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Abschluss des 5. grad. Kurses – die Themen der Bachelorarbeiten

In diesem März war es für den 5. grad. Kurs endlich soweit: Nachdem die Bachelorarbeiten begutachtet waren und auch die Verteidigung gemeistert waren, konnten auch sie sich offiziell mit dem akademischen Grad des Bachelor schmücken.

Nachfolgend präsentieren wir die Bachelorarbeiten von Frau Beatrice Fischer und Herrn Marcus Heinrich ausführlich. Im Vorfeld haben beide Absolventen Fragen zur BA zugeschickt bekommen, der Text basiert größtenteils auf ihren Antworten.

Bibliotheks-Apps als Standardangebote!

Frau Beatrice Fischer von der Stadtbibliothek Sömmerda hat sich in ihrer BA mit dem „Vergleich von derzeit auf dem deutschen Markt verfügbaren Bibliotheks-Apps hinsichtlich Ihrer Usability und Funktionalitäten“ beschäftigt.

„Ziel der Arbeit war es, ausgehend vom aktuellen Angebot auf dem deutschen App-Markt, grundlegende, weiterführende und zukünftig denkbare Funktionalitäten sog. Bibliotheks-Apps zusammenzutragen und ihre Usability (Benutzerfreundlichkeit) zu untersuchen“ fasst Sie zusammen.

Nach der Marktsichtung wählte sie  vier Bibliotheks-Apps, die sie in ihrer BA hisichtlich der Features und der Unsability beschrieb: Die BibApp der Universitätsbibliothek Leuna, die App der Bücherhallen Hamburg, die iLibrary-App der TH Wildau und die Web Opac App. Zusätzlich zur Beschreibung und Begutachtung wurden Bibliotheksmitarbeiter und Kunden befragt. Eine Exkurs zu dem bisweilen sehr spielerisch angehauchtem Angebot der amerkanischen Bibliotheken rundete die Abschlusarbeit ab.

Doch welche Inhalte bieten die begutachteten Apps eigentlich an? Neben  den „Klassikern“ Bibliothekskatalog, Benutzerkonto und Informationen zu Bibliothek stellen einige Apps auch eine Indoor-Navigation oder Audioguides zur Verfügung.

Interessante Ergebnisse hinsichtlich der gewünschten Funktionen einer Bibliotheks-App brachte auch die im Rahmen des mylibrARy-Projektes durchgeführte Befragung von Bibliothekskunden/kundinnen und -mitarbeitenden. Neben einem „Freunde-Finder“ kam hier besonders häufig der Wunsch nach einer „Multifunktionalen Chipkarte“.

„Ich denke, dass Bibliotheks-Apps in den nächsten Jahren ebenso zum Standardangebot von Bibliotheken gehören werden, wie (mobile) Internetseiten es heute bereits tun“ ist ihre abschließende Meinung zum Thema.

Und welchen Tipp würde sie den zukünftigen Absolventen mit auf den Weg geben?

„Mein Tipp für zukünftige Absolventen und ihre Bachelorarbeit ist es, sich möglichst ein Thema auszusuchen, welches einen selbst begeistert und dessen Bearbeitung Spaß bereitet. Die abschließende Verteidigung der Arbeit sollte übrigens nicht (nur) als mündliche Prüfung angesehen werden, sondern als Chance sich bestmöglich als Experte auf seinem Themengebiet zu präsentieren, was man in gewisser Weise nach knapp 3 Monaten Bearbeitungszeit ja auch ist.“

 

Was wollen die Studierenden? Einen attraktiven Lernort!

Marcus Heinrich von der FH Brandenburg hatte sich des Themas „Die Bibliothek als attraktiver Lernraum – Eine Untersuchung am Beispiel der Hochschulbibliothek der Fachhochschule Brandenburg“ angenommen.

Beginnend mit der Frage „Was wollen die Nutzer?“ hat er die Raumgestaltung, die Ausstattung und das Serviceangebot der FH Brandenburg untersucht und gemeinsam mit den NutzerInnen der Bibliothek Verbesserungsvorschläge mit Hilfe eines Design-Workshops entwickelt.

Eine Erkenntnis seiner Untersuchung: „Im Wesentlichen wünschten sich die
Studierenden in der Bibliothek eine Wohlfühlatmosphäre. Diese ist gekennzeichnet
durch große Pflanzen, bequeme Sitzmöglichkeiten sowie Pausenbereiche.“

Besonders gelungen ist sein Ansatz auch Nicht-NutzerInnen in die Untersuchung miteinzubeziehen. Warum lernen diese statt in der Bibliothek lieber in der Mensa oder auf dem Campusgelände?

Die insgesamt gewonnenen Erkenntnisse wurden bereits im Rahmen eines Workshops den MitarbeiterInnen der Bibliothek vorgestellt und ein Maßnahmenplan, der kurz- mittel und langfristige Veränderungen beinhaltet, erarbeitet. Couchzonen lockern bereits jetzt den Bibliotheksraum auf, auch Arbeitstische wurden entfernt.

„Mittelfristig sollen u.a. mobile und schallhemmende Trennwände angeschafft werden.
Außerdem sind mobile Monitore in Planung. So können Inhalte gemeinsam
bearbeitet oder Präsentationen geübt werden. Um der Forderung nach Essen und
Trinken nachzukommen, werden Snack- und Kaffeeautomaten in die Planung
aufgenommen.“ fasst Marcus Heinrich die weitere Vorgehensweise zusammen.

Seine Tipps für die Absolventen?

„Ich habe mir einen detaillierten Zeitplan erstellt. So hatte ich stets den Überblick über
erledigte sowie anstehende Aufgaben. Ich habe jedoch den Aufwand für die
Transkription der Interviews unterschätzt. Daher ist ein Zeitpuffer am Ende
Bearbeitungszeit nicht schlecht.“

Die Arbeit steht hier online unter  zur Verfügung.

 

Abschließend hier eine Übersicht aller eigereichten und begutachteten BA.

Wir gratulieren den AbsolventInnen herzlich und wünschen Ihnen für Ihren weiteren Berufs- und Lebensweg weiterhin viel Erfolg!

BA-Arbeiten_2015

 

M.A. Archivwissenschaft & B.A. Archiv –
Das sind die Abschlussarbeiten im Wintersemester 2014/15

Es ist wieder soweit! In diesen Wochen verteidigen vier unserer Studierenden im berufsbegleitenden Masterstudiengang Archivwissenschaft sowie zwei Teilnehmerinnen der Fernweiterbildung Archiv ihre Abschlussarbeiten. Wir wünschen den Prüflingen viel Erfolg!

Hier geht es zur Abschlussarbeiten-Infografik aus dem Sommersemester 2014 !

 

Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ von Dr. Benjamin Bussmann. Der Verfasser wird die Arbeit in Kürze auf dem Publikationsserver der FHP zur Verfügung stellen.

[Zur Person]

Dr. Benjamin Bussmann, geboren 1972. Nach einer praktischen Ausbildung zum Fotografen habe ich von 1997 bis 2003 mittelalterliche und neuere Geschichte sowie Philosophie studiert. 2005 folgte die Promotion in mittelalterlicher Geschichte. Von 2008 bis 2011 arbeitete ich im Dombauarchiv Köln. Seit 2011 bin ich im Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) tätig. Das Masterstudium war Teil meiner Ausbildung zum Archivar im HAStK. Im Rahmen der Fernweiterbildung untermauerte ich mein bis dahin praktisch erworbenes Wissen im Bereich der Archivwissenschaft mit einem theoretischem Fundament.

Kontakt: mail@benbussmann.de

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]20141214_Foto

Das Thema „Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften“ habe ich gewählt, da ich im Zuge meiner archivischen Tätigkeit zunehmend mit Fragestellungen zur digitalen Archivierung konfrontiert werde. Dabei fiel mir auf, dass die im Bereich der Migrationsstrategie wichtigen signifikanten Eigenschaften sehr heterogen definiert werden. Daher zielte ich mit meiner Masterarbeit darauf, einen Ansatz zu finden und zu begründen, wie die wesentlichen Eigenschaften eindeutiger bestimmbar sind.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Archivwelt steht angesichts der rapide zunehmenden Menge an digitalen Informationen vor der Herausforderung, dass digitales Archivgut (z.B. elektronische Akten oder Datenbanken) im Gegensatz zu analogen Objekten (wie etwa Pergamenturkunden oder Papierakten) einem steten technologischen Wandel unterliegt. Diese Veränderungen, die sich auf die Hardware, die Software und/oder die Dateiformate auswirken, können einerseits die Haltbarkeit und andererseits die Authentizität und Integrität der Informationen erheblich beeinträchtigen. Den technologischen Wandel muss ein Archivar fortwährend im Blick behalten und darauf reagieren, damit die digitalen Informationen dauerhaft und vertrauenswürdig erhalten bleiben. Die zeitlich unbegrenzte Bewahrung digitaler Objekte erfordert also eine aktive Archivierung – im Gegensatz zu analogen Archivalien, die, nach ggf. konservatorischen Maßnahmen, weitgehend statisch archiviert werden können. Spätestens seit den 1990er Jahren sind in Projekten und Publikationen zahlreiche Lösungsansätze für die Archivierung von digitalen Objekten erarbeitet worden. Die Masterarbeit nimmt mit der Definition von signifikanten Eigenschaften einen wesentlichen Aspekt dieser Lösungsstrategien in den Fokus.

Die Untersuchung verfolgt methodisch einen deduktiven Ansatz, um so dem Leser allgemein das mitunter fremde und komplexe Thema der digitalen Bestandserhaltung und der signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Lösungsansatz nachvollziehbar zu vermitteln. Um die Nachvollziehbarkeit weiter zu fördern, werden in einem Glossar die wesentlichen Termini aus dem Bereich der digitalen Archivierung definiert. So wird ein einheitliches Vokabular für die für einen Laien mitunter fremden und in der Fachwelt heterogen besetzten Termini vermittelt und in der Arbeit verwendet. Kurz: Das Ziel ist es, dem Leser die aktuell zunehmend drängenden Schwierigkeiten der digitalen Archivierung umfassend, das heißt terminologisch wie thematisch sowie im Allgemeinen und im Konkreten nahezubringen. Damit sollen einerseits ein Problembewusstsein gegenüber digitalem Archivgut geschärft und andererseits Lösungen angeboten werden.

Inhaltlich wird im ersten Hauptkapitel die digitale Archivierung allgemein vorgestellt. Dabei werden die Unterschiede zwischen analogen und digitalen Objekten, die Probleme bei der digitalen Bestandserhaltung sowie die verschiedenen Erhaltungsmaßnahmen (Analogisierung, Gerätemuseum, Emulation, Migration) beschrieben. Der zweite Hauptabschnitt widmet sich den signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Teilaspekt der Migrationsstrategie. Hier wird die Entwicklung des Modells der signifikanten Eigenschaften in verschiedenen Projekten und Publikationen vorgestellt und dann ein entsprechendes allgemeines Modell definiert sowie der Frage nachgegangen, wann die wesentlichen Merkmale eines digitalen Objekts festgelegt werden müssen. Anschließend wird untersucht, inwieweit sich Parallelen zwischen dem Projekt zum intrinsischen Wert und den signifikanten Eigenschaften ergeben. Schließlich werden zwei unterschiedliche Modelle hinsichtlich eines konkreten Anhaltspunkt für die Definition von signifikanten Eigenschaften präsentiert: der „designated community“- sowie der Provenienzansatz. Danach folgt die Begründung, weshalb die Festlegung von wesentlichen Merkmalen auch einer Bewertungstätigkeit gleichkommt. Abschließend wird untersucht, inwieweit sich die unterschiedlichen Modelle für den Anhaltspunkt in die große Bewertungsdiskussion (Schellenberg vs. Booms) einbetten lassen und welche Rückschlüsse sich aus möglichen Parallelen ergeben.

In einem abschließenden Resumée werden die zentralen, im Verlauf der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen. Diese sind u.a., dass durch die Migration nicht sämtliche Merkmale eines digitalen Objekts unverändert und/oder vollständig erhalten werden können, dass deshalb zum Erhalt der Authentizität und Integrität auf Ebene der Performance die signifikanten Eigenschaften eines digitalen Objekts definiert werden müssen. Oder, dass hinsichtlich der signifikanten Eigenschaften das „ob“ bzgl. ihrer Existenz und das „warum“ hinsichtlich ihres Zwecks weitgehend außer Frage stehen und dass einzig die Frage nach dem „wie“ bzgl. der konkreten Ausgestaltung und Definition von signifikanten Eigenschaften noch nicht im Konsens beantwortet ist. Eine weitere Feststellung ist, dass das Problem der konkreten Definition eng mit dem relativen und daher subjektiven Charakter von Signifikanz zusammenhängt. Schließlich wird auch mittels der Abwägung der Vor- und Nachteile der beiden präsentierten Ansätze „designated community“ vs. Provenienz sowie mittels deren Einbettung in die große Bewertungsdiskussion versucht, die Definition von signifikanten Eigenschaften weiter zu konkretisieren.

Recherchen im Archiv
in Detektivgeschichten für Kinder und Jugendliche

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ von Sven Haarmann

[Zur Person]

Sven Haarmann, geb. 1975, Studium der Germanistik und Politischen Wissenschaft, seit 2001 Mitarbeiter im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn (u.a. zuständig für das Willy-Brandt-Archiv), 2011–2014 berufsbegleitendes Studium im Weiterbildungs-Masterstudiengang Archivwissenschaft in Potsdam.

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]

Mein vor mehr als drei Jahren gefasster Entschluss, Archivwissenschaft an der FH Potsdam berufsbegleitend zu studieren, fühlt sich in der Erinnerung keineswegs als grandios durchdachter Quereinsteiger-Schachzug, sondern vielmehr als eine aus dem Bauch heraus getroffene “Ach, ich mach das jetzt einfach”-Entscheidung an. Schnell bestätigte sich, was man sich für das Studium erhofft hatte: zweimal pro Semester bastelten wir in vorzüglich kollegialer Atmosphäre und im Wettlauf mit dem benachbarten Landtagsneubau an unserem Abschluss. Auf Augenhöhe mit dem archivwissenschaftlichen Diskurs stellten sich viele Fragen, und so begann ich mich in einem speziellen Fall zu wundern, warum in den ohnehin spärlichen Untersuchungen zur fiktionalen Darstellung von Archiven in Literatur und Film ausschließlich erwachsene Stoffe behandelt werden – und schon hatte ich mein Masterarbeitsthema gefunden, denn wer Archive und archivähnliche Umgebungen in der spezifischen Kinder- und Jugendliteratur bzw. in allen für die ArchivnutzerInnen von morgen verfassten und produzierten Medien sucht, hat viele alte und frische Spuren zu verfolgen …

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Masterarbeit trägt ausgewählte Quellen zusammen, um auf archivarischer Seite das Bewusstsein für kinder- und jugendliterarische Stoffe mit archiv(al)ischen Bezügen und Inhalten zu schärfen und zum produktiven Umgang mit ihnen anzuregen. Gleich in mehreren Formaten schlummert Potential, gerade im Genre der Detektivgeschichte: Wer kriminalistische LaienforscherInnen begleitet, ebnet die in den Archiven allenthalben gefürchteten Hemmschwellen mit spielerischer Leichtigkeit ein. Denn wann immer Juniordetektive einen Fall lösen und dessen Vorgeschichte mit historischen Quellen ergründen, fügen sich in die rückwärtsgerichtete Erzählweise der Detektivgeschichte Handlungselemente wie die Nutzung eines Archivs (z.B. in Die drei ??? und das Aztekenschwert) hervorragend ein; auch die Vermittlung archivfachlichen Wissens ließe sich in einem solchen Format in propädeutischen Ansätzen realisieren.
Archivarinnen und Archivare, die sich vor allem am Tag der Archive gern als “Detektive der Geschichte” präsentieren, sollten Mut zu kindgerechter Unterhaltung, zu Fiktionalisierung und Popularisierung zeigen und ihre Archivalien als erzählte Geschichte aufbereiten. Als Kommunikationskanal zur jüngeren Zielgruppe bietet sich die Detektivgeschichte für archivpädagogisches Edutainment in vielen Formen an. Jedes Archiv kann hier ansetzen und die eigenen Bestände vor Ort mit Entdeckungsreisen ins Archiv (als Schnitzeljagd wie z.B. Rettet Archibald! bzw. als authentische Rechercherätsel) oder in gedruckter wie virtueller Form als mysteriöse Fälle (Puzzles, Geheimschriften, Wimmelbilder, Spurensuche in Texten, Karten und Fotos etc.) inszenieren.
Wünschenswert wäre zudem eine Serie oder Reihe archiv(al)ischer Krimis, in denen Archive sichtbar ins Zentrum der Abenteuer rücken und aktiv handelnde Archivarinnen und Archivare in Hauptrollen schlüpfen.
Die Ästhetisierung des Archivwesens und der eigenen Archive als geheimnisvolle Orte, in denen es viel Aufregendes zu entdecken und zu erforschen gibt, vermag viel zu bewirken. Werden Archive von innen als spannende und faszinierende Erlebniswelten wahrgenommen und auf unterhaltsame wie lehrreiche Weise als literarische Schauplätze von Abenteuern und Ermittlungen erkundet, ist die Chance groß, dass dies jungen LeserInnen nachhaltig im Gedächtnis bleibt und ihnen über kurz oder lang auch den Weg in ein reales Archiv erschließt.

Die Masterarbeit wurde von Prof. Dr. Susanne Freund und Prof. Dr. Mario Glauert betreut und wird auf jeden Fall veröffentlicht. Wer vorher bzw. sonst wie Fragen oder Hinweise hat, kann sich gerne an mich wenden.

Veränderungen des Archivrechts unter den Herausforderungen der digitalen Langzeitarchivierung

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ . Die Autorin Dr. Dagmar Hemmie möchte ihre Arbeit gerne im Volltext zur Verfügung stellen, gegebenenfalls auf dem Publikationsserver der Fachhochschule Potsdam.

[Zur Person]

Dagmar Hemmie, geb. 1969 in Hamburg. Nach einer Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin (WB) an der FHBD Köln folgte ein Promotionsstudium in Mittlerer und Neuerer Geschichte an den Universitäten Kiel und Odense (Dänemark) mit Lehrtätigkeiten an der Universität Hamburg und Honorartätigkeiten in verschiedenen Archivsparten (Stadtteilarchiv, Kirchenarchiv, Kommunales Archiv). Zuletzt mehrjährige Tätigkeit als wissenschaftliche DFG-Mitarbeiterin des Archivs der Hansestadt Lübeck. Seit Oktober 2014 Kreisarchivarin des Kreisarchivs Ennepe-Ruhr-Kreis.

Während meiner Tätigkeit im Lübecker Archiv ist mir bewusst geworden, dass ich meine umfassenden Praxiserfahrungen als Quereinsteigerin im Archivwesen unbedingt auch theoretisch unterfüttern und einen berufsbegleitend qualifizierenden Abschluss machen musste, um die täglich ausgeführten Arbeitsprozesse richtig einordnen und verstehen und mir evtl. zukünftige Aufstiegschancen im Archivbereich offenhalten zu können. Das Potsdamer Fernstudium (2. Master-Kurs 2011-2014) hat mir hierfür hervorragende Möglichkeiten eröffnet, die ich rückblickend nicht missen möchte.

Kontakt: DagmarHemmie@web.deC Bew 2 sw

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]

Alles was Recht ist? Schon als Archivbenutzerin während meines Studiums habe ich mich vielfach über die sehr unterschiedliche „Willkommens“- bzw. „Abschreckungskultur“ in den skandinavischen und deutschen Archiven – letztere mit teilweise sehr restriktiven Verboten (Fotoverbot, Kopierverbot, Sperrfristen) gewundert und bisweilen geärgert. Viele im Archiv Tätige – so mein Eindruck von Tagungen und Diskussionen im KollegInnenkreis – schließen aus Verunsicherung oder auch aus mangelnder Rechtskenntnis lieber Nutzungsmöglichkeiten – gerade auch im digitalen Bereich aus – als sich gegebenenfalls eines Rechtsverstoßes schuldig zu machen. In Zeiten des schnellen Internets und der Informationsfreiheitsgesetzgebung ist diese Haltung insbesondere gegenüber den unter Zeitdruck überregional Forschenden nicht vermittelbar. Ein sehr anregendes und interessantes Modul bei Herrn Dr. Michael Scholz hat mich dazu animiert, das Thema Archivrecht intensiver zu verfolgen. Die hierzu entstandene Masterarbeit, deren Betreuung als Erstprüferin Frau Prof. Schwarz übernommen hat, wird zukünftig über den Dokumentenserver der FH Potsdam zugänglich sein. Weitere Veröffentlichungen stehen noch nicht fest.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Inwiefern kann das bestehende Archivrecht im Zeitalter der Digitalisierung noch als praktikables Handwerkszeug gelten? Wird es den Herausforderungen der Digitalisierung gerecht oder ist nicht vielmehr eine grundlegende Neukonzeption bzw. „Archivrechtsrevolution 2.0“ notwendig?

Dieser Leitfrage geht die Masterarbeit unter vergleichender Betrachtung der deutschen Archivgesetze des Bundes und der Länder nach. Abgerundet wird die Untersuchung durch einen Exkurs auf die archivrechtliche Situation in Dänemark und Schweden.

Im Rahmen der Untersuchung wurde deutlich, dass es die Archivgesetze der ersten Gesetzgebungswelle der 1990er Jahre verstanden haben, ihrer Zielsetzung entsprechend einen angemessenen Ausgleich zwischen den Polen Datenschutz und Datennutz zu erreichen. Insbesondere die immer noch sehr unterschiedlichen Sperrfristen geraten jedoch im Zuge der Informationsfreiheitsgesetzgebung zunehmend unter Druck.

Hinsichtlich des im digitalen Zeitalter überholten Unterlagenbegriffs und der Einbeziehung laufend aktualisierter Datenbanksysteme haben die jüngsten Archivgesetznovellen praktikable Vorschläge unterbreitet. Zu diskutieren bleibt die rechtliche Fixierung einer verstärkten Vorfeldarbeit der Einführung und Anpassung von IT-Systemen sowie der Etablierung digitaler Standards.

Hinsichtlich der Bewahrung und Sicherung digitaler Informationen ist auf eine rechtliche Anerkennung der Archive als „trusted custodians“ hinzuwirken sowie die Ermöglichung von Verbundlösungen zur digitalen Langzeitarchivierung bzw. der Auftragsspeicherung digitaler Daten.

Für die Zukunft sind vielfältige, auch neue oder noch unbekannte Nutzungsformen digitaler Daten denkbar, die es unter datenschutzrechtlichen und insbesondere urheberrechtlichen Aspekten zu diskutieren und ggf. archivgesetzlich zu flankieren gilt. Wir Archivare sind gefordert, diesen Prozess aufgeschlossen zu begleiten und ggf. im Einzelfall eine Abwägung zwischen Nutzungsgewährung und möglichen Regressansprüchen zu treffen.

„Die Zukunft der Archive wird davon abhängen, ob es ihnen gelingt, die Glaubwürdigkeit der archivischen Überlieferung zu bewahren, indem sie die Authentizität und Integrität gerade der originär digitalen Informationen garantieren.“ (Klaus Eiler 2013)

[Weiterführende Literatur]

Alles was Recht ist. Archivische Fragen – juristische Antworten. 81. Deutscher Archivtag 2011 in Bremen. Unter Mitarbeit von Heiner Schmitt. Fulda, 2012 (= Tagungsdokumentation zum Deutschen Archivtag, 16)

ARK-Empfehlungen – Empfehlungen der ARK-Arbeitsgruppe „Archive und Recht“ zu Regelungen für die Archivierung elektronischer Unterlagen in Rechts- und Verwaltungsvorschriften (2004).

ARK-Gutachten – Bereitstellung elektronischer Findmittel in öffentlich zugänglichen Netzen. Hg. von der Archivreferentenkonferenz. Zur Vorlage bei der DFG (Anlage zum Projektantrag ‚Retrokonversion von Findmitteln‘) 2007

Polley, Rainer (Hg.): Anbietung von Unterlagen öffentlicher Stellen an die Archive. Rechtslagen, Probleme, Lösungswege. Beiträge zu einem Workshop am 27. November 2008 an der Archivschule Marburg. Herrn Dr. Herbert Günther zum 65. Geburtstag. Marburg, 2011 (= Veröffentlichungen der Archivschule Marburg, 50)

Rehm, Clemens; Bickhoff, Nicole (Hg.): Rechtsfragen der Nutzung von Archivgut. Vorträge der Frühjahrstagung der Fachgruppe 1 – staatliche Archive – im VdA. Stuttgart: Kohlhammer, 2010