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M 24 – Digitale Langzeitarchivierung (Fernweiterbildung Archiv)

Ulf Preuß (M.A.) ist Leiter der Koordinierungsstelle Brandenburg Digital (KBD) und lehrt seit 2013 das Modul „M 24 – Digitale Langzeitarchivierung“ in der gradualen Fernweiterbildung Archiv.

Worum geht es bei dem Modul?

Im Modul digitale Langzeitarchivierung geht es um die Einführung in die grundlegenden Aspekte der langfristigen Bewahrung von digitalen Objekten (Daten, Dateien und Programme) zum Zwecke der späteren Nutzung. Für die sinnvolle Nutzung müssen die signifikanten Eigenschaften der digitalen Objekte erhalten bleiben, unter Wahrung der Authentizität und Integrität. Mit Blick auf die dynamischen Entwicklungen unserer IT-gestützten Arbeits- und Lebenswelt erfordert diese Aufgabe eine konzeptionell fundierte Planung verbunden mit einem stetigen Handlungsdruck. Die Grundlage für das Modul bildet das nestor-Handbuch „Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung“.

Warum ist digitale Langzeitarchivierung für die Archivpraxis so wichtig?

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Filmrolle, 16 mm: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A16mm_filmhjul.jpg

Mit dem Einzug der elektronischen Datenverarbeitung und insbesondere mit dem Umstieg auf die elektronische Akte wandelt sich der Medien-Schwerpunkt in der Verwaltung. Mussten früher materielle Akten übernommen werden, so stehen nun elektronische/immaterielle Übernahmen an. Es geht dabei allerdings nicht nur um die digitale Bewahrung und Erhaltung von Schriftgut in elektronischer Form (PDF/A) sondern auch um die Fachverfahren (Datenbanken). Zusätzlich zu dieser stetig wachsenden Aufgabe sind die digitalen Objekte aus Digitalisierungsprojekten zu betrachten. Hierbei kommt den digitalen Objekten von originär materiellen Audio- und Videobeständen eine besondere Bedeutung zu, da die Originale nicht auf lange Sich erhalten werden können und die Nutzung im Originalzustand zunehmend schwieriger wird.

Was bringen ausgebildete FaMI bereits mit? Auf welche (Ausbildungs-)kenntnisse und –fähigkeiten kann hier aufgebaut werden?

Ulf Preuß (M.A.), Koordinierungsstelle Brandenburg Digital

Ulf Preuß (M.A.), Koordinierungsstelle Brandenburg Digital

Allein die Kenntnis der unendlichen Vielfalt an Objekten in den Archivbeständen und den Anforderungen der klassischen Bestandserhaltung ist eine gute Grundlage um ein erstes Verständnis für die Relevanz der digitalen Langzeitarchivierung zu bekommen. Da das Modul am Ende der Fernweiterbildung angesiedelt ist, kommen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Kenntnisse aus den vorausgegangenen Modulen zu Gute, z.B. Bestandserhaltung, Records Management / eGovernment und digitale Archive.

Welche Prüfungsleistung(en) gibt es?

Im Rahmen einer kleinen Hausarbeit werden konzeptionelle Überlegungen aus dem Modul wiedergegeben.

Wie können sich Interessierte darauf vorbereiten?

Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung, hrsg. von: Heike Neuroth, Achim Oßwald, Regine Scheffel, Stefan Strathmann, Karsten Huth Version 2.3, 2010

Vielen Dank!

Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ von Dr. Benjamin Bussmann. Der Verfasser wird die Arbeit in Kürze auf dem Publikationsserver der FHP zur Verfügung stellen.

[Zur Person]

Dr. Benjamin Bussmann, geboren 1972. Nach einer praktischen Ausbildung zum Fotografen habe ich von 1997 bis 2003 mittelalterliche und neuere Geschichte sowie Philosophie studiert. 2005 folgte die Promotion in mittelalterlicher Geschichte. Von 2008 bis 2011 arbeitete ich im Dombauarchiv Köln. Seit 2011 bin ich im Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) tätig. Das Masterstudium war Teil meiner Ausbildung zum Archivar im HAStK. Im Rahmen der Fernweiterbildung untermauerte ich mein bis dahin praktisch erworbenes Wissen im Bereich der Archivwissenschaft mit einem theoretischem Fundament.

Kontakt: mail@benbussmann.de

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]20141214_Foto

Das Thema „Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften“ habe ich gewählt, da ich im Zuge meiner archivischen Tätigkeit zunehmend mit Fragestellungen zur digitalen Archivierung konfrontiert werde. Dabei fiel mir auf, dass die im Bereich der Migrationsstrategie wichtigen signifikanten Eigenschaften sehr heterogen definiert werden. Daher zielte ich mit meiner Masterarbeit darauf, einen Ansatz zu finden und zu begründen, wie die wesentlichen Eigenschaften eindeutiger bestimmbar sind.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Archivwelt steht angesichts der rapide zunehmenden Menge an digitalen Informationen vor der Herausforderung, dass digitales Archivgut (z.B. elektronische Akten oder Datenbanken) im Gegensatz zu analogen Objekten (wie etwa Pergamenturkunden oder Papierakten) einem steten technologischen Wandel unterliegt. Diese Veränderungen, die sich auf die Hardware, die Software und/oder die Dateiformate auswirken, können einerseits die Haltbarkeit und andererseits die Authentizität und Integrität der Informationen erheblich beeinträchtigen. Den technologischen Wandel muss ein Archivar fortwährend im Blick behalten und darauf reagieren, damit die digitalen Informationen dauerhaft und vertrauenswürdig erhalten bleiben. Die zeitlich unbegrenzte Bewahrung digitaler Objekte erfordert also eine aktive Archivierung – im Gegensatz zu analogen Archivalien, die, nach ggf. konservatorischen Maßnahmen, weitgehend statisch archiviert werden können. Spätestens seit den 1990er Jahren sind in Projekten und Publikationen zahlreiche Lösungsansätze für die Archivierung von digitalen Objekten erarbeitet worden. Die Masterarbeit nimmt mit der Definition von signifikanten Eigenschaften einen wesentlichen Aspekt dieser Lösungsstrategien in den Fokus.

Die Untersuchung verfolgt methodisch einen deduktiven Ansatz, um so dem Leser allgemein das mitunter fremde und komplexe Thema der digitalen Bestandserhaltung und der signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Lösungsansatz nachvollziehbar zu vermitteln. Um die Nachvollziehbarkeit weiter zu fördern, werden in einem Glossar die wesentlichen Termini aus dem Bereich der digitalen Archivierung definiert. So wird ein einheitliches Vokabular für die für einen Laien mitunter fremden und in der Fachwelt heterogen besetzten Termini vermittelt und in der Arbeit verwendet. Kurz: Das Ziel ist es, dem Leser die aktuell zunehmend drängenden Schwierigkeiten der digitalen Archivierung umfassend, das heißt terminologisch wie thematisch sowie im Allgemeinen und im Konkreten nahezubringen. Damit sollen einerseits ein Problembewusstsein gegenüber digitalem Archivgut geschärft und andererseits Lösungen angeboten werden.

Inhaltlich wird im ersten Hauptkapitel die digitale Archivierung allgemein vorgestellt. Dabei werden die Unterschiede zwischen analogen und digitalen Objekten, die Probleme bei der digitalen Bestandserhaltung sowie die verschiedenen Erhaltungsmaßnahmen (Analogisierung, Gerätemuseum, Emulation, Migration) beschrieben. Der zweite Hauptabschnitt widmet sich den signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Teilaspekt der Migrationsstrategie. Hier wird die Entwicklung des Modells der signifikanten Eigenschaften in verschiedenen Projekten und Publikationen vorgestellt und dann ein entsprechendes allgemeines Modell definiert sowie der Frage nachgegangen, wann die wesentlichen Merkmale eines digitalen Objekts festgelegt werden müssen. Anschließend wird untersucht, inwieweit sich Parallelen zwischen dem Projekt zum intrinsischen Wert und den signifikanten Eigenschaften ergeben. Schließlich werden zwei unterschiedliche Modelle hinsichtlich eines konkreten Anhaltspunkt für die Definition von signifikanten Eigenschaften präsentiert: der „designated community“- sowie der Provenienzansatz. Danach folgt die Begründung, weshalb die Festlegung von wesentlichen Merkmalen auch einer Bewertungstätigkeit gleichkommt. Abschließend wird untersucht, inwieweit sich die unterschiedlichen Modelle für den Anhaltspunkt in die große Bewertungsdiskussion (Schellenberg vs. Booms) einbetten lassen und welche Rückschlüsse sich aus möglichen Parallelen ergeben.

In einem abschließenden Resumée werden die zentralen, im Verlauf der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen. Diese sind u.a., dass durch die Migration nicht sämtliche Merkmale eines digitalen Objekts unverändert und/oder vollständig erhalten werden können, dass deshalb zum Erhalt der Authentizität und Integrität auf Ebene der Performance die signifikanten Eigenschaften eines digitalen Objekts definiert werden müssen. Oder, dass hinsichtlich der signifikanten Eigenschaften das „ob“ bzgl. ihrer Existenz und das „warum“ hinsichtlich ihres Zwecks weitgehend außer Frage stehen und dass einzig die Frage nach dem „wie“ bzgl. der konkreten Ausgestaltung und Definition von signifikanten Eigenschaften noch nicht im Konsens beantwortet ist. Eine weitere Feststellung ist, dass das Problem der konkreten Definition eng mit dem relativen und daher subjektiven Charakter von Signifikanz zusammenhängt. Schließlich wird auch mittels der Abwägung der Vor- und Nachteile der beiden präsentierten Ansätze „designated community“ vs. Provenienz sowie mittels deren Einbettung in die große Bewertungsdiskussion versucht, die Definition von signifikanten Eigenschaften weiter zu konkretisieren.