Schlagwort-Archive: digitale Archivierung

Möglichkeiten digitaler Archivierung in kleinen Institutionen

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014/ Wintersemester 2014/15″ von Eleonore Emsbach

[Zur Person]

Eleonore Emsbach. Nach einer Ausbildung und Berufstätigkeit als Handwerksbuchbinderin folgte ein Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft und Englischer Sprach- und Literaturwissenschaft. Während des Studiums von 1997 bis 2004 im Archiv und Ausstellungsbereich des Deutschen Filmmuseums tätig. Seit 2007 Archivangestellte in der Abteilung Sammlungen und Nachlässe sowie Projektmitarbeiterin in Onlineportal-, Digitalisierungs- und Normdatenprojekten im Deutschen Filminstitut – DIF e.V., Frankfurt am Main.

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]

In meinem Studium habe ich den Schwerpunkt auf die informationstechnologischen Module gelegt. Daher stand für mich fest, auch ein Masterarbeitsthema aus diesem Bereich zu wählen. Im Laufe des Studiums kristallisierte es sich heraus, dass die in meinem beruflichen Alltag momentan größte Herausforderung in der Frage besteht, wie unser Archiv digitales Schriftgut und Bildmaterial, welches bereits vereinzelt angeboten wird, mit den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln übernehmen und für die Zukunft erhalten kann. Entsprechend lag es nahe, im Rahmen meiner Abschlussarbeit einen Lösungsweg für dieses aktuell dringliche Problem zu erarbeiten.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Masterarbeit befasst sich mit den Möglichkeiten, die kleinen Archiven bei der Einrichtung eines digitalen Langzeitarchivs zur Verfügung stehen. Problemstellung und Erkenntnisziel bestehen darin, auf der Grundlage der zumeist theoretisch ausgerichteten Fachliteratur ein Konzept zu skizzieren, das auch für nur mit begrenzten Mitteln ausgestattete Archive in der Praxis umsetzbar ist.

Im ersten Teil der Arbeit werden die wichtigsten Grundlagen digitaler Langzeitarchivierung dargelegt. Dies umfasst die Präsentation der relevanten theoretischen Konzepte und Standards, die den meisten aktuellen Aktivitäten und Initiativen zur digitalen Archivierung zugrunde liegen. Hierzu zählen Konzepte zum Aufbau eines digitalen Archivs (OAIS-Referenzmodell), zum Informationsbegriff und zur Definition von Eigenschaften digitaler Objekte (Performance-Modell, Signifikante Eigenschaften). In diesem Kontext wird auch die mögliche Berücksichtigung von Nutzungsinteressen bei der Festlegung der erhaltenswerten Eigenschaften diskutiert (Konzept der Designated Community). Weiterhin werden verschiedene Standards zur Beschreibung digitaler Objekte dargestellt (PREMIS, ISAD(G)). Im Anschluss folgt eine Übersicht über die praktischen Methoden der Erhaltung: Vor- und Nachteile der wichtigsten Erhaltungsstrategien wie Migration, Emulation, Erhalt der ursprünglichen Hard- und Softwareumgebung, gängige Speicherformate und Formatcharakterisierung, Speichermedien und Speicherung durch Dienstleister. Schließlich werden rechtliche Aspekte und Fragen der Vertrauenswürdigkeit digitaler Archive besprochen.

Im Anwendungsteil werden darauf aufbauend die Möglichkeiten digitaler Langzeitarchivierung in kleinen Archiven exemplarisch anhand eines Beispiels aus der Praxis untersucht. Bei der Konzeptentwicklung wird zum einen auf die DIN 31644 – Kriterien für vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive Bezug genommen. Zum anderen orientiert sich der Entwurf an einem von Adrian Brown vorgeschlagenen Modell zur Bestimmung des Reifegrads digitaler Archive (Maturity Model), das mit dem Ziel entwickelt wurde, Organisationen eine Hilfestellung bei der Einschätzung ihrer spezifischen Möglichkeiten zu geben.

Es wird im Einzelnen auf folgende Aspekte eingegangen: Die Bewertung und Aussonderung auf der Basis inhaltlich-fachlicher und formaler Kriterien, die Definition von Zielgruppen und Nutzungszielen, die Bestimmung der zu erhaltenden Objekttypen und ihrer signifikanten Eigenschaften sowie die daraus resultierenden geeigneten Speicherformate, die Übernahme digitaler Objekte in das Archiv, die Bildung von Archivinformationspaketen, die Beschreibung digitaler Objekte sowie deren physische und logische Erhaltung. Weiterhin werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und ihre Konsequenzen für die digitale Archivierung besprochen sowie die Formulierung einer Preservation Policy behandelt. Fragen des Zugangs und der Nutzung werden dagegen aus Platzgründen ausgeklammert.

Die Masterarbeit zeigt auf, weshalb es insbesondere für kleinere Archive notwendig ist, bei der digitalen Archivierung in noch stärkerem Maße Prioritäten zu setzen als bei der analogen. Für Einrichtungen mit stark begrenzten finanziellen und personellen Mitteln empfiehlt sich daher die Implementierung eines Minimalkonzepts. Der vorgelegte Entwurf gründet sich auf der Erhaltung des Bitstreams, einer den Minimalanforderungen entsprechenden Erfassung der Metadaten und Dokumentation der Bestandserhaltungsaktivitäten sowie einer ad hoc Planung und Umsetzung von Erhaltungsmaßnahmen. Er beruht weiterhin auf der Verwendung freier (nicht proprietärer) und leicht zugänglicher Softwaretools sowie dem weitgehenden Rückgriff auf die bereits vorhandene technische Infrastruktur. Ferner soll durch eine Beschränkung hinsichtlich der Archivformate die Komplexität der Erhaltungsmaßnahmen reduziert werden.

Die skizzierte Lösung ermöglicht es, mit geringen Mitteln eine Basisinfrastruktur für die digitale Archivierung einzurichten, die die Option einer künftigen schrittweisen Weiterentwickelung in sich trägt. Die relativ niedrigen Einstiegshürden unterstützen dabei einen kurzfristigen Beginn von Archivierungsmaßnahmen. Da das Modell zudem einige gängige Standards berücksichtigt, auf denen viele Softwarelösungen zur digitalen Archivierung aufbauen, wird bei einem möglichen künftigen Ausbau des digitalen Archivs die Gefahr der Inkompatibilität minimiert.

Die Masterarbeit wurde von Dr. Christian Keitel und Prof. Dr. Karin Schwarz betreut. Da sie einige vertrauliche Angaben enthält, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, muss auf eine vollständige Publikation leider verzichtet werden.

[Zum Studiengang]

Meine Motivation zur Teilnahme am Masterstudiengang Archivwissenschaft in Potsdam von Oktober 2011 bis März 2015 gründete sich darauf, dass ich bislang im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit vor allem mit der Archivierung von Schriftgut zu tun hatte. Da die Methoden des klassischen Sammlungsmanagements hierfür aber nur bedingt geeignet sind, entschied ich mich für eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Archivarin, um meine zukünftige Arbeit auf ein solides fachliches Fundament zu stellen.

M 24 – Digitale Langzeitarchivierung (Fernweiterbildung Archiv)

Ulf Preuß (M.A.) ist Leiter der Koordinierungsstelle Brandenburg Digital (KBD) und lehrt seit 2013 das Modul „M 24 – Digitale Langzeitarchivierung“ in der gradualen Fernweiterbildung Archiv.

Worum geht es bei dem Modul?

Im Modul digitale Langzeitarchivierung geht es um die Einführung in die grundlegenden Aspekte der langfristigen Bewahrung von digitalen Objekten (Daten, Dateien und Programme) zum Zwecke der späteren Nutzung. Für die sinnvolle Nutzung müssen die signifikanten Eigenschaften der digitalen Objekte erhalten bleiben, unter Wahrung der Authentizität und Integrität. Mit Blick auf die dynamischen Entwicklungen unserer IT-gestützten Arbeits- und Lebenswelt erfordert diese Aufgabe eine konzeptionell fundierte Planung verbunden mit einem stetigen Handlungsdruck. Die Grundlage für das Modul bildet das nestor-Handbuch „Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung“.

Warum ist digitale Langzeitarchivierung für die Archivpraxis so wichtig?

800px-16mm_filmhjul

Filmrolle, 16 mm: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A16mm_filmhjul.jpg

Mit dem Einzug der elektronischen Datenverarbeitung und insbesondere mit dem Umstieg auf die elektronische Akte wandelt sich der Medien-Schwerpunkt in der Verwaltung. Mussten früher materielle Akten übernommen werden, so stehen nun elektronische/immaterielle Übernahmen an. Es geht dabei allerdings nicht nur um die digitale Bewahrung und Erhaltung von Schriftgut in elektronischer Form (PDF/A) sondern auch um die Fachverfahren (Datenbanken). Zusätzlich zu dieser stetig wachsenden Aufgabe sind die digitalen Objekte aus Digitalisierungsprojekten zu betrachten. Hierbei kommt den digitalen Objekten von originär materiellen Audio- und Videobeständen eine besondere Bedeutung zu, da die Originale nicht auf lange Sich erhalten werden können und die Nutzung im Originalzustand zunehmend schwieriger wird.

Was bringen ausgebildete FaMI bereits mit? Auf welche (Ausbildungs-)kenntnisse und –fähigkeiten kann hier aufgebaut werden?

Ulf Preuß (M.A.), Koordinierungsstelle Brandenburg Digital

Ulf Preuß (M.A.), Koordinierungsstelle Brandenburg Digital

Allein die Kenntnis der unendlichen Vielfalt an Objekten in den Archivbeständen und den Anforderungen der klassischen Bestandserhaltung ist eine gute Grundlage um ein erstes Verständnis für die Relevanz der digitalen Langzeitarchivierung zu bekommen. Da das Modul am Ende der Fernweiterbildung angesiedelt ist, kommen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Kenntnisse aus den vorausgegangenen Modulen zu Gute, z.B. Bestandserhaltung, Records Management / eGovernment und digitale Archive.

Welche Prüfungsleistung(en) gibt es?

Im Rahmen einer kleinen Hausarbeit werden konzeptionelle Überlegungen aus dem Modul wiedergegeben.

Wie können sich Interessierte darauf vorbereiten?

Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung, hrsg. von: Heike Neuroth, Achim Oßwald, Regine Scheffel, Stefan Strathmann, Karsten Huth Version 2.3, 2010

Vielen Dank!

Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ von Dr. Benjamin Bussmann. Der Verfasser wird die Arbeit in Kürze auf dem Publikationsserver der FHP zur Verfügung stellen.

[Zur Person]

Dr. Benjamin Bussmann, geboren 1972. Nach einer praktischen Ausbildung zum Fotografen habe ich von 1997 bis 2003 mittelalterliche und neuere Geschichte sowie Philosophie studiert. 2005 folgte die Promotion in mittelalterlicher Geschichte. Von 2008 bis 2011 arbeitete ich im Dombauarchiv Köln. Seit 2011 bin ich im Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) tätig. Das Masterstudium war Teil meiner Ausbildung zum Archivar im HAStK. Im Rahmen der Fernweiterbildung untermauerte ich mein bis dahin praktisch erworbenes Wissen im Bereich der Archivwissenschaft mit einem theoretischem Fundament.

Kontakt: mail@benbussmann.de

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]20141214_Foto

Das Thema „Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften“ habe ich gewählt, da ich im Zuge meiner archivischen Tätigkeit zunehmend mit Fragestellungen zur digitalen Archivierung konfrontiert werde. Dabei fiel mir auf, dass die im Bereich der Migrationsstrategie wichtigen signifikanten Eigenschaften sehr heterogen definiert werden. Daher zielte ich mit meiner Masterarbeit darauf, einen Ansatz zu finden und zu begründen, wie die wesentlichen Eigenschaften eindeutiger bestimmbar sind.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Archivwelt steht angesichts der rapide zunehmenden Menge an digitalen Informationen vor der Herausforderung, dass digitales Archivgut (z.B. elektronische Akten oder Datenbanken) im Gegensatz zu analogen Objekten (wie etwa Pergamenturkunden oder Papierakten) einem steten technologischen Wandel unterliegt. Diese Veränderungen, die sich auf die Hardware, die Software und/oder die Dateiformate auswirken, können einerseits die Haltbarkeit und andererseits die Authentizität und Integrität der Informationen erheblich beeinträchtigen. Den technologischen Wandel muss ein Archivar fortwährend im Blick behalten und darauf reagieren, damit die digitalen Informationen dauerhaft und vertrauenswürdig erhalten bleiben. Die zeitlich unbegrenzte Bewahrung digitaler Objekte erfordert also eine aktive Archivierung – im Gegensatz zu analogen Archivalien, die, nach ggf. konservatorischen Maßnahmen, weitgehend statisch archiviert werden können. Spätestens seit den 1990er Jahren sind in Projekten und Publikationen zahlreiche Lösungsansätze für die Archivierung von digitalen Objekten erarbeitet worden. Die Masterarbeit nimmt mit der Definition von signifikanten Eigenschaften einen wesentlichen Aspekt dieser Lösungsstrategien in den Fokus.

Die Untersuchung verfolgt methodisch einen deduktiven Ansatz, um so dem Leser allgemein das mitunter fremde und komplexe Thema der digitalen Bestandserhaltung und der signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Lösungsansatz nachvollziehbar zu vermitteln. Um die Nachvollziehbarkeit weiter zu fördern, werden in einem Glossar die wesentlichen Termini aus dem Bereich der digitalen Archivierung definiert. So wird ein einheitliches Vokabular für die für einen Laien mitunter fremden und in der Fachwelt heterogen besetzten Termini vermittelt und in der Arbeit verwendet. Kurz: Das Ziel ist es, dem Leser die aktuell zunehmend drängenden Schwierigkeiten der digitalen Archivierung umfassend, das heißt terminologisch wie thematisch sowie im Allgemeinen und im Konkreten nahezubringen. Damit sollen einerseits ein Problembewusstsein gegenüber digitalem Archivgut geschärft und andererseits Lösungen angeboten werden.

Inhaltlich wird im ersten Hauptkapitel die digitale Archivierung allgemein vorgestellt. Dabei werden die Unterschiede zwischen analogen und digitalen Objekten, die Probleme bei der digitalen Bestandserhaltung sowie die verschiedenen Erhaltungsmaßnahmen (Analogisierung, Gerätemuseum, Emulation, Migration) beschrieben. Der zweite Hauptabschnitt widmet sich den signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Teilaspekt der Migrationsstrategie. Hier wird die Entwicklung des Modells der signifikanten Eigenschaften in verschiedenen Projekten und Publikationen vorgestellt und dann ein entsprechendes allgemeines Modell definiert sowie der Frage nachgegangen, wann die wesentlichen Merkmale eines digitalen Objekts festgelegt werden müssen. Anschließend wird untersucht, inwieweit sich Parallelen zwischen dem Projekt zum intrinsischen Wert und den signifikanten Eigenschaften ergeben. Schließlich werden zwei unterschiedliche Modelle hinsichtlich eines konkreten Anhaltspunkt für die Definition von signifikanten Eigenschaften präsentiert: der „designated community“- sowie der Provenienzansatz. Danach folgt die Begründung, weshalb die Festlegung von wesentlichen Merkmalen auch einer Bewertungstätigkeit gleichkommt. Abschließend wird untersucht, inwieweit sich die unterschiedlichen Modelle für den Anhaltspunkt in die große Bewertungsdiskussion (Schellenberg vs. Booms) einbetten lassen und welche Rückschlüsse sich aus möglichen Parallelen ergeben.

In einem abschließenden Resumée werden die zentralen, im Verlauf der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen. Diese sind u.a., dass durch die Migration nicht sämtliche Merkmale eines digitalen Objekts unverändert und/oder vollständig erhalten werden können, dass deshalb zum Erhalt der Authentizität und Integrität auf Ebene der Performance die signifikanten Eigenschaften eines digitalen Objekts definiert werden müssen. Oder, dass hinsichtlich der signifikanten Eigenschaften das „ob“ bzgl. ihrer Existenz und das „warum“ hinsichtlich ihres Zwecks weitgehend außer Frage stehen und dass einzig die Frage nach dem „wie“ bzgl. der konkreten Ausgestaltung und Definition von signifikanten Eigenschaften noch nicht im Konsens beantwortet ist. Eine weitere Feststellung ist, dass das Problem der konkreten Definition eng mit dem relativen und daher subjektiven Charakter von Signifikanz zusammenhängt. Schließlich wird auch mittels der Abwägung der Vor- und Nachteile der beiden präsentierten Ansätze „designated community“ vs. Provenienz sowie mittels deren Einbettung in die große Bewertungsdiskussion versucht, die Definition von signifikanten Eigenschaften weiter zu konkretisieren.