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Impressionen von der DozentInnenbesprechung

Am 4. Juni fand die jährliche DozentInnenbesprechung der Fernweiterbildung statt –              diesmal zum Schwerpunkt Qualitätssicherung. Wir haben die Ergebnisse unserer Kommunikationsrunden vorgestellt und gemeinsam mit den Lehrbeauftragten ausgewertet. Auch das Lerntandem, das erstmalig im 8. gradualen Bibliothekskurs stattfindet, wurde in diesem Rahmen präsentiert.

Diesmal haben wir – wie es sich für die Anbieter einer Blended-Learning-Weiterbildung gehört – mit Adobe Connect eine Konferenzumgebung geschaffen, die es auch unseren Lehrbeauftragten aus Stuttgart und Hamburg ermöglichte virtuell dabei zu sein.

Auf in die nächste (Kommunikations)Runde!

Feedbackbögen sind ein tolles Instrument, um die Lehre und die Dozierenden zu evaluieren. Doch die Bögen erfassen leider nicht alles und geben zudem eine starre Struktur vor. Außerdem bleiben Felder, bei denen die Teilnehmenden frei auf die Frage „Was fanden Sie bisher gut?“ bzw. „Was fanden Sie bisher weniger gut?“ antworten können, oft ungenutzt. Wie können Teilnehmende darüber hinaus also dazu ermuntert werden, mehr über das was ihnen beisher gefiel (oder auch nicht) zu berichten?

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Feedback in gemütlicher Atmosphäre – Foto: HC Hobohm.

Durch Kommunikationsrunden! Das Projektteam hatte bereits im vorletzten Herbst eine solche Zusammenkunft veranstaltet, um mehr von den Teilnehmenden des 6. grad. Kurses der Fernweiterbildung zu erfahren. Dieses Mal fand das Treffen in einer sehr heimeligen Atmosphäre an der FHP statt: In der Stube! Bei Kaffee und Kuchen galt es als erstes auf grünen und roten Karten das zu notieren, was gut lief bzw. das, was nicht so gut lief. Diese wurden dann anschließend dem Plakat des Netzes bzw. des Sees zugeordnet (mehr zu Methode und Ablauf vgl.  Artikel „Mehr Obst!“). Die nachfolgende Darstellung nimmt Bezug auf einige der am ausgiebigsten diskutierten Punkte.

 

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Was lief nicht so gut? – Foto: HC Hobohm

Als erster Punkt wurde der fehlende Studentenstatus diskutiert. Zwar können die Teilnehmenden für die Zeit in der sie die BA schreiben die Zulassung beantragen, sind sind dann aber dementsprechend auch nur für das 7. Semester immatrikuliert. Durch eine offizielle Teilnahmebescheinigung soll nun von Seiten des Projektteams versucht werden, diesen fehlenden Status zu verbessern.

Ein weiterer Punkt der angesprochen wurden und der den Teilnehmenden des 7. grad. Kurses sehr am Herzen lag, war die lange Wartezeit auf die Bewertungen der Leistungsnachweise. Auch hier wird das Projektteam überlegen, wie diese verkürzt werden könnte. Ein weiterer angesprochener Punkt waren die Inhalte. „Zu sehr auf WBs ausgerichtet“ bis hin zu „Ausführungspräsenzen zu lang/wenig sinnvoll“ waren nur zwei Karten, die sich kritisch mit den Inhalten auseinandersetzten. Dass Potsdam eher für WBs ausbildet, ist nicht zuletzt der Arbeitsmarktsituation geschuldet und dient zudem der Profilierung der Hochschule im Vergleich zu anderen Hochschulen, die ähnliche Studiengänge anbieten. Was die Kritik an den Ausführungen anging: Hier gilt es gemeinsam mit den in der Fernweiterbildung tätigen Dozenten zu überlegen, wie die Inhalte z.B. so vermittelt werden könnten, damit die Ausführung für Präsentationen der Leistungsnachweise o.ä. genutzt werden könnten.

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Und was lief gut? – Foto: HC Hobohm

Bei soviel Kritik tat Lob richtig gut! Erfreulicherweise sparten die Teilnehmenden damit auch nicht…

Die behandelten Themen wurden als „modern“ beschrieben, dass die Dozenten per Moodle erreicht werden können, bewerteten die Teilnehmenden ebenfalls als gut. Auch der Erfahrungsaustausch untereinander wie auch die „Horizonterweiterung“ werden geschätzt. Dass viele TeilnehmerInnen der Ferneweiterbildung während der Fernewiterbildung auch ihre Schlüsselkompetenzen verbessern, bewiesen Karten wie „Zeitmanagement selbstbestimmt“ und „Selbstorganisation erlernt“  – ein sehr schöner Nebeneffekt!

Die  Organisation wurde ebenfalls als sehr gut beschrieben – ein Lob, das an dieser Stelle gerne ausdrücklich an das gesamte Team weitergegeben werden soll.

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Großes Gedränge beim Verteilen – Foto: HC Hobohm

Im zweiten Teil bekamen die Teilnehmenden jeweils 5 rote und 5 grüne Klebepunkte und wurden aufgefordert, diese auf die bisher abgeschlossenen Module zu verteilen. Im Anschluß wurden auch hier die Ergebnisse ausführlich besprochen und das Projektteam nahm in dieser Runde viele Anregungen für die künftige Gestaltung der Module mit und wird sich mit den entsprechenden Dozenten auch über diese Ergebnisse austauschen.

Insgesamt war diese 2. Kommunikationsrunde wieder eine für beide Seiten sehr wichtige Veranstaltung, in deren Rahmen sicherlich viele Fragen beantwortet werden konnten und somit zu einer Zufriedenheit auf beiden Seiten beigetragen werden konnte. Besonders schön war die Schlußbemerkung einer Teilnehmerin, die angab, dass ihr bei allen Kritikpunkten die Fernweiterbildung doch sehr viel Spaß macht und sie diese gerne absolviert. Das hören wir gerne!

Von Manner, Staren und Footprints

Mur-Insel

Graz, Insel in der Mur

Dass in Richtung Graz keine Flugzeuge des Typs Boeing 787 fliegen würden, habe ich nicht angenommen, dass dahin aber Flugzeuge des Typs DASH8 unterwegs sind, die nur unwesentlich größer als die Spielzeuge meiner Tochter sind, war trotzdem eine Überraschung. Bisher kannte ich den Begriff „Dash“ eher von so Sätzen wie „Fancy a dash ice in your Cola?“ und weniger aus der Luftfahrt. Der Flug in diesem kleinen Flugzeug hatte aber auch Vorteile: Das Sightseeing über Berlin war im Preis mitinbegriffen, der Fernsehturm konnte aus erstaunlicher Nähe bewundert werden… Nach knapp 1,5 Stunden fand auch diese Maschine hüpfenderweise den Weg nach unten und Graz begrüßte mich mit strahlendem Sonnenschein.

Keynote

Roy Williams stellt die Footprints vor

Der diesjährige E-Learning-Tag an der FH Joanneum, der unter dem Motto „Evaluierung offener Lernszenarien“ lief, begann mit der Keynote von Jenny Mackness (Independent Education Consultant) und Roy Williams (University of Porthsmouth). Beide stellten die Evaluations- und Reflexionsmethode der „Footprints of Emergent Learning“ („Fussabdrücke von Lernprozessen“) vor, eine sehr anschauliche Methode, die aufzeigt, wie der Lernprozess und das didaktische Konzept sowohl aus Dozenten- als auch aus Studierendensicht wahrgenommen wird. Die Footprints unterteilen sich in die Viertel/Cluster „Offenheit und Struktur“, „Interaktive Lernumgebung“, „Raum für persönliche Entwicklung“ und „ Eigener Stil, Selbstpräsenz“ und werden spezifiziert durch insgesamt 25 Faktoren (hier gibt es eine genaue Erklärung der Cluster und deren einzelnen Faktoren), die sich wertemäßig in verschiedenen Zonen des Kreises befinden – von der Mitte (1 – 10) bis hin zum Rand (ab dem Wert 30):

  • 1-10 vorgeschriebenes Lerndesign (wenig Offenheit, Aufgaben müssen abgearbeitet werden)
  • 11-16 sweet emergence (recht strukturiert, doch es kann auch Unvorhergesehenes geschehen, die Lernenden sind meistens in der Komfortzone)
  • 17-22 medium emergence (teilweise forderndes Lerndesign, es braucht Eigeninitiative und Engagement, um seinen, ihren Weg zu finden)
  • 23-28 sharp emergence (das Lernen ist anstrengend manchmal liegt zu viel Verantwortung auf den Lernenden, die Organisation des Lernprozesses, die Aufgabenstellungen brauchen Energie, die in der Auseinandersetzung mit dem Inhalt fehlt)
  • 29-30 Rand des Chaos (die Aufgaben sind so offen, komplex, dass nur mehr wenig Zeit für Inhalte übrig bleibt)
  • > 30 im Chaos (Lernen ist nicht mehr möglich, die Energie liegt in der Bekämpfung des Chaos oder die Lernenden gegeben auf, ziehen sich zurück).
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Bsp.-Footprint

Mehr Informationen zu den Footprints, den Faktoren und die Möglichkeit die Footprints selbst auszuprobieren gibt es hier.

Auch kommt es auf die Sichtweise der Studierenden an: Fühlen diese sich bspw. in der „Sweet emergence-Zone“ im Cluster „Interaktive Lernumgebung“ beim Faktor „Co-Evolution“ wohl und möchten gar nicht mehr gefordert werden, so kann eine durch den Dozenten wohlgemeinte Veränderung lerntechnisch eher ins Negative umschlagen. Das Bild links wie die Erklärung der Werte oben wurden dem Blogs des ZML entnommen.

Interessanter Vergleich im Laufe des Vortrages: Das Verhalten von Teilnehmern beim E-Learning ähnelt dem von Staren, die sich einen Nachtplatz suchen. In beiden Fällen kann man das was folgt kaum vorhersehen…

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Erläuterung der eigenen Erfahrungen mit den Footprints

In den weiteren Vorträgen von Gudrun Reimerth und Barbara Ormsby im Track „Footprints und Reflexion“ wurde nochmals detailliert auf Erfahrungen mit den Footprints eingegangen. Reimerth (linkes Bild) nutzt die Footprints als selbstevaluations- und Weiterentwicklungstool in der PR Ausbildung und beschrieb, wie sie beim Einsatz stellenweise zwischen Euphorie und Ernüchterung hin- und hergerissen war. Denny Seiger (FH Joanneum Management internationaler Geschäftsprozesse) und Rainer Loidl (FH Joanneum Soziale Arbeit) nahmen die TeilnehmerInnen mit nach Stockholm, und verglichen das Reisen mit dem Lernen bzw. Lernprozessen. Was bringt mehr: ein planvolles Vorgehen oder ein offenes Herangehen? Sie kamen zu dem Schluss, dass eine Kombination beider Wege auch zum Ziel führt.

Nach der Pause ging es im Track „Evaluierungszenarien“ weiter. Heribert Popp (TH Deggendorf) erläuterte wie Nutzungsdaten der NutzerInnen aus Moodle (u.a. Log-In-Frequenz, Engagment in den Foren, eingereichte Seminararbeiten) zur Evaluierung virtueller Mathematik-Kurse ausgewertet werden („Learning Analytics), um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen Lernaktivität und Lernerfolg besteht. Bei Johannes Feiner und Elmar Krajnc (FH Joanneum, Intertechnik) konnten die BesucherInnen des Tracks live bei einer Online-Vorlesung via Etherpad mitmachen und sich somit in die Rolle der Studierenden einfinden. Im Anschluss stellte ich die „Evaluationsmethoden der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement“ vor und wies in diesem Zusammenhang auch auf die daraus gezogenen Schlüsse hin, wie z.B. der Einrichtung des Kurses „Gute Online-Lehre“ oder auch der Renovierung eines Seminarraumes unter der Berücksichtigung der Gruppenarbeit. Der letzte Vortrag hatte das Thema „Planspiel“ und Wolfgang Gruber (FH St. Pölten) stellte dar, wie es ihm gelingt, die Studierenden im Rahmen des Seminars „Internationale Entwicklung im historischen Kontext“ zu einer aktiveren Teilnahme zu bewegen.

Nach einer kurzen Kaffepause und einem kohlenhydratenhaltigen Snack in Form des berühmten östrreichischen „Manner“-Riegels ging es weiter. Nun war nochmal die Aktivität der TeilnehmerInnen gefragt! Beim deutsch-englischen Footprint-Workshop hatten wir die Gelegenheit eigene Footprints zu erstellen und mit Jenny Mackness und anderen Teilnehmenden darüber zu diskutieren. Aus diesem Workshop nehme ich als Ergebnis mit, dass Footprints

  • keine Wertung darstellen
  • immer in ihrem subjektiven Kontext zu sehen sind und somit
  • ist eine Häufung im inneren Bereich des vorgeschriebenen Lerndesigns auch per Se nicht schlecht.

Footprint_Graz

 

Zum Abschluss des Tages habe ich einen eigenen Footprint der Veranstaltung erstellt.