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Mehr activity mit e-tivities!

„Einen Kurs zur Teilnehmeraktivierung in Moodle? Brauch ich den wirklich? Ich weiß doch wie Moodle funktioniert…“ So dachte ich im Frühsommer des letzten Jahres, als ich von einem e-tivities-Kurs basierend auf der Moodle-Plattform erfuhr. Dass in diesem Kurs aber selbst erfahrene Moodler noch was dazulernen konnten, wusste ich da noch nicht und war – wie die meisten der Teilnehmer –  dementsprechend angenehm überrascht…

Der 5-wöchige Kurs nach Gilly Salmons „E-tivities“ fand von Januar bis Anfang Februar diesen Jahres als reiner Online-Kurs statt. Als E-tivities werden „Aufträge für aktives und interaktives Online-Lernen“ bezeichnet (Vgl. Gilly Salmon, E-tivities – Der Schlüssel zu aktivem Online-Lernen, 2004, S. 17), die auf dem 5-Stufen –Modell aufbauen (s. Screenshots im Anschluß an diesen Artikel):

  • Zugang und Motivation
  • Online-Sozialisation
  • Informationsaustausch
  • Wissenskonstruktion
  • Entwicklung.

Die 16 Teilnehmer kamen von deutschen und österreichischen Hochschulen und hatten alle sehr unterschiedliche Erfahrungen in der Lehre, einige Teilnehmer, sowie ich, auch gar keine. Allen Teilnehmern gemein war jedoch, dass sie ihre schon bestehenden Onlinelehrveranstal-tungen verbessern, Teilnehmer zu mehr Aktivität anregen und eigene Erfahrungen vertiefen wollten.

Jede Woche barg neue E-tivities-, die stets nach dem Muster „Aufgabe“, „Reaktion“ und „Ziel“ gegliedert waren und mit einer Reflexion über das Gelernte schlossen. Die Aufgaben wurden vorab veröffentlicht, sodass die eigene Online-Präsenz frei eingeteilt werden konnte.

Zu berücksichtigen war lediglich, dass die Aufgaben der 1. Woche auch tatsächlich in der ersten Woche abgeschlossen wurden – da mit der neuen Woche natürlich wieder weitere Aufgaben kamen. Moderiert wurde der Kurs von Frau Dr. Jutta Pauschenwein, einer Dozentin der FH Johanneum, Graz, die für die E-Learning-Koordination an der Hochschule verantwortlich ist.

Um den Kurs erfolgreich mit einem Zertifikat abschließen zu können, mussten:

  • die gestellten Aufgaben erfüllt
  • wöchentliche Reflexionen und eine Gesamtreflexion erstellt
  • eine eigene e-tivity sowie ein Weiterentwicklungsplan entworfen und veröffentlicht sowie
  • das Feedbackformular ausgefüllt werden.

Der Kurs begann mit der Stufe „Zugang und Motivation“. Dazu gehörten die  Darstellung eigener Online-Erfahrungen im Hinblick auf „do’s“ and „dont’s“ (E-tivity 1.1) und die eigene Vorstellung (E-tivity 1.3). Zweck dieser Übungen war, sich in der Online-Umgebung einzufinden und Moodle kennen zu lernen.  Auch das Verfassen einer Willkommens-E-tivity (1.5) gehörte dazu. Erstaunlich war, dass kaum ein Teilnehmer diese doch sehr einfachen Aufgaben boykottiert hat. Alle haben begeistert mitgemacht und die Aufgaben genutzt um mit der Umgebung und den anderen Teilnehmern warm zu werden.

Die zweite Woche war der „Online-Sozialisation“ gewidmet. Auch hier ging es um die Darstellung und Reflexion der eigenen Online-Erfahrungen (2.1). Dieses Mal stand der Umgang mit der Zeit im Vordergrund: was würden wir als eModeratoren unseren Teilnehmern raten, die sich darüber äußern, dass sie Probleme mit der Bewältigung von Aufgaben haben? Die anschließenden Diskussionen waren sehr lebhaft und so hatte ich an einigen Tagen allein vom Online-Kurs weit über 120 Mails im Postfach.

Ein anderes Thema, welches auch sehr aktiv diskutiert wurde, war der Umgang mit Lurkern bzw. mit der Beschwerde einer fiktiven Teilnehmerin („Andrea Lurker“) über eben diese (2.3). Frau Lurker beschwert sich im Forum darüber, dass sie die einzige ist, die sich aktiv an der Arbeit im Forum beteiligt. Wie sollten wir damit umgehen? Fast alle Teilnehmer gingen beschwichtigend auf Frau Lurker ein, boten ihr und ihrer Seminar-Gruppe einen Gesprächstermin vor Ort an. Bei einer Teilnehmerin eskalierte diese fiktive Situation jedoch beinahe, als sich ein Teilnehmer in die Rolle von Frau Lurker begab und weder mediativ noch kompromissbereit auf die Reaktion der Dozentin reagieren wollte…

Der Übergang zur 3. Stufe „Informationsaustausch“ war in dieser Woche fast nicht spürbar, schwang aber in einigen Aufgaben wie dem „Verweben von Beiträgen“ (2.5) und dem „Zusammenfassen von Beiträgen“ (2.4)bereits unterschwellig mit. Beide geübten Techniken eignen sich besonders, um längere Diskussionsstränge wieder übersichtlich und damit auch wieder für eine erneute Diskussionsbelebung attraktiv werden zu lassen.

Woche 3 beinhaltete die 4. Stufe, die „Wissenskonstruktion“. Vorab wurden die Teilnehmer durch die Moderatorin bereits in zwei Gruppen aufgeteilt und sollten innerhalb dieser ein Konzept für einen erfahrenen f2f Dozenten entwerfen, der das erste Mal einen Online-Kurs gibt (3.2). Die erste Aufgabe war, Ideen zusammen zu tragen, diese in der nächsten E-tivity zu diskutieren (3.3) und in der abschließenden E-tivity in ein Wiki zu überführen (3.4). Auffallend war, dass Frau Pauschenwein uns hat laufen lassen, während sie bei den anderen e-tivities immer wieder durch anregende Kommentare und Nachhaken Präsenz zeigte. Nach ihren  Angaben war zu keinem Zeitpunkt eine Reaktion ihrerseits notwendig, da unsere Gruppe zu diesem Zeitpunkt bereits in der Lage war, alle Aufgaben und Probleme gut selbst zu lösen, wie z.B.:

  • Die Diskussion zu eröffnen und einen eModerator finden
  • Gruppenmitglieder, die sich kaum zu Wort meldeten, zur Diskussion einzuladen
  • Sich auf eine Plattform für die gemeinsame Erstellung des Dokumentes zu einigen
  • Unterschiedliche Onlinezeiten der Teilnehmer zu respektieren
  • Teilnehmer für die Erstellung des Wiki-Beitrages finden.

Immer fand sich jemand, der andere aktivierte, auf Fragen einging oder sich für die anstehenden Aufgaben meldete. In der Wochenreflexion hatten daher alle Teilnehmer unserer Gruppe den Eindruck, dass die Arbeit gerecht verteilt und die Aufgabe gelungen war.

Die Woche schloss mit dem Verfassen einer eigenen E-tivity (3.5) nach dem bereits bekannten Muster und einer erneuten Reflexion, wie die Erfahrungen der Woche sich zukünftig auf die eigenen eModeration positiv auswirken werden.

Die letzte Woche hatte es nochmal in sich. In der 5. Stufe, „Entwicklung“, wurden zuerst die Kompetenzen der Teilnehmer im Hinblick auf das Online-Lernen ermittelt (4.1), um dann in einer weiteren E-tivity zu überlegen, wie wir unsere Teilnehmer im Rahmen einer eigenen e-tivity beim Erwerb dieser  notwendigen Kompetenzen unterstützen können. Auch die Gruppenentwicklung wurde ein weiteren Mal fokussiert:  Was hat Diskussionen vorangetrieben? Was hätte besser ablaufen können? Auch die Reflexion der eigenen Beiträge war, ebenso wie die Erarbeitung eines eigenen Entwicklungsplanes, Gegenstand dieser letzten Woche. Der E-tivity-Kurs schloss mit den Farewells der Teilnehmer und der Verabschiedung durch Jutta Pauschenwein.

Fazit

Die Mails… davon waren am Anfang alle erst einmal erschlagen. Nachdem sich hier aber der erste Schreck gelegt und jeder seine Methode damit umzugehen gefunden hatte, überwiegten Neugier und Freude über die Aktivität im Forum. Hat jemand auf meine Postings geantwortet? Wie läuft die von mir initiierte Diskussion? Schnell kristallisierten sich zehn Teilnehmer heraus, die regelmäßig „on“ waren und sich rege an den Diskussionen beteiligten. Teilnehmer, die kaum aktiv waren, verzeichneten deutlich weniger Reaktionen.

Sehr positiv ist auf jeden Fall die Rolle unserer eModeratorin, Jutta Pauschenwein, zu bewerten. Von ihr kamen immer im richtigen Moment Anregungen um Diskussionen zu beleben und konstruktive Tipps zu den präsentierten Aufgaben. Ihre Präsenz und ihr Feedback in den ersten Tagen waren sehr wichtig – grade vor dem Hintergrund der Gruppenbildung und der Sozialisation. Im Übergang zur zweiten Woche gingen wir mehr und mehr dazu über einander Feedback zu geben. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt schon recht gut und wussten daher auch, wie das Feedback zu verstehen war. In der dritten Woche wiederum waren wir dann soweit, dass wir unsere Gruppenaufgaben selbständig bewerkstelligen konnten, was auf die stufenweise Einführung zurückzuführen war. Die Reaktionen unserer eModeratorin beschränkten sich daher auf ein Minimum.

Was bisweilen etwas verwirrend war, war der Rollenwechsel. So waren wir in der ersten Woche Teilnehmer eines Online-Kurses, in der zweiten Woche veränderte sich unser Status jedoch hin zu eModeratoren. In der dritten Woche wechselte der Status kontinuierlich – grade bei der Gruppenarbeit war dies deutlich zu beobachten.

Insgesamt war das Selbst-Erleben des Online-Kurses aber in mehr als nur einer Hinsicht hilfreich: Wie erlebe ich Gruppenarbeit? Wie gehe ich mit dem Druck um, die Aufgaben immer rechtzeitig zu schaffen? Warum kommt keine Antwort von der eModeratorin? Warum schlafen manche Diskussionen wieder ein? Der Kurs sorgt durch den steten Perspektivwechsel sehr dafür, dass am Ende mehr Verständnis für die eigenen Studenten bzw. Teilnehmer im Hinblick auf die (Nicht-)Moodle-Nutzung vorhanden ist.

Eines ist mit Sicherheit klar: Verwaiste Moodle-Kurse, die nicht mehr als ein Online-Speicher für hochgeladene Dokumente sind, gehören nach der Teilnahme an diesem Kurs endlich der Vergangenheit an!

Sabine Wolf