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Informatik + Bibliothek = ???

Wenn mich die Leute fragen, was ich beruflich mache, so wäre es ein Leichtes zu sagen, ich sei Bibliothekar. Damit wäre alles gesagt. Die Leute hätten ein Bild von meinem beruflichen Alltag und eine Vorstellung von meinen Aufgaben zwischen Bücherregalen und an Informationstheken.  Genauso wäre es, wenn ich sagen würde, ich bin Fachinformatiker. Da sähe man mich wahrscheinlich den ganzen Tag vor einem PC sitzen und irgendwelche kryptischen Codezeilen in ein nicht minder kryptisches Programm hacken oder beim Aufbau von kabelverworr

Markus Caspers (an der VR-Station) – Foto: privat

enen PC- und Netzwerksystemen. Aber so ist es nicht, denn gelernt habe ich tatsächlich beides und mein beruflicher und akademischer Werdegang führte mich als sogenannter „Systembibliothekar“ in die IT-Abteilung der Stadtbibliothek Köln.

Wie kam es dazu?

Bibliotheken waren für mich schon sehr früh wichtige und sehr interessante Orte, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben. Allerdings riet man mir nach dem Schulabschluss davon ab, eine berufliche Karriere in diese Richtung zu starten. Mangelnde Aufstiegschancen, geringer Verdienst und wenige Jobangebote waren die Gegenargumente. Da ich damals allerdings auch Interesse an informatischen Dingen hatte, führte mich dies 2005 in eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, welche ich 2008 abschloss. Allerdings merkte ich schon während der Ausbildung, dass die reine Entwicklung und Programmierung von Software zwar eine interessante und spannende Aufgabe ist, jedoch auf Dauer nicht die absolut passende Option für mich sein würde. Irgendetwas fehlte dann doch noch. Also entschied ich mich dazu, doch noch eine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz: FAMI) in Fachrichtung Bibliothek bei der Stadtbibliothek Köln zu absolvieren, aller Gegenargumente zum Trotz. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte.

Die Bibliothekskirschblüten im Frühling – Foto: © Stadtbibliothek Köln

Nachdem ich meine FAMI-Ausbildung 2011 bei der Stadtbibliothek Köln abgeschlossen hatte, wurde ich unbefristet übernommen und stellte bald fest: Da geht noch mehr! Als FAMI bieten sich tatsächlich nur begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten. Diese Erkenntnis führte mich 2012 allerdings nicht weg von der Bibliothek, sondern in die berufsbegleitende Fernweiterbildung für Bibliotheksmanagement an der FH Potsdam. Hier hatte ich nicht nur die Möglichkeit, mich neben meinem Beruf aus der Ferne weiterzubilden, das Ziel am Ende der Fernweiterbildung war außerdem (und ist es natürlich immer noch), mit allen erworbenen Modulzertifikaten in das letzte Semester des laufenden Regelstudiengangs Bibliotheksmanagement eingestuft zu werden und dort regulär den entsprechenden Bachelorabschluss zu erwerben. Zudem ist die FH Potsdam dafür bekannt, einen hohen informatischen Anteil im bibliothekarischen Studium anzubieten. Somit konnte ich hier auch meine Kenntnisse aus der Ausbildung zum Fachinformatiker einbringen.

Zentralbibliothek – Foto: © Stadtbibliothek Köln

Die Module der Fernweiterbildung vertieften nicht nur mein Verständnis des bibliothekarischen Fachgebiets, insbesondere wurden durch die Inhalte in den informatorisch-technischen Modulen wie EDV, XML, Datenbanken, Medienpraktikum, Informations-, Kommunikations- und Webtechnologien sowie Bibliothekstechnik nachhaltig meine Bibliotheks- und Informatikkenntnisse miteinander verknüpft. In meinem jetzigen Beruf als Systembibliothekar sind zwar die Inhalte der rein bibliothekarischen Fernweiterbildungsmodule wie formale und inhaltliche Erschließung, Bibliothekstypologien, Bestandskonzeption sowie Bibliotheksdienstleistungen oder Informationsquellen nicht mehr in dem Maße prägend, aber dennoch sind natürlich Grundkenntnisse am Arbeitsort Bibliothek nicht hinderlich. Ganz im Gegenteil. Die Fernweiterbildung in Potsdam hat mir zudem die Möglichkeit eröffnet einen höheren Abschluss bei gleichzeitiger Ausübung meines Berufes zu erwerben. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass eine solche berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahme nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Wer sich dafür entscheidet, sollte wissen, dass dies mit großen Belastungen und Einschränkungen verbunden ist, da ein Großteil des Studiums in der Freizeit erledigt wird. Dafür ist die finanzielle Sicherheit einer Anstellung weiterhin gegeben und im Optimalfall winkt nach dem Bachelorabschluss sogar eine Versetzung auf eine höhere Position, wie in meinem Falle.

Während ich noch die Fernweiterbildung absolvierte, wurde 2015 eine FAMI-Stelle in der IT-Abteilung der Stadtbibliothek Köln frei, auf die ich mich aufgrund meiner beruflichen Qualifikation prompt bewarb und genommen wurde. Beide Fachrichtungen beruflich unter einen Hut zu bringen, war ein echter Glücksfall. Nach meiner Ausbildung zum  Fachinformatiker hatte ich lange Zeit gedacht, dass diese umsonst gewesen sei, da sie mir in meiner Bibliothekslaufbahn nichts nützen würde. Falsch gedacht! Es kam sogar so, dass in der IT-Abteilung gerade zum passenden Zeitpunkt nach meinem Bachelorabschluss im Herbst 2016 eine höhere Stelle frei wurde und ich Anfang 2017 auf diese umgesetzt werden konnte. Spiel, Satz und Sieg!

Aber was mache ich als „Systembibliothekar“ denn jetzt genau?

Kontrolle der Rückbucher-IT – Foto: privat

Eigentlich kennt man Systembibliothekare als IT-versierte Bibliotheksmitarbeiter eher aus den wissenschaftlichen Bibliotheken. Aber auch große öffentliche Bibliothekssysteme, wie die Stadtbibliothek Köln betreuen ihre umfangreiche IT-Infrastruktur mit bibliothekarisch-informatischem Fachpersonal. Zudem ist die Bezeichnung „Systembibliothekar“ nicht geschützt. Mein Arbeitsbereich in der IT-Abteilung der Kölner Stadtbibliothek umfasst zunächst die Betreuung und Pflege des Bibliotheksmanagementsystems. Dazu gehören die Fehleranalyse, Fehlerdokumentation und Anwendungsberatung. Zudem leiste ich zusammen mit meinem Team von acht Leuten den IT-Support für die bibliotheksspezifische Hardware, das Computernetzwerk, das RFID-Selbstverbuchungssystem sowie die Telefonanlagen. Eine weitere Säule bildet auch die Mitarbeit in IT-bezogenen Bibliotheksprojekten, in meinem Fall sind dies das Virtual-Reality-Angebot der Stadtbibliothek Köln und die „Onleihe“, der digitale E-Medien-Leihservice der öffentlichen Bibliotheken. Zudem erledige ich den Einkauf und die öffentlichen Vergaben von informationstechnisch relevantem Equipment für die Bibliothek. Dazu zählen standardmäßige Hard- und Software, Netzwerkkomponenten, Spezialinstallationen wie interaktive Präsentationssysteme sowie projektbezogene Beschaffungen wie beispielsweise VR- und Gaming-Zubehör oder auch mal ganz einfache Dinge wie USB-Sticks. Zu einem vollständigen Beschaffungsvorgang gehören dabei die Marktsichtung, Angebotseinholung, -vergleich und -vergabe, Liefer- und Rechnungsprüfung sowie die Inventarisierung.

Trotz der vielen informationstechnischen Aufgabengebiete ist mein bibliothekarisches Know-How dennoch unabdingbar. Um die informationstechnischen Strukturen in einer Bibliothek umsetzen und vermitteln zu können, sind Kenntnisse über bibliothekarische Datenformate, Ordnungssysteme, Abläufe in der Medienverbuchung oder Informationsvermittlung sowie in der Funktionsweise von Bibliotheksmanagementsystemen notwendig, um auch entsprechende Lösungen anbieten zu können. Zudem ist ein vielfach unterschätzter Punkt die Kommunikation zum Bibliothekspersonal und den Bibliotheksnutzern. Aus diesem Grund zählen auch Anwenderschulungen zu meinen Aufgaben.

Und wer sich jetzt generell fragt, was es mit diesen „Systembibliothekaren“ noch so auf sich hat, dem empfehle ich einen Blick in meine Bachelorarbeit „Der Systembibliothekar an deutschen Bibliotheken“ (https://opus4.kobv.de/opus4-fhpotsdam/frontdoor/index/index/docId/1390) auf dem OPUS-Server der FH Potsdam zu werfen. Bevor ich nämlich einer wurde, habe ich erstmal darüber geschrieben. Zufälle gibt’s… 😉

Duisburgs „Hüter des alten Feuers“
– Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

Marinko Betker nahm am 3. Durchgang unseres M.A. Archivwissenschaft teil und ist somit einer unserer jüngsten Absolventen, der von seinem archivarischen Werdegang berichtet. Der Duisburger Stadtarchivar schrieb im Sommersemester 2016 seine Masterarbeit über Personalmanagement für Großstadtarchive und berät engagiert Nachwuchs- ArchivarInnen. Viel Spaß beim Lesen des folgenden Beitrags :-)!


Im Jahr 2000 nahm ich ein Magisterstudium an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf auf. Die Fächerkombination lautete „Neuere und Neueste Geschichte einschließlich Landesgeschichte“ im Hauptfach, mit den Nebenfächern „Mittelalterliche Geschichte“ und „Informationswissenschaft“. Die Magisterprüfung im Hauptfach habe ich bei Prof. Dr. Christoph Nonn, und in der Informationswissenschaft bei Prof. Dr. Wolfgang Stock abgelegt. Im Rahmen der Magisterarbeit „Die Selbstsicht der frühen BRD im Spiegel ihres Bildes von der Weimarer Republik“ analysierte ich kritisch die Historiographie der 1950er Jahre der noch jungen Bundesrepublik. Zugegeben sammelte ich im Rahmen des Magisterstudiums eher wenig Erfahrung im Archivwesen. Ein obligatorischer Besuch des damaligen Landeshauptarchivs an der Mauerstrasse in Düsseldorf verschaffte mir Einblicke in die Bereiche Benutzung, Bestandserhaltung und Erschließung. Ich nahm erstmals den Beruf des Archivars wahr, was mich nachdrücklich prägte, natürlich positiv 🙂 . Beim Stadtarchiv Ratingen, damals bereits geleitet von Frau Dr. Münster-Schröer, ging ich eine Zeitlang für ein studentisches Projekt ein und aus, und lernte Archive allmählich als Forschungs- und Lernorte kennen.

Juli 2015: Marinko Betker im Podium beim „Erlebnis Archiv – Studierende vor Ort im Rheinland“, eine jährlich stattfindende Veranstaltung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), bei der Studierende auf Archivar*Innen treffen und sich umfassend über das archivarische Berufsbild informieren können.

Mein Weg ins Archivwesen
Ich repräsentiere im wahrsten Sinne den archivarischen Quereinsteiger. Frisch graduiert gelang mir im Herbst 2007 der Einstieg in die Ordnungsverwaltung der Stadt Duisburg. Dort verbrachte ich zunächst einige Jahre, in denen ich im Außendienst mit Vollzugs- und Ermittlungstätigkeiten betraut war. Ganz so zufällig wie es sich liest, war diese Berufswahl nicht, so hatte ich während des Studiums schon mehrere Jahre im kommunalen Vollzugsdienst der Stadt Mettmann gearbeitet. Im Jahr 2011 wurde eine Stelle im gehobenen Archivdienst beim Stadtarchiv der Stadt Duisburg frei. In einem internen Verfahren wurde ein „Hüter des alten Feuers“ gesucht, diese Zeile der Ausschreibung werde ich wohl nie vergessen. Natürlich bewarb ich mich um die Stelle, und konnte mich glücklicherweise durchsetzen. Seit Juli 2011 bin ich als Mitarbeiter im Archivdienst der Stadt Duisburg tätig.

Mein Weg zum Archivmaster
Mit der Umsetzung zum Stadtarchiv ging ich gleichzeitig die Verpflichtung ein, mich für das berufsbegleitende Masterstudium an der FH Potsdam zu bewerben. Im Rahmen der Personalentwicklung wurde mir zunächst ein angepasstes Geschäftsfeld übertragen, da mir schlicht die fachliche Qualifikation fehlte. Meine Fächerwahl im Magisterstudium erwies sich als gute Basis, um sich „on the job“ das archivarische Handwerkszeug anzueignen. Als erste Qualifizierungsmaßnahme durchlief ich so ziemlich jeden belegbaren Grundkurs an der Archivschule Marburg, und lernte die archivarischen Standards kennen. So vergingen zwei Jahre, in denen ich vor allem in der Erschließung, dem Benutzerdienst und dem Bearbeiten von Anfragen eingesetzt wurde. Ich hatte Freude an der Arbeit und bei mir bekräftigte sich der Wunsch, den Beruf des Archivars zu erlernen. Mit einer festen Planstelle im Rücken, bewarb ich mich um einen Master-Studienplatz an der FH Potsdam und wurde für das 3. Matrikel, Start Wintersemester 2013, zugelassen.

Was sich seit dem Masterzeugnis verändert hat

Als Dozent „qua Amt“ schulte Marinko Betker, hier zusammen mit dem Institutsleiter, Hr. Dr. Andreas Pilger, im Mai 2015 die ersten Familienforscher in der Mercator-Werkstatt des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg (KSM). Inzwischen verfügt das Stadtarchiv mit der „DenkStätte“ des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie (ZfE) über einen eigenen außerschulischen Lernort, an dem zahlreiche Formate wie pädagogische Workshops und Vorträge realisiert wurden.

Nach der Master-Graduierung habe ich erstmals das Gefühl, einen beruflichen Lebensstand erreicht zu haben. Mir wurde Anfang des Jahres 2017 eine Planstelle im gehobenen Archivdienst übertragen. Respektive betrachtet verging meine Potsdamer Zeit wie im Fluge. Man hatte zudem nie das Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein, da man sich jederzeit mit den Kommilitonen bzw. der Studiengangkoordinatorin austauschen konnte <Unvergessen sind natürlich die Präsenzveranstaltungen in Potsdam!>

Sicher war die Einteilung der Arbeitsbelastung nicht immer einfach, so dass ich auch zahlreiche Sonntagabende im Arbeitszimmer verbringen musste. Die Geburt meines Sohnes Thorin ereilte sich zudem kurz vor der Themenzuweisung meiner Masterarbeit! Auf der fachlichen Seite habe ich eine Menge mitgenommen, und mich dank des Wahlpflichtbereiches im Feld der elektronischen Langzeitarchivierung spezialisiert. Meine Masterarbeit „Personalmanagement für Großstadtarchive – Eine Personalbedarfsberechnung beim Stadtarchiv Duisburg“ wurde als Organisationsprojekt in Kooperation mit dem Stadtarchiv realisiert. Ich plane eine Veröffentlichung der Ergebnisse, die jedoch noch etwas Nachbearbeitung und die Freigabe von betrtieblichen Informationen erfordern wird. Gerade die Methode des „taktischen Personalmanagements“, die ich am Beispiel Duisburg angewendet habe, könnte anderen Kommunalarchiven als Beispiel für Aufgaben- und Personalplanung dienen.

Das Stadtarchiv Duisburg

Zu den Schätzen des Stadtarchivs gehört dieses alte Duisburger Stadtsiegel aus dem 13. Jahrhundert, dass den „Salvator Mundi“ (Erlöser der Welt) zeigt. Die älteste beim Stadtarchiv überlieferte Pergamenturkunde stammt aus dem Jahr 1129. Auf dem Portal Archive.NRW präsentiert das Stadtarchiv die gesamte Breite der amtlichen Überlieferung nebst dem privaten Sammlungsgut.

Das Stadtarchiv Duisburg ist mit seinem Bestand von ca. 9 Regalkilometern Archivgut eines der größten Kommunalarchive Nordrhein-Westfalens, gelegen innerhalb einer Archivlandschaft, die mit dem Umzug des Landesarchivs NRW nach Duisburg komplettiert wurde. Die Stadtarchivare sind überwiegend mit den klassischen facharchivarischen Aufgaben, wie der Erschließung, dem Lesesaaldienst und der Überlieferungsbildung betraut. Sie dienen jedoch auch als Ansprechpartner für die Ämter der Stadtverwaltung und zahlreiche Benutzer mit genealogischem bzw. stadtgeschichtlichem Interesse. Alleine im Jahr 2016 mussten über 1600 schriftliche Anfragen beantwortet werden. Die jährlichen Übernahmen einer fünfstelligen Anzahl von Unterlagen in das Verwaltungsarchiv entlasten die abgebenden Stellen; sie wollen jedoch gut geplant sein!

Meine Aufgaben im Stadtarchiv

Im Rahmen eines Betriebspraktikums hat die angehende Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FAMI) Eileen Küppers ca. anderthalb Regalmeter der historischen Unterlagen der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e. V. verzeichnet. Marinko Betker übernahm die Verzeichnungskontrolle und die Begleitung des daraus entstandenen Findbuches bis zur Übergabe an den Vorstand der DFG Duisburg im August 2016.

Innerhalb des Teams bin ich mit wachsender Erfahrung vor allem für Veranstaltungen der Historischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt worden. Mittels der durch das Masterstudium erworbenen theoretischen Kenntnisse konnte ich Kurse für Familienforscher durchführen bzw. meine Kenntnisse im Records Management für die Konzeption einer Fortbildung zur Einführung in die behördliche Schriftgutverwaltung nutzen.

Die Formate wurden gut angenommen und werden im Angebot des Stadtarchivs verstetigt. Eine eher junge Kooperation mit der ich betraut bin, betrifft die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg e. V., deren historische Unterlagen jüngst durch eine Praktikantin im Stadtarchiv verzeichnet wurden. Die Vernetzung mit den Akteuren vor Ort empfinde ich als sehr reizvoll; sie hält manchmal Überraschungen bereit (so nahm an einer Veranstaltung z. B. der französische Generalkonsul aus Düsseldorf teil). Perspektivisch werde ich mit dem Eintritt des Stadtarchivs in die elektronische Langzeitarchivierung meine an der FH Potsdam erworbenen Kenntnisse einbringen können!

Ein wichtiges persönliches Anliegen ist mir die Förderung des archivarischen Nachwuchses, dem ich schon so manche Sonderveranstaltung gewidmet habe, um den Kollegen von morgen Rede und Antwort zu stehen.

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WANTED: Weiterbildungsmöglichkeit mit Zukunftspotential

Mein Name ist Mathias Bornschein, ich bin Mitarbeiter in der Fachbibliothek Umwelt des Umweltbundesamtes und dort für die Zeitschriftenstelle und die Lizenzierung und Bereitstellung der elektronischen Inhalte oder neudeutsch electronic resources zuständig.

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Mathias Bornschein – Foto: privat

Nach dem Abitur habe ich im Jahr 2001 mein Studium der Rechtswissenschaften an der Martin Luther Universität in Halle/Saale begonnen. Nachdem meine Eltern für sich und mich beschlossen hatten, mein studentisches Lotterleben nicht weiter finanziell zu unterstützen, brach ich dieses Studium im Jahr 2003 erfolgreich ab und orientierte mich kurzerhand neu, um am 01.01.2004 eine duale Ausbildung im zukunftsorientierten Beruf Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste (FaMI) Fachrichtung Bibliothek im Umweltbundesamt am Standort Berlin zu beginnen.

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung zum FaMI im Jahr 2006 übernahm ich als „Kardexfee“ die täglich anfallenden Aufgaben der Zeitschriftenstelle der größten deutschen Spezialbibliothek im Umweltbereich, deren Leitung ich nach personellen Veränderungen im Jahr 2009 am Hauptstandort Dessau-Roßlau sogar übernehmen konnte.

 

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Das Umweltbundesamt – Foto: Olesch ©2007

Als technikaffiner Mensch begeisterte mich in einem Science-Technology-und-Medicine geprägten Arbeitsumfeld vor allem der stetige digitale Wandel. Beherrschten zu Beginn meiner Ausbildung vor allem die gedruckten wissenschaftlichen Zeitschriften den Arbeitsalltag, findet sich der Großteil der benötigten Informationen heute digital im Internet oder in verschiedenen Datenbanken. Um unseren Nutzerinnen und Nutzern dennoch den Zugang zu dienstlich benötigten Informationen schnell, unkompliziert und zeitnah zu verschaffen, benötigt es daher viel Geduld, KnowHow und Schulungsbereitschaft. Förderlich dabei war sicherlich, dass ich nie eine besonders ausgeprägte Beziehung zu gedruckten Informationen hatte und privat schnell begeisterter Besitzer und Nutzer eines eBook-Readers war und auch schon immer nach neuen Wegen der Informationsbeschaffung und Informationsvermittlung gesucht habe.

Diese neuen Themenfelder eines modernen FaMI brachten jedoch schnell viele Fragen mit sich, die mit dem Wissen aus der Ausbildung häufig nicht mehr zu beantworten waren. Daher war ich irgendwann und irgendwie auf der Suche nach einer geeigneten Fortbildung im Bibliotheksbereich, welche zielorientiert, zukunftsfähig und neben dem Beruf zu bewältigten war.

Bei meinen Recherchen bin ich dabei schnell auf das Fernweiterbildungsangebot Bibliotheksmanagement bei der FH Potsdam aufmerksam geworden. Die angebotenen Module und die Aussicht auf einen akademischen Abschluss im Informationsbereich haben mich dann dazu bewogen, eine Bewerbung und die notwendigen Unterlagen bei der FH Potsdam einzureichen. Förderlich für diese Entscheidung war dabei auch die finanzielle Unterstützung meines Arbeitgebers, der natürlich ebenfalls an einer Weiterqualifizierung, in diesem für eine wissenschaftliche Spezialbibliothek immens wichtigen Bereich, interessiert war. Und so startete mein Comeback auf der Schulbank und der damit verbundene zweite Studienversuch pünktlich am 22.10.2012 mit meiner ersten Präsenz an der FH Potsdam.

Die Begrüßung zum 6. Kurs der Fernweiterbildung mit den Worten, dass wir wahrscheinlich der letzte Durchgang sein werden, der die altehrwürdigen Retro-Räumlichkeiten der Friedrich-Ebert-Str. 4 sein werden, klingt nach dem erfolgreichen Abschluss am 30.09.2016 dabei noch immer im Ohr und scheint irgendwie erst gestern gewesen zu sein.

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Während einer Schulung – Foto: Privat

Innerhalb der vergangenen vier Jahre wurde jedoch schnell klar, dass die Entscheidung auf jeden Fall die richtige war. Die zahlreichen Informationen in den verschiedenen Modulen waren praxisorientiert und zum größten Teil gut vermittelt. Das Erlernte konnte dabei für mich sowohl im Umweltbundesamt, als auch in einzelnen Arbeitskreisen (AK Öffentlichkeitsarbeit, AK Wissensmanagement) schnell angewandt werden. Sei dies Wissen aus dem Modul M07 „Datenbanken“ für den Aufbau einer internen Projektdatenbank, Wissen aus dem Modul M12 „Contentmanagementsysteme“ für den Aufbau einer Homepage für die AG der Bibliotheken der Ressortforschung des Bundes oder Wissen aus dem Modul M21 „Vermittlung von Informationskompetenz“ für die zahlreichen internen Schulungen zu lizenzierten Datenbanken oder Literaturverwaltung im Umweltbundesamt.

Der Input vieler Dozenten und der Austausch mit den anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern des Fernweiterbildungsdurchgangs halfen dabei häufig und verschafften mir in vielen Situationen und Vorträgen die notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen. Zugute kam mir in dieser Zeit sicherlich auch, dass sich mein direktes Arbeitsgebiet immer häufiger mit Themen der Fernweiterbildung beschäftigte. Open Access, Urheberrecht, Metadaten und Forschungsdatenmanagement wurden in den vergangenen Jahren dabei irgendwie treue Wegbegleiter. Die Zeit zwischen erster Präsenz und Verteidigung meiner Bachelorarbeit zum Thema „Konzeption und Durchführung eines Webinars zum Wissensmanagement“ war dabei dennoch nicht immer leicht. Vor allem der Aufwand mit den alltäglichen Aufgaben in der Fachbibliothek Umwelt und parallele Module der Fernweiterbildung im Rücken waren hin und wieder eine dienstliche, private oder Golfhandycap-Belastungsprobe.

Die unzähligen Informationen und Erfahrungen, neuen Bekanntschaften, eingerahmte Bachelorurkunde und natürlich auch die neuen Aufgaben als „Electronic Resource Librarian“ in der Fachbibliothek Umwelt des Umweltbundesamtes mit neuer Entgeltgruppe und Dienstort Berlin sind am Ende der Fernweiterbilungs- und Studienzeit mit dem Abschluss Bachelor of Arts Library Management aber aus meiner Sicht alle Mühen und Ärger wert.

 

Von der Fernweiterbildung zum Master – ehemaliger Absolvent besteht Masterprüfung!

Am 9. Mai 2011 startete die erste Präsenz des 5. gradualen Kurses der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement. Mit dabei war unter den damaligen FaMI, Bibliotheksassistentinnen und – assistenten damals auch Marcus Heinrich von der Hochschulbibliothek der FH Brandenburg. 2015 erwarb er mit einer sehr guten Bachelorarbeit und Verteidigung zum Thema „Die Bibliothek als attraktiver Lernraum – Eine Untersuchung am Beispiel der Hochschulbibliothek der Fachhochschule Brandenburg“ im März 2015 seinen Bachelor und entschloss sich, noch den Master zu absolvieren.

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Marcus Heinrich – Foto: privat.

Am 21. Oktober diesen Jahres konnte Marcus Heinrich dann auch seine Masterurkunde in Empfang nehmen. Seine Abschlußarbeit beschäftige sich mit dem Thema „Forschungsdatenmanagement an der Technischen Hochschule Brandenburg – eine Anforderungsanalyse“ und das Ziel der Arbeit war es, Forschungsstrukturen zu ermitteln und Empfehlungen für den Auf- und Ausbau eines Forschungsdatenmangements zu  geben. Die Arbeit ist online hier einsehbar.

Und nun? wie sehen seine Pläne für die Zukunft aus? „Ich freue mich nach dem Studium nun der Arbeit wieder die volle Konzentration zukommen zu lassen“, betont Marcus Heinrich. „Zudem sehe ich nun in der Praxis diverse Anknüpfungspunkte, um das Gelernte aus dem Studium bzw. der Masterarbeit anzuwenden und/oder mich in Projekten einzubringen. „

Wir sind uns sicher, dass er dies ebenso mit dem gleichen Engagement verfolgt, wie die  Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement und seinen Bachelor und gratulieren ihm herzlich zur bestandenen  Masterprüfung!

„Berufserfahrungen untermauern und neuen Herausforderungen begegnen“ – Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

von Dr. Margrit Prussat

Meine ersten Berufserfahrungen im Archivwesen habe ich im Archiv des Deutschen Museums in München gesammelt. Die Geschichte von Naturwissenschaften und Technik war für mich bis dahin eher Neuland und ich war begeistert von den vielfältigen Quellen und den Möglichkeiten ihrer Aufbereitung. Seither habe ich die Archive an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen als äußerst interessantes Arbeitsfeld kennengelernt. Sie bieten ein hohes Potential an Entwicklungsmöglichkeiten und nicht selten auch die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen. Trotzdem müssen natürlich auch alle archivischen Kernaufgaben fachgerecht erledigt werden.

Das Studium der Archivwissenschaften an der FH Potsdam war für mich daher der ideale Weg, um nach 14 Jahren Berufstätigkeit in zwei wissenschaftlichen Archiven die in der Praxis erworbenen Kenntnisse zu konsolidieren und fundierte Fachkenntnisse in jenen Bereichen anzueignen, mit denen ich bisher nicht in Berührung gekommen war. Schließlich ebnete mir dieses zweite Studium der Archivwissenschaften den Weg zu meiner heutigen Stelle als Leiterin des Universitätsarchivs Bamberg.

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Archivleiterin Dr. Margrit Prussat – Alle Bilder: Universitätsarchiv Bamberg

Den Einstieg ins Archivwesen fand ich durch einen thematischen Schwerpunkt, der sich wie ein roter Faden durch mein Erststudium der Ethnologie, Germanistik und Sozialpsychologie an den Universitäten Göttingen und München zog: die Beschäftigung mit visuellen Medien, vor allem mit der Fotografie. Meine Magisterarbeit bestand in einer empirischen Analyse der Reise-Diavortragsszene Mitte der 1990er Jahre in Deutschland. Nachfolgend konzentrierte ich mich stärker auf historische Fotografien. Nach dem Studienabschluss arbeitete ich zunächst in einer universalen Bildagentur bevor ich dann 1997 ins Deutsche Museum wechselte und hier vor allem in den Bereichen Bildarchiv/Bildstelle und Erschließung von Nachlässen tätig war. Zusätzlich habe ich viele Einblicke in die Arbeitsgebiete meiner Kolleginnen und Kollegen gewinnen können. Die Digitalisierung der Archive setzte zu jener Zeit verstärkt ein, was ich äußerst interessant fand.

Auch als Archivnutzerin gewann ich vielfältige Einblicke von dieser „Übergangszeit“ zum digitalen Archiv. In meiner Dissertation beschäftigte ich mich mit der Geschichte der Fotografie im Brasilien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Den Bildfundus  trug ich damals noch auf vielen Archivreisen in Deutschland und Brasilien zusammen – heute sind viele der Fotografien bereits online recherchierbar. Die Archivreisen möchte ich dennoch nicht missen, denn sie haben mir ganz andere Einsichten in die internationale Archivsparte gewährt als es durch die online Recherche möglich gewesen wäre.

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Digitalisierung von VHS-Kassetten

Die folgende berufliche Station erlaubte mir eine ideale Verbindung der Ethnologie mit den praktischen Kenntnissen im Archivwesen, ergänzt durch Fortbildungen an der Archivschule Marburg. Ab 2008 war ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Digitalisierungsprojekt DEVA der Universität Bayreuth. In einem kleinen Team waren wir mit dem Aufbau eines physischen und digitalen Archivs für die Afrikawissenschaften der Universität Bayreuth beschäftigt und an diversen Kooperationsprojekten auch mit Partnerinstitutionen in Afrika beteiligt. Während dieser Berufstätigkeit an der Universität Bayreuth begann ich mit dem Masterstudium der Archivwissenschaften in Potsdam.

Als ich danach die Leitungsstelle des Universitätsarchivs Bamberg übernahm, waren vor allem jene Inhalte des archivwissenschaftlichen Studiums wichtig, die sich mit Archivmanagement, Archiventwicklungsplanung und diversen Bereichen der digitalen Archivierung  befassen. Im Aufbau der digitalen Archivierung und der Digitalisierung liegen momentan die Arbeitsschwerpunkte des Uni-Archivs Bamberg.

Repro-Arbeitsplatz des Universitätsarchivs

Universitätsarchive sind, zumindest in personeller Hinsicht, oft eher kleine Einrichtungen. Das gesamte Spektrum der archivischen Kernaufgaben und der weiteren Aufgaben und Projekttätigkeiten liegt daher nicht selten in Händen weniger Personen. Deswegen sind gute Kenntnisse in allen Kernbereichen des Archivwesens unerlässlich, neben einer fachlichen Spezialisierung in einigen wenigen Bereichen. Eine gute Vernetzung mit den Kolleginnen und Kollegen in der Archivwelt sorgt darüber hinaus dafür, bei besonderen Problemlagen kompetente Ansprechpersonen mit jeweils eigenen inhaltlichen Schwerpunkten zu finden. Beide Aspekte, das Fachwissen und die Netzwerkbildung, sind für mich die wichtigsten Resultate des Studiums der Archivwissenschaften. Die dreijährige Studienzeit war zwar, vor allem neben einer Vollzeitstelle, nicht immer ein reines Zuckerschlecken. Aber es hat sich gelohnt! Und ich bin sicher dass auch die Arbeitgeber/Archiveinrichtungen, vor allem durch den engen Praxisbezug, von dem berufsbegleitenden Studiums ihres Personals profitieren.

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