Magisterarbeit „Die Selbstsicht der frühen BRD im Spiegel ihres Bildes von der Weimarer Republik“ analysierte ich kritisch die Historiographie der 1950er Jahre der noch jungen Bundesrepublik. Zugegeben sammelte ich im Rahmen des Magisterstudiums eher wenig Erfahrung im Archivwesen. Ein obligatorischer Besuch des damaligen Landeshauptarchivs an der Mauerstrasse in Düsseldorf verschaffte mir Einblicke in die Bereiche Benutzung, Bestandserhaltung und Erschließung. Ich nahm erstmals den Beruf des Archivars wahr, was mich nachdrücklich prägte, natürlich positiv 🙂 . Beim Stadtarchiv Ratingen, damals bereits geleitet von Frau Dr. Münster-Schröer, ging ich eine Zeitlang für ein studentisches Projekt ein und aus, und lernte Archive allmählich als Forschungs- und Lernorte kennen.

Juli 2015: Marinko Betker im Podium beim „Erlebnis Archiv – Studierende vor Ort im Rheinland“, eine jährlich stattfindende Veranstaltung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), bei der Studierende auf Archivar*Innen treffen und sich umfassend über das archivarische Berufsbild informieren können.

Mein Weg ins Archivwesen
Ich repräsentiere im wahrsten Sinne den archivarischen Quereinsteiger. Frisch graduiert gelang mir im Herbst 2007 der Einstieg in die Ordnungsverwaltung der Stadt Duisburg. Dort verbrachte ich zunächst einige Jahre, in denen ich im Außendienst mit Vollzugs- und Ermittlungstätigkeiten betraut war. Ganz so zufällig wie es sich liest, war diese Berufswahl nicht, so hatte ich während des Studiums schon mehrere Jahre im kommunalen Vollzugsdienst der Stadt Mettmann gearbeitet. Im Jahr 2011 wurde eine Stelle im gehobenen Archivdienst beim Stadtarchiv der Stadt Duisburg frei. In einem internen Verfahren wurde ein „Hüter des alten Feuers“ gesucht, diese Zeile der Ausschreibung werde ich wohl nie vergessen. Natürlich bewarb ich mich um die Stelle, und konnte mich glücklicherweise durchsetzen. Seit Juli 2011 bin ich als Mitarbeiter im Archivdienst der Stadt Duisburg tätig.

Mein Weg zum Archivmaster
Mit der Umsetzung zum Stadtarchiv ging ich gleichzeitig die Verpflichtung ein, mich für das berufsbegleitende Masterstudium an der FH Potsdam zu bewerben. Im Rahmen der Personalentwicklung wurde mir zunächst ein angepasstes Geschäftsfeld übertragen, da mir schlicht die fachliche Qualifikation fehlte. Meine Fächerwahl im Magisterstudium erwies sich als gute Basis, um sich „on the job“ das archivarische Handwerkszeug anzueignen. Als erste Qualifizierungsmaßnahme durchlief ich so ziemlich jeden belegbaren Grundkurs an der Archivschule Marburg, und lernte die archivarischen Standards kennen. So vergingen zwei Jahre, in denen ich vor allem in der Erschließung, dem Benutzerdienst und dem Bearbeiten von Anfragen eingesetzt wurde. Ich hatte Freude an der Arbeit und bei mir bekräftigte sich der Wunsch, den Beruf des Archivars zu erlernen. Mit einer festen Planstelle im Rücken, bewarb ich mich um einen Master-Studienplatz an der FH Potsdam und wurde für das 3. Matrikel, Start Wintersemester 2013, zugelassen.

Was sich seit dem Masterzeugnis verändert hat

Als Dozent „qua Amt“ schulte Marinko Betker, hier zusammen mit dem Institutsleiter, Hr. Dr. Andreas Pilger, im Mai 2015 die ersten Familienforscher in der Mercator-Werkstatt des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg (KSM). Inzwischen verfügt das Stadtarchiv mit der „DenkStätte“ des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie (ZfE) über einen eigenen außerschulischen Lernort, an dem zahlreiche Formate wie pädagogische Workshops und Vorträge realisiert wurden.

Nach der Master-Graduierung habe ich erstmals das Gefühl, einen beruflichen Lebensstand erreicht zu haben. Mir wurde Anfang des Jahres 2017 eine Planstelle im gehobenen Archivdienst übertragen. Respektive betrachtet verging meine Potsdamer Zeit wie im Fluge. Man hatte zudem nie das Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein, da man sich jederzeit mit den Kommilitonen bzw. der Studiengangkoordinatorin austauschen konnte <Unvergessen sind natürlich die Präsenzveranstaltungen in Potsdam!>

Sicher war die Einteilung der Arbeitsbelastung nicht immer einfach, so dass ich auch zahlreiche Sonntagabende im Arbeitszimmer verbringen musste. Die Geburt meines Sohnes Thorin ereilte sich zudem kurz vor der Themenzuweisung meiner Masterarbeit! Auf der fachlichen Seite habe ich eine Menge mitgenommen, und mich dank des Wahlpflichtbereiches im Feld der elektronischen Langzeitarchivierung spezialisiert. Meine Masterarbeit „Personalmanagement für Großstadtarchive – Eine Personalbedarfsberechnung beim Stadtarchiv Duisburg“ wurde als Organisationsprojekt in Kooperation mit dem Stadtarchiv realisiert. Ich plane eine Veröffentlichung der Ergebnisse, die jedoch noch etwas Nachbearbeitung und die Freigabe von betrtieblichen Informationen erfordern wird. Gerade die Methode des „taktischen Personalmanagements“, die ich am Beispiel Duisburg angewendet habe, könnte anderen Kommunalarchiven als Beispiel für Aufgaben- und Personalplanung dienen.

Das Stadtarchiv Duisburg

Zu den Schätzen des Stadtarchivs gehört dieses alte Duisburger Stadtsiegel aus dem 13. Jahrhundert, dass den „Salvator Mundi“ (Erlöser der Welt) zeigt. Die älteste beim Stadtarchiv überlieferte Pergamenturkunde stammt aus dem Jahr 1129. Auf dem Portal Archive.NRW präsentiert das Stadtarchiv die gesamte Breite der amtlichen Überlieferung nebst dem privaten Sammlungsgut.

Das Stadtarchiv Duisburg ist mit seinem Bestand von ca. 9 Regalkilometern Archivgut eines der größten Kommunalarchive Nordrhein-Westfalens, gelegen innerhalb einer Archivlandschaft, die mit dem Umzug des Landesarchivs NRW nach Duisburg komplettiert wurde. Die Stadtarchivare sind überwiegend mit den klassischen facharchivarischen Aufgaben, wie der Erschließung, dem Lesesaaldienst und der Überlieferungsbildung betraut. Sie dienen jedoch auch als Ansprechpartner für die Ämter der Stadtverwaltung und zahlreiche Benutzer mit genealogischem bzw. stadtgeschichtlichem Interesse. Alleine im Jahr 2016 mussten über 1600 schriftliche Anfragen beantwortet werden. Die jährlichen Übernahmen einer fünfstelligen Anzahl von Unterlagen in das Verwaltungsarchiv entlasten die abgebenden Stellen; sie wollen jedoch gut geplant sein!

Meine Aufgaben im Stadtarchiv

Im Rahmen eines Betriebspraktikums hat die angehende Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FAMI) Eileen Küppers ca. anderthalb Regalmeter der historischen Unterlagen der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e. V. verzeichnet. Marinko Betker übernahm die Verzeichnungskontrolle und die Begleitung des daraus entstandenen Findbuches bis zur Übergabe an den Vorstand der DFG Duisburg im August 2016.

Innerhalb des Teams bin ich mit wachsender Erfahrung vor allem für Veranstaltungen der Historischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt worden. Mittels der durch das Masterstudium erworbenen theoretischen Kenntnisse konnte ich Kurse für Familienforscher durchführen bzw. meine Kenntnisse im Records Management für die Konzeption einer Fortbildung zur Einführung in die behördliche Schriftgutverwaltung nutzen.

Die Formate wurden gut angenommen und werden im Angebot des Stadtarchivs verstetigt. Eine eher junge Kooperation mit der ich betraut bin, betrifft die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg e. V., deren historische Unterlagen jüngst durch eine Praktikantin im Stadtarchiv verzeichnet wurden. Die Vernetzung mit den Akteuren vor Ort empfinde ich als sehr reizvoll; sie hält manchmal Überraschungen bereit (so nahm an einer Veranstaltung z. B. der französische Generalkonsul aus Düsseldorf teil). Perspektivisch werde ich mit dem Eintritt des Stadtarchivs in die elektronische Langzeitarchivierung meine an der FH Potsdam erworbenen Kenntnisse einbringen können!

Ein wichtiges persönliches Anliegen ist mir die Förderung des archivarischen Nachwuchses, dem ich schon so manche Sonderveranstaltung gewidmet habe, um den Kollegen von morgen Rede und Antwort zu stehen.

Merken

Merken

Merken

WP-A1 – IuK-Technologien (M.A. Archivwissenschaft)

Nach langer Pause ist es wieder soweit: Hier kommt ein neuer Beitrag aus unserer Reihe „Module unter der Lupe“! Professor Dr. Jörg Bleymehl erweckt unser Wahlpflichtmodul „Informations- und Kommunikationstechnologien“ im M.A. Archivwissenschaft zu neuem Leben. Seit 2000 vertritt er an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fakultät Medien, das Lehrgebiet Angewandte Medieninformatik und Mediengestaltung. Schwerpunkte seiner Lehre im Studiengang Medientechnik sind Webentwicklung und Entwicklung mobiler Anwendungen. Im Studiengang Museologie lehrt er „Datenmanagement und Datenbanken“ und im Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft „Medienkompetenz und Medienherstellung“.

In Anlehnung an die Entwicklungen des Social Web im Archivwesen verhilft der „im Umgang mit GeisteswissenschaftlerInnen geübte“ Ingenieur dem Modul zu neuem Glanz. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit :-)!

Worum geht es bei dem Modul?

Prof. Dr. Jörg Bleymehl

Prof. Dr. Jörg Bleymehl

In der heutigen Zeit sind IuK-Technologien allgegenwärtig und die Entwicklung schreitet rasant voran. Grundlegende Kenntnisse sind daher für alle Bereiche hilfreich, wenn nicht sogar notwendig. Dies gilt auch für die Archivwissenschaft. Diese Kenntnisse sollen es den Studierenden ermöglichen, Möglichkeiten der Technologien für die eigene Arbeit zu erkennen und/oder zu bewerten. Natürlich macht es wenig Sinn, hier allzu tief in technische Details einzusteigen. Hierfür gibt es entsprechende Fachleute.

Der Fokus des Moduls wird auf dem Internet liegen. Hier wird erst einmal die Funktionsweise in vereinfachter Form vermittelt und wichtige Begriffe, die mittlerweile sogar das heimische Wohnzimmer erreicht haben, erläutert (Router, VPN u.a.).

Im weiteren Verlauf des Moduls werden dann verschiedene Dienste des Internet vorgestellt, die von den Studierenden genutzt werden, so z.B. ein Content Management System zum Erstellen einer Webseite oder eines Blogs sowie Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke. Wichtig ist, die Grundprinzipien der Dienste zu verstehen und deren Erfolg nachvollziehen zu können.

Was bringen die Studierenden bereits mit?

Die Studierenden dürften sehr inhomogene Voraussetzungen mitbringen, bedingt durch berufliche oder private Erfahrungen und Präferenzen. Auch ist zu erwarten, dass verschiedenen Diensten (z.B. Facebook) gegenüber durchaus Vorbehalte herrschen und eine private Nutzung deshalb explizit vermieden wird. Hier gilt es, objektive Kriterien herauszuarbeiten, die es ermöglichen, eine Nutzung solcher Dienste im beruflichen Rahmen neutral zu bewerten.

Welche Prüfungsleistung gibt es?

Die Prüfungsleistung wird eine praktische Abschlussarbeit. Hier ist es wünschenswert, dass die Studierenden ein Projekt angehen, welches direkt mit ihrer Tätigkeit in Verbindung steht. Es muss daher mit den Studierenden individuell abgestimmt werden, um was es sich genau handelt.

Vielen Dank!

Merken

„Berufserfahrungen untermauern und neuen Herausforderungen begegnen“ – Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

von Dr. Margrit Prussat

Meine ersten Berufserfahrungen im Archivwesen habe ich im Archiv des Deutschen Museums in München gesammelt. Die Geschichte von Naturwissenschaften und Technik war für mich bis dahin eher Neuland und ich war begeistert von den vielfältigen Quellen und den Möglichkeiten ihrer Aufbereitung. Seither habe ich die Archive an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen als äußerst interessantes Arbeitsfeld kennengelernt. Sie bieten ein hohes Potential an Entwicklungsmöglichkeiten und nicht selten auch die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen. Trotzdem müssen natürlich auch alle archivischen Kernaufgaben fachgerecht erledigt werden.

Das Studium der Archivwissenschaften an der FH Potsdam war für mich daher der ideale Weg, um nach 14 Jahren Berufstätigkeit in zwei wissenschaftlichen Archiven die in der Praxis erworbenen Kenntnisse zu konsolidieren und fundierte Fachkenntnisse in jenen Bereichen anzueignen, mit denen ich bisher nicht in Berührung gekommen war. Schließlich ebnete mir dieses zweite Studium der Archivwissenschaften den Weg zu meiner heutigen Stelle als Leiterin des Universitätsarchivs Bamberg.

Arbeitsplatzfotos-MP_00005_small-3

Archivleiterin Dr. Margrit Prussat – Alle Bilder: Universitätsarchiv Bamberg

Den Einstieg ins Archivwesen fand ich durch einen thematischen Schwerpunkt, der sich wie ein roter Faden durch mein Erststudium der Ethnologie, Germanistik und Sozialpsychologie an den Universitäten Göttingen und München zog: die Beschäftigung mit visuellen Medien, vor allem mit der Fotografie. Meine Magisterarbeit bestand in einer empirischen Analyse der Reise-Diavortragsszene Mitte der 1990er Jahre in Deutschland. Nachfolgend konzentrierte ich mich stärker auf historische Fotografien. Nach dem Studienabschluss arbeitete ich zunächst in einer universalen Bildagentur bevor ich dann 1997 ins Deutsche Museum wechselte und hier vor allem in den Bereichen Bildarchiv/Bildstelle und Erschließung von Nachlässen tätig war. Zusätzlich habe ich viele Einblicke in die Arbeitsgebiete meiner Kolleginnen und Kollegen gewinnen können. Die Digitalisierung der Archive setzte zu jener Zeit verstärkt ein, was ich äußerst interessant fand.

Auch als Archivnutzerin gewann ich vielfältige Einblicke von dieser „Übergangszeit“ zum digitalen Archiv. In meiner Dissertation beschäftigte ich mich mit der Geschichte der Fotografie im Brasilien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Den Bildfundus  trug ich damals noch auf vielen Archivreisen in Deutschland und Brasilien zusammen – heute sind viele der Fotografien bereits online recherchierbar. Die Archivreisen möchte ich dennoch nicht missen, denn sie haben mir ganz andere Einsichten in die internationale Archivsparte gewährt als es durch die online Recherche möglich gewesen wäre.

Facebook-Videodigitalisierung_2016-06-22

Digitalisierung von VHS-Kassetten

Die folgende berufliche Station erlaubte mir eine ideale Verbindung der Ethnologie mit den praktischen Kenntnissen im Archivwesen, ergänzt durch Fortbildungen an der Archivschule Marburg. Ab 2008 war ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Digitalisierungsprojekt DEVA der Universität Bayreuth. In einem kleinen Team waren wir mit dem Aufbau eines physischen und digitalen Archivs für die Afrikawissenschaften der Universität Bayreuth beschäftigt und an diversen Kooperationsprojekten auch mit Partnerinstitutionen in Afrika beteiligt. Während dieser Berufstätigkeit an der Universität Bayreuth begann ich mit dem Masterstudium der Archivwissenschaften in Potsdam.

Als ich danach die Leitungsstelle des Universitätsarchivs Bamberg übernahm, waren vor allem jene Inhalte des archivwissenschaftlichen Studiums wichtig, die sich mit Archivmanagement, Archiventwicklungsplanung und diversen Bereichen der digitalen Archivierung  befassen. Im Aufbau der digitalen Archivierung und der Digitalisierung liegen momentan die Arbeitsschwerpunkte des Uni-Archivs Bamberg.

Repro-Arbeitsplatz des Universitätsarchivs

Universitätsarchive sind, zumindest in personeller Hinsicht, oft eher kleine Einrichtungen. Das gesamte Spektrum der archivischen Kernaufgaben und der weiteren Aufgaben und Projekttätigkeiten liegt daher nicht selten in Händen weniger Personen. Deswegen sind gute Kenntnisse in allen Kernbereichen des Archivwesens unerlässlich, neben einer fachlichen Spezialisierung in einigen wenigen Bereichen. Eine gute Vernetzung mit den Kolleginnen und Kollegen in der Archivwelt sorgt darüber hinaus dafür, bei besonderen Problemlagen kompetente Ansprechpersonen mit jeweils eigenen inhaltlichen Schwerpunkten zu finden. Beide Aspekte, das Fachwissen und die Netzwerkbildung, sind für mich die wichtigsten Resultate des Studiums der Archivwissenschaften. Die dreijährige Studienzeit war zwar, vor allem neben einer Vollzeitstelle, nicht immer ein reines Zuckerschlecken. Aber es hat sich gelohnt! Und ich bin sicher dass auch die Arbeitgeber/Archiveinrichtungen, vor allem durch den engen Praxisbezug, von dem berufsbegleitenden Studiums ihres Personals profitieren.

Merken

Hätte man mich vor einigen Jahren nach meinem Beruf
gefragt, hätte ich „Historiker und Archivar“ geantwortet – heute ist die Antwort eindeutig „Archivar und Historiker“.

– Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

Dr. Stefan Schröder beendete 2014 sein Masterstudium erfolgreich mit der Arbeit „Archivmanagement in kleinen Archiven“. Damit gelang dem engagierten Grevener Archivar ein Leitfaden für die Professionalisierung der Archivarbeit in kleinen kommunalen Archiven. Stefan Schröder bloggt für das Stadtarchiv Greven im Archivamtblog und ist beliebter Referent auf Fachtagungen wie dem Westfälischen Archivtag. Für unsere Blogreihe gewährt er uns einen Blick auf seinen Lebenslauf.


Quelle: StaG F3D-595 (Stefan Schröder im Gespräch beim „Tag der Archive 2016“, den der AKAST, bestehend aus 25 Kommunalarchiven, diesmal zum Thema "1816-2016 ǀ 200 Jahre Kreis Steinfurt" in Steinfurt ausgerichtet hat)

Stefan Schröder im Gespräch beim „Tag der Archive 2016“, den der AKAST, bestehend aus 25 Kommunalarchiven, diesmal zum Thema „1816-2016 ǀ 200 Jahre Kreis Steinfurt“ in Steinfurt ausgerichtet hat. Quelle: Stadtarchiv Greven (StaG F3D-595)

Nach meinem Abitur 1986 und anschließendem Zivildienst habe ich 1988 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein Magisterstudium (zunächst Hauptfach Archäologie) begonnen und im Jahr 2000 das Studium der Neueren und Mittelalterlichen Geschichte und Romanistik mit der Direktpromotion beendet. 2005 wurde meine Dissertation „Displaced Persons im Landkreis und in der Stadt Münster 1945-1951“ veröffentlicht. Hierfür waren Archivreisen weltweit nötig (Public Record Office, Kew/London; UN-Archiv, New York; National Archives and Records Administration, Washington D.C.; Archives Nationales, Paris und etliche weitere deutsche Archive vom kleinen Kommunalarchiv bis zum Bundesarchiv).

Der Reiz der Archivarbeit während der Promotionsphase hat mir den Weg zu meinem Berufswunsch gewiesen. Zu diesem Zeitpunkt war ich aufgrund der damals geltenden einschlägigen Voraussetzungen (üblicherweise erstes Staatsexamen + Promotion, Höchstalter 32 Jahre) für eine Bewerbung zum Archivreferendariat allerdings nicht mehr geeignet. Im Archivwesen bin ich dennoch untergekommen weil es damals nicht selten noch die Möglichkeit gab, als Quereinsteiger ohne archivfachliche Ausbildung eine Stelle zu bekommen, was heute nur noch ganz vereinzelt möglich ist. Dafür waren meine beruflichen Erfahrungen (Praktika und befristete Beschäftigungen in einer Universitätsbibliothek, mehreren Archiven und einer Gedenkstätte) sehr von Nutzen. Als Student habe ich meine Finanzen zunächst mit Semesterferienarbeit als Leiharbeiter in der ostwestfälischen Möbelbranche und als Fensterputzer in Münster aufgebessert, mir dann aber gezielt Jobs gesucht, die beim Einstieg in das Berufsleben nach dem Studium hilfreich sein könnten. Und die waren mehrheitlich sehr nah am Archivwesen. So bin ich 1999 zunächst befristet ins Stadtarchiv Greven/Westfalen gekommen, seit 2001 unbefristet, und 2002 dessen Leiter geworden.

Der M.A. Archivwissenschaft an der Fachhochschule Potsdam: Fragen der digitalen Archivierung und des Archivmanagements waren ausschlaggebend bei der Entscheidung für das Studium

Meine Archivarbeit auf hohem Niveau zu gestalten war mir immer wichtig. So habe ich seit 1999 zahlreiche Fortbildungen des LWL-Archivamtes, aber auch der Archivschule Marburg  und der Fachhochschule Potsdam (FHP) absolviert. Als der M.A. Archivwissenschaft 2009 an der FHP etabliert wurde, war ich zunächst zurückhaltend – ein neuer Studiengang? Mir stellte sich die Frage, ob ich das fachlich brauche und wie sich so ein Studium in die Vollzeitberufstätigkeit integrieren lässt, von der Kostenfrage ganz zu schweigen. Beim Umfang meiner fachlichen Kenntnisse musste ich mir schon eingestehen, dass gerade der zukunftsträchtige Bereich der digitalen Langzeitarchivierung, den ich seit 2002 selbst im Blick hatte, doch mehr braucht als gelegentliches Selbststudium ohne roten Faden. Besonders interessiert war und bin ich auch an Fragen des Archivmanagements, aus der dann 2014 auch meine Masterarbeit entstand. Beide Themenbereiche haben dazu beigetragen, mich für den zweiten Masterkurs 2011-2014 zu bewerben.

Als Fazit kann ich verraten, dass mich fast alle Module weitergebracht oder zumindest mein vorheriges berufliches Wirken bestätigt haben. Hätte man mich vor einigen Jahren nach meinem Beruf gefragt, hätte ich „Historiker und Archivar“ geantwortet – heute ist die Antwort eindeutig „Archivar und Historiker“.Für meine Arbeit in einem kleineren Kommunalarchiv sind definitiv beide Ausbildungen wichtig, um das Profil des Stadtarchivs Greven so zu gestalten, dass alle Arbeitsbereiche ausreichend und auf hohem Niveau berücksichtigt werden, siehe dazu das BKK-Positionspapier.

Stadtarchiv Greven

Übernahme von Vereinsschriftgut ist Alltag in einem Kommunalarchiv, das sich als Institution für die gesamte Ortsgeschichte, nicht nur die Geschichte der eigenen Verwaltung zuständig sieht. Quelle: Stadtarchiv Greven, StaG F3D-616

Für die unterschiedlichen Ansprüche aus Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit wird Fachwissen benötigt, das zwischen Lokal- und Regionalgeschichte, Archivpädagogik, Records Management, digitaler Langzeitarchivierung, Bestandserhaltung und baufachlichen Fragen, Archivrecht und weiteren Facetten oszilliert. Insofern hat sich mein Geschichtsstudium mit dem der Archivwissenschaft in Potsdam fruchtbar ergänzt.

Rückblickend betrachtet…

Ich habe auch nochmal in mein Bewerbungsschreiben für den Studiengang von 2011 geschaut. Darin habe ich formuliert, dass ich meinen Wunschberuf mit größtmöglicher Kompetenz und Professionalität ausüben und dieses Wissen als Beitrag im kollegialen Austausch weitergeben möchte. Meiner Erfahrung nach ist besonders in den kleinen Archiven mit eingeschränkten Ressourcen die Person im Archiv der eigentliche Dreh- und Angelpunkt, der/die auch mit wenig Mitteln viel für das eigene Archiv tun kann. Insofern hoffe ich, dass die Kolleginnen und Kollegen aus den kommunalen Archiven im Kreis Steinfurt, die seit 2004 in einem gemeinsamen Arbeitskreis (AKAST) zusammengeschlossen sind, ein wenig mit profitieren können. Zumindest hat mich der AKAST im vergangenen Jahr als Kreisdelegierten für die Teilnahme an den

Stadtarchiv Greven

Unterlagen eines Wasserverbandes gaben die Anregung für eine nähere archivwissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Genossenschaften, siehe http://archivamt.hypotheses.org/3816. Quelle: Stadtarchiv Greven, StaG F3D-615

Sitzungen der ASGA (Arbeitsgemeinschaft der Stadt- und Gemeindearchive beim Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen) gewählt, was ich als Auszeichnung und Verpflichtung gleichermaßen ansehe. Ich sehe aber auch die Aktivitäten, die ich für das Stadtarchiv Greven im Web 2.0 betreibe, als Teilen von Wissen in diesem Sinne an. Wie so etwas in einem kleineren Archiv funktionieren kann, versuche ich seit einigen Wochen als Teil des Archivamtblogs des LWL-Archivamtes. Von dieser Form der Wissensverbreitung bin ich schon lange überzeugt, der fachliche Austausch während des Masterstudiums über Moodle als Lernplattform hat mir das aber auch nochmal bestätigt.

Merken

Merken

Weiter+Bildung auf dem Deutschen Archivtag 2016

Dieses Jahr gehen wir in die Weiterbildungsoffensive! Neben der Vorstellung unseres berufsbegleitenden Masterstudiengangs Archivwissenschaft auf dem Deutschen Archivtag unter dem Titel „Weiter+Bildung“, bieten wir außerdem Beratung an unserem Messestand der „Archivistica“ an.

Zusätzlich zu unserem bekannten Informationsangebot möchten wir Studieninteressierte für den Masterstudiengang Archivwissenschaft am Donnerstag, dem 29. September, zwischen 13.00 und 14.00 Uhr gezielt beraten. Hierzu stehen Studiengangsleitung und Studienkoordination sowie Studierende und AbsolventInnen den Interessierten Rede und Antwort.

Am 30. September beraten wir alle, die sich für unsere berufsbegleitende Fernweiterbildung Archiv interessieren. Auch hier werden KursteilnehmerInnen von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Die Beratung findet von 11.00 – 12.00 Uhr statt.

Wir freuen uns auf Ihre Fragen :-)!