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Schrecklich informativ und fürchterlich kommunikativ

Von Mathias Bornschein, FaMI beim Umweltbundesamt, Fachbibliothek Umwelt und Teilnehmer des 6. grad. Kurses der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement.

image1 (2)Wenn am Vortag außer dem Veranstaltungsmotto „Die digitale Gesellschaft“ der weitere Programmplan keine Einträge enthält und die Teilnehmerliste aus so bunten Namen wie @lesewolke, @fabibumwelt, @bibliothekarin oder @lambo besteht, dann ist klar, es ist BibCamp-Zeit. Warum? Weil alles nach BibCamp schreit.

„Back to the roots…“ kehrte die „Bibliothekarische Unkonferenz“ dieses Jahr zurück zu den Wurzeln. Und damit zurück an den Ort, wo 2008 alles als Gegenveranstaltung zum ehrwürdigen Bibliothekarstag begann.

Für den Neuling liest sich das dann nüchtern: 26.09. ‐ 27.09.2014 ‐ BibCamp – FH Potsdam.

Dabei handelt es sich bei einem BibCamp um alles andere, als eine typische Bibliothekskonferenz von Bibliotheksmenschen für Bibliotheksmenschen. In all den Jahren haben es die unterschiedlichen Veranstalter tatsächlich geschafft, den typischen Charakter der Ursprungsveranstaltung zu erhalten. Und so kennt auch das BibCamp 2014 weiterhin keine Besucher, sondern nur aktive TeilnehmerInnen. Als Neuling bei einem BibCamp steht man dann pünktlich 13:00 bepackt mit Isomatte, Schlafsack und Campingausrüstung in der FH Potsdam und schaut dann doch erst einmal etwas irritiert auf den leeren  Veranstaltungsplan und fragt sich:

„Wo sind denn jetzt die anderen Zelte?“ und „Was passiert hier jetzt eigentlich?“

Ganz BibCamp-­‐typisch findet die Themensammlung nämlich gemeinsam zu Beginn der Veranstaltung im Plenum statt. Die Themenvorschläge kommen dabei innerhalb eines riesigen Brainstormings von den Teilnehmern selber. Die Vorschläge könnten dabei weiter entfernt von verstaubten Büchern, alten Zeitschriften und Duttfrisuren von morgen nicht sein. Vielmehr füllt sich die provisorische Themenwand im „Hörsaal ohne Tafel“ der FH Potsdam mit Schlagworten wie: Augmented Reality, Öffentlichkeitsarbeit 2.0, Design Thinking, Bibliotheksethik, Informationskompetenz, Booksprint, Mitarbeitermotivation für Neues, Bibliothek der Zukunft, Embedded Librarian und Literaturverwaltung…

Ganz im Gegensatz zu typischen Konferenzen wundert sich dann auch so mancher Teilnehmer über sich selbst. Denn schnell ist der Mut gefasst sich aktiv ins Geschehen einzubringen und nicht in der Masse zu verschwinden. Im Anschluss an diese Themenfindungsrunde stimmen die Teilnehmer dann über die Programmpunkte der Konferenz ab und füllen nach und nach den
Programmplan der nächsten beiden Tage. Die BibCamp-­Veteranen nennen das Ergebnis am Ende „Sessiongrid“, meinen aber wohl das Selbe. Die gewählten Themen werden anschließend getreu dem Motto: „Mut zu kurzen Sessions“ innerhalb von 45 Minuten behandelt. Und spätestens hier stehen die Konferenzteilnehmer dann doch vor einem typischen Problem bei parallelen Sessions auf Konferenzen: „Wo gehe ich denn jetzt hin?“

„Neue Ansätze in der Infokompetenz“ vs. „Forschungsdatenmanagement“
„Motivation von Mitarbeitern für Digitales“ vs. „Bibliotheksethik“
„Bibliothek der Zukunft“ vs. „Literaturverwaltung“
oder „Augmented Reality“ vs. „Design Thinking für Bibliotheken“.

Schon der kurze Blick verrät, dass eigentlich alles interessant und schrecklich informativ ist. Zum Glück zeigt sich schnell, dass diese verstaubten Bibliotheksmenschen mittlerweile fürchterlich kommunikativ sind und die weiteren Sessions unter dem Hashtag #bib7 im Social Web und an der Twitwall mitverfolgt undnachvollzogen werden können.
Man kann also beruhigt selber mit Kolleginnen und Kollegen, Wissenschaftlern, Studenten und anderen interessierten Teilnehmern in der eigenen Session ins Gespräch kommen und das Thema kontrovers diskutieren. Nicht selten gelangt man im Laufe der Session dabei zu Themen, an die zu Beginn der Diskussionsrunde keiner dachte. Doch auch dies macht das BibCamp aus.

Von der „Bibliothek der Zukunft“ über „Werkzeug in der Bibliothek“ hin zur „Ausbildung der Zukunft“. Diskussionen während der Sessions, der weitere Austausch in den Pausen auf den Gängen und beim abendlichen „Social Event“ beim „Sterni“ für 1€, lassen dabei keine Diskussionsgelegenheit aus und laden auch neue, jüngere Teilnehmer zum Erfahrungsaustausch mit den Veteranen wie @lambo, @bibliothekarin oder @lesewolke ein.

Am Ende der zwei Tage #bib7 kann man nur allen Teilnehmer und natürlich den Organisatorinnen um Professor Dr. Stephan Büttner der FH Potsdam zu der äußerst gelungenen Veranstaltung gratulieren und fragt sich, warum man eigentlich Schlafsack, Isomatte und Campingausrüstung mit hatte und weshalb nicht viel mehr TeilnehmerInnen anwesend waren. Denn das BibCamp ist keineswegs eine reine Veranstaltung für Studenten, sondern vielmehr eine schrecklich informative und äußerst kommunikative Veranstaltung deren Reiz vor allem der Mix der Teilnehmer ausmacht und hoffentlich auch den Charakter des nächsten BibCamps #bib8 in Leipzig 2015 prägt.

BibCamp 2014 – Wo waren die FaMI?

Gut besucht war das diesjährige BibCamp 2014 an der FH Potsdam, welches unter dem Motto „Die digitale Gesellschaft“ stand. Neben den zahlreichen Sessions – u.a. „Apps in Bibliotheken“, „Informationskompetenz“, „Desing Thinking“ u.v.a.m. – thematisierte eine Session auch das Thema „Die Zukunft des BibCamp“.

BiBCampZwar stimmten alle TeilnehmerInnen dieser Session der Aussage, dass das aktuelle BibCamp auch wieder gut besucht sei, zu, auffallend war jedoch, dass kaum FAMI anwesend waren.

Woran lag’s?

Als Grund wurden u.a. die fehlende, zielgerichtete Ansprache der FaMI genannt. Hier hätte ein Post in der Facebook-Gruppe, verbunden mit einem deutlichen Hinweis warum sich das BibCamp auch für FaMI lohnt, wahrscheinlich zu mehr BesucherInnen geführt.  Auch eine Auflistung von Themen, die unter dem Schlagwort „Digitale Gesellschaft“ Gegenstand des BibCamps sind, könnte sich positiv auf die Besucherzahlen auswirken – wenngleich dies dem Geist der Unkonferenz ja eher widerspricht…

Smily

 

Ich kann nur jeder/m FaMI einen Besuch des nächsten BibCamps empfehlen. Das tolle an dieser Form der Zusammenkunft ist ja, dass jede/r eigene Themen unter dem Schlagwort vorschlagen kann und somit steht auch FaMI-nahen Themen nichts im Wege. Und Potsdam ist doch auch immer eine Reise wert, oder? 😉