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Bibliothek Gardelegen gewinnt dank der Fernweiterbildung 5000 €!

Von Romy Topf, FaMI bei der  Stadt-, Kreis- und Gymnasialbibliothek Gardelegen und Teilnehmerin des 6. grad. Kurses der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement.

Die Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement an der FH Potsdam ist die Gelegenheit, um über den beruflichen Tellerrand zu schauen. Lässt man die neuen Impulse auf sich wirken, kommen jede Menge Ideen zum Vorschein, die meist auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel leider nur im Kopf oder bestenfalls auf dem Papier bleiben.

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Romy Topf – Foto: Privat

Solch eine Idee entstand bspw. in dem Modul „Medienpraktikum“. In diesem Kurs ging es vorrangig darum, die angehenden Bibliotheksmanager mit dem weiten Feld des Social Media vertraut zu machen, indem nicht nur theoretisch darüber gesprochen, sondern aktiv an dieser Form der Kommunikation teilgenommen wird. Bei einer Übungspräsenz war der Geschäftsführer der „Espoto-App“, Steffen Lelewel, anwesend und stellte uns kurz sein Produkt vor, ohne dabei den Charakter einer Werbeveranstaltung zu vermitteln.

Sofort entstand bei mir die folgende Idee: Mit Hilfe dieser App könnte ich via Tablet eine Schnitzeljagd durch die Bibliothek verwirklichen. Die Kidz ab der Klassenstufe 5 lassen sich kaum noch durch eine konventionelle Bibliothekseinführung für die Institution Bibliothek begeistern. Mit Hilfe von Tablets sowie einer App, welche via QR-Codes die Schüler durch die Bibliothek lotst, wird dadurch spielerisch (Stichwort: Gaming) die Systematik und Aufstellung des Bestandes vermittelt. Durch den Quizz-Duell-Charakter wird die Motivation zusätzlich gefördert und einer „coolen“ Nutzerschulung steht nichts mehr im Wege.

In dem Modul „Bildungsdienstleistung“ bestand die Abschlussaufgabe darin, ein Konzept für eine Bildungsdienstleistung zu entwerfen. Da ich durch die Fachpresse schon öfters auf die Technologie „Augmented Reality“ gestoßen war und dieses Thema für Schulen und Bibliotheken gleichermaßen interessant finde, habe ich eine Bildungsdienstleistung für Lehrer entworfen, welche den Mehrwert für den Unterrichtsalltag vermittelt. Wochen später erfuhr ich durch Zufall von der Ausschreibung des „Bibliothekspreises der mittelständischen Wirtschaft Sachsen-Anhalt“. Die Ideen waren da, nur die Zeit fehlte mal wieder, um sich konkret mit dem Bewerbungsbogen auseinander zu setzen, und das Konzept aus dem Kopf auf Papier zu bringen. Doch eine Woche vor Abgabefrist fiel in der Bibliothek das Internet aus, und da fast alle Aufgaben mittlerweile vom Internet abhängig sind, hatte ich plötzlich Zeit.

Die Projektbeschreibung in aller Kürze: Mittels der Espoto-App wird eine digitale Schnitzeljagd via QR-Codes durch die Bibliothek realisiert. Zusätzlich wird durch die ZOOM-App der Bildungshausschulbuchverlage die Technologie Augmented Reality vermittelt. Wenn ich ehrlich sein soll war ich nur auf das Preisgeld aus, welches mit 5000 € dotiert war. Die Stadt-, Kreis- und Gymnasialbibliothek Gardelegen hat den Preis gewonnen und kann nun mit dem Geld die Tablets anschaffen sowie die Nutzungsgebühren der zwei Apps für ca. 3 Jahre finanzieren.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der parlamentarischen Begegnung im Haus des Handwerks in Magdeburg statt. Ich hatte 5 Minuten Redezeit, um die preiswürdige Idee zu präsentieren. Natürlich rechneten alle mit einer Power-Point-Präsentation. Umso erstaunter die Gesichter der ca. 50 geladenen Gäste als eine ganz andere Form dargeboten wurde.  Das Tool „Prezi“ war schon die halbe Miete für eine gelungene und eindrucksvolle Präsentation.

Die Glückwünsche und anerkennenden Worte im Anschluss an den offiziellen Teil waren schon fast zu viel für mich. Habe ich doch eigentlich nur meine Idee aufs Papier gebracht und die gelernten Fertigkeiten, die „Schlüsselqualifikationen“, welche ich bereits durch die Fernweiterbildung erworben hatte, endlich in voller Gänze anwenden können.

Richtig genutzt kann dieser Preis durchaus eine Sprungbrett für den weiteren beruflichen Werdegang sein. Wie jedoch bereits erwähnt, ging es von Beginn an primär um das Geld. Die eigentliche Arbeit steht uns noch bevor. Einen kleinen persönlichen Erfolg konnte ich jedoch bereits feiern, als ein bekannter Landespolitiker sich mit folgenden Worten verabschiedete:

„Ich dachte Bibliotheken sind eine Art verstaubte Bücherhalle. Durch Ihren Vortrag wurde mir jedoch bewusst, dass Bibliotheken moderne Dienstleister sind. […] Sie müssen wissen Frau Topf, die Politiker sind immer die Letzten die so etwas registrieren.“

In meiner Phantasie stell ich mir dann vor, dass das ein kleiner Schritt dahin ist, Bibliotheken endlich gesetzlich zur Pflichtaufgabe zu machen und nicht als freiwillige Aufgabe zu definieren.