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Transformation ins Digitale – Besuchen Sie uns auf dem 85. Deutschen Archivtag in Karlsruhe!

In diesen Tagen findet der 85. Deutsche Archivtag #deutscherarchivtag in Karlsruhe statt. Ganz im Sinne des diesjährigen Tagungsthemas „Transformation ins Digitale“ präsentieren wir in diesem Jahr ausgewählte Abschlussarbeiten nicht in analoger Form, sondern digital! Darunter auch die gestern im Forum Ausbildung und Berufsbild präsentierte Abschlussarbeit von Dr. Benjamin Bussmann „Signifikante Eigenschaften als Schlüssel zur Bewertung und Bestandserhaltung digitaler Unterlagen“.

Sie können uns noch bis morgen am Stand der Fachhochschule Potsdam besuchen. Wir freuen uns auf Sie :-)!

Abstracts zu den Abschlussarbeiten finden Sie hier.

Abschlussarbeiten_Volltext

Möglichkeiten digitaler Archivierung in kleinen Institutionen

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014/ Wintersemester 2014/15″ von Eleonore Emsbach

[Zur Person]

Eleonore Emsbach. Nach einer Ausbildung und Berufstätigkeit als Handwerksbuchbinderin folgte ein Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft und Englischer Sprach- und Literaturwissenschaft. Während des Studiums von 1997 bis 2004 im Archiv und Ausstellungsbereich des Deutschen Filmmuseums tätig. Seit 2007 Archivangestellte in der Abteilung Sammlungen und Nachlässe sowie Projektmitarbeiterin in Onlineportal-, Digitalisierungs- und Normdatenprojekten im Deutschen Filminstitut – DIF e.V., Frankfurt am Main.

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]

In meinem Studium habe ich den Schwerpunkt auf die informationstechnologischen Module gelegt. Daher stand für mich fest, auch ein Masterarbeitsthema aus diesem Bereich zu wählen. Im Laufe des Studiums kristallisierte es sich heraus, dass die in meinem beruflichen Alltag momentan größte Herausforderung in der Frage besteht, wie unser Archiv digitales Schriftgut und Bildmaterial, welches bereits vereinzelt angeboten wird, mit den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln übernehmen und für die Zukunft erhalten kann. Entsprechend lag es nahe, im Rahmen meiner Abschlussarbeit einen Lösungsweg für dieses aktuell dringliche Problem zu erarbeiten.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Masterarbeit befasst sich mit den Möglichkeiten, die kleinen Archiven bei der Einrichtung eines digitalen Langzeitarchivs zur Verfügung stehen. Problemstellung und Erkenntnisziel bestehen darin, auf der Grundlage der zumeist theoretisch ausgerichteten Fachliteratur ein Konzept zu skizzieren, das auch für nur mit begrenzten Mitteln ausgestattete Archive in der Praxis umsetzbar ist.

Im ersten Teil der Arbeit werden die wichtigsten Grundlagen digitaler Langzeitarchivierung dargelegt. Dies umfasst die Präsentation der relevanten theoretischen Konzepte und Standards, die den meisten aktuellen Aktivitäten und Initiativen zur digitalen Archivierung zugrunde liegen. Hierzu zählen Konzepte zum Aufbau eines digitalen Archivs (OAIS-Referenzmodell), zum Informationsbegriff und zur Definition von Eigenschaften digitaler Objekte (Performance-Modell, Signifikante Eigenschaften). In diesem Kontext wird auch die mögliche Berücksichtigung von Nutzungsinteressen bei der Festlegung der erhaltenswerten Eigenschaften diskutiert (Konzept der Designated Community). Weiterhin werden verschiedene Standards zur Beschreibung digitaler Objekte dargestellt (PREMIS, ISAD(G)). Im Anschluss folgt eine Übersicht über die praktischen Methoden der Erhaltung: Vor- und Nachteile der wichtigsten Erhaltungsstrategien wie Migration, Emulation, Erhalt der ursprünglichen Hard- und Softwareumgebung, gängige Speicherformate und Formatcharakterisierung, Speichermedien und Speicherung durch Dienstleister. Schließlich werden rechtliche Aspekte und Fragen der Vertrauenswürdigkeit digitaler Archive besprochen.

Im Anwendungsteil werden darauf aufbauend die Möglichkeiten digitaler Langzeitarchivierung in kleinen Archiven exemplarisch anhand eines Beispiels aus der Praxis untersucht. Bei der Konzeptentwicklung wird zum einen auf die DIN 31644 – Kriterien für vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive Bezug genommen. Zum anderen orientiert sich der Entwurf an einem von Adrian Brown vorgeschlagenen Modell zur Bestimmung des Reifegrads digitaler Archive (Maturity Model), das mit dem Ziel entwickelt wurde, Organisationen eine Hilfestellung bei der Einschätzung ihrer spezifischen Möglichkeiten zu geben.

Es wird im Einzelnen auf folgende Aspekte eingegangen: Die Bewertung und Aussonderung auf der Basis inhaltlich-fachlicher und formaler Kriterien, die Definition von Zielgruppen und Nutzungszielen, die Bestimmung der zu erhaltenden Objekttypen und ihrer signifikanten Eigenschaften sowie die daraus resultierenden geeigneten Speicherformate, die Übernahme digitaler Objekte in das Archiv, die Bildung von Archivinformationspaketen, die Beschreibung digitaler Objekte sowie deren physische und logische Erhaltung. Weiterhin werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und ihre Konsequenzen für die digitale Archivierung besprochen sowie die Formulierung einer Preservation Policy behandelt. Fragen des Zugangs und der Nutzung werden dagegen aus Platzgründen ausgeklammert.

Die Masterarbeit zeigt auf, weshalb es insbesondere für kleinere Archive notwendig ist, bei der digitalen Archivierung in noch stärkerem Maße Prioritäten zu setzen als bei der analogen. Für Einrichtungen mit stark begrenzten finanziellen und personellen Mitteln empfiehlt sich daher die Implementierung eines Minimalkonzepts. Der vorgelegte Entwurf gründet sich auf der Erhaltung des Bitstreams, einer den Minimalanforderungen entsprechenden Erfassung der Metadaten und Dokumentation der Bestandserhaltungsaktivitäten sowie einer ad hoc Planung und Umsetzung von Erhaltungsmaßnahmen. Er beruht weiterhin auf der Verwendung freier (nicht proprietärer) und leicht zugänglicher Softwaretools sowie dem weitgehenden Rückgriff auf die bereits vorhandene technische Infrastruktur. Ferner soll durch eine Beschränkung hinsichtlich der Archivformate die Komplexität der Erhaltungsmaßnahmen reduziert werden.

Die skizzierte Lösung ermöglicht es, mit geringen Mitteln eine Basisinfrastruktur für die digitale Archivierung einzurichten, die die Option einer künftigen schrittweisen Weiterentwickelung in sich trägt. Die relativ niedrigen Einstiegshürden unterstützen dabei einen kurzfristigen Beginn von Archivierungsmaßnahmen. Da das Modell zudem einige gängige Standards berücksichtigt, auf denen viele Softwarelösungen zur digitalen Archivierung aufbauen, wird bei einem möglichen künftigen Ausbau des digitalen Archivs die Gefahr der Inkompatibilität minimiert.

Die Masterarbeit wurde von Dr. Christian Keitel und Prof. Dr. Karin Schwarz betreut. Da sie einige vertrauliche Angaben enthält, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, muss auf eine vollständige Publikation leider verzichtet werden.

[Zum Studiengang]

Meine Motivation zur Teilnahme am Masterstudiengang Archivwissenschaft in Potsdam von Oktober 2011 bis März 2015 gründete sich darauf, dass ich bislang im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit vor allem mit der Archivierung von Schriftgut zu tun hatte. Da die Methoden des klassischen Sammlungsmanagements hierfür aber nur bedingt geeignet sind, entschied ich mich für eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Archivarin, um meine zukünftige Arbeit auf ein solides fachliches Fundament zu stellen.

Abschluss des 5. grad. Kurses – die Themen der Bachelorarbeiten

In diesem März war es für den 5. grad. Kurs endlich soweit: Nachdem die Bachelorarbeiten begutachtet waren und auch die Verteidigung gemeistert waren, konnten auch sie sich offiziell mit dem akademischen Grad des Bachelor schmücken.

Nachfolgend präsentieren wir die Bachelorarbeiten von Frau Beatrice Fischer und Herrn Marcus Heinrich ausführlich. Im Vorfeld haben beide Absolventen Fragen zur BA zugeschickt bekommen, der Text basiert größtenteils auf ihren Antworten.

Bibliotheks-Apps als Standardangebote!

Frau Beatrice Fischer von der Stadtbibliothek Sömmerda hat sich in ihrer BA mit dem „Vergleich von derzeit auf dem deutschen Markt verfügbaren Bibliotheks-Apps hinsichtlich Ihrer Usability und Funktionalitäten“ beschäftigt.

„Ziel der Arbeit war es, ausgehend vom aktuellen Angebot auf dem deutschen App-Markt, grundlegende, weiterführende und zukünftig denkbare Funktionalitäten sog. Bibliotheks-Apps zusammenzutragen und ihre Usability (Benutzerfreundlichkeit) zu untersuchen“ fasst Sie zusammen.

Nach der Marktsichtung wählte sie  vier Bibliotheks-Apps, die sie in ihrer BA hisichtlich der Features und der Unsability beschrieb: Die BibApp der Universitätsbibliothek Leuna, die App der Bücherhallen Hamburg, die iLibrary-App der TH Wildau und die Web Opac App. Zusätzlich zur Beschreibung und Begutachtung wurden Bibliotheksmitarbeiter und Kunden befragt. Eine Exkurs zu dem bisweilen sehr spielerisch angehauchtem Angebot der amerkanischen Bibliotheken rundete die Abschlusarbeit ab.

Doch welche Inhalte bieten die begutachteten Apps eigentlich an? Neben  den „Klassikern“ Bibliothekskatalog, Benutzerkonto und Informationen zu Bibliothek stellen einige Apps auch eine Indoor-Navigation oder Audioguides zur Verfügung.

Interessante Ergebnisse hinsichtlich der gewünschten Funktionen einer Bibliotheks-App brachte auch die im Rahmen des mylibrARy-Projektes durchgeführte Befragung von Bibliothekskunden/kundinnen und -mitarbeitenden. Neben einem „Freunde-Finder“ kam hier besonders häufig der Wunsch nach einer „Multifunktionalen Chipkarte“.

„Ich denke, dass Bibliotheks-Apps in den nächsten Jahren ebenso zum Standardangebot von Bibliotheken gehören werden, wie (mobile) Internetseiten es heute bereits tun“ ist ihre abschließende Meinung zum Thema.

Und welchen Tipp würde sie den zukünftigen Absolventen mit auf den Weg geben?

„Mein Tipp für zukünftige Absolventen und ihre Bachelorarbeit ist es, sich möglichst ein Thema auszusuchen, welches einen selbst begeistert und dessen Bearbeitung Spaß bereitet. Die abschließende Verteidigung der Arbeit sollte übrigens nicht (nur) als mündliche Prüfung angesehen werden, sondern als Chance sich bestmöglich als Experte auf seinem Themengebiet zu präsentieren, was man in gewisser Weise nach knapp 3 Monaten Bearbeitungszeit ja auch ist.“

 

Was wollen die Studierenden? Einen attraktiven Lernort!

Marcus Heinrich von der FH Brandenburg hatte sich des Themas „Die Bibliothek als attraktiver Lernraum – Eine Untersuchung am Beispiel der Hochschulbibliothek der Fachhochschule Brandenburg“ angenommen.

Beginnend mit der Frage „Was wollen die Nutzer?“ hat er die Raumgestaltung, die Ausstattung und das Serviceangebot der FH Brandenburg untersucht und gemeinsam mit den NutzerInnen der Bibliothek Verbesserungsvorschläge mit Hilfe eines Design-Workshops entwickelt.

Eine Erkenntnis seiner Untersuchung: „Im Wesentlichen wünschten sich die
Studierenden in der Bibliothek eine Wohlfühlatmosphäre. Diese ist gekennzeichnet
durch große Pflanzen, bequeme Sitzmöglichkeiten sowie Pausenbereiche.“

Besonders gelungen ist sein Ansatz auch Nicht-NutzerInnen in die Untersuchung miteinzubeziehen. Warum lernen diese statt in der Bibliothek lieber in der Mensa oder auf dem Campusgelände?

Die insgesamt gewonnenen Erkenntnisse wurden bereits im Rahmen eines Workshops den MitarbeiterInnen der Bibliothek vorgestellt und ein Maßnahmenplan, der kurz- mittel und langfristige Veränderungen beinhaltet, erarbeitet. Couchzonen lockern bereits jetzt den Bibliotheksraum auf, auch Arbeitstische wurden entfernt.

„Mittelfristig sollen u.a. mobile und schallhemmende Trennwände angeschafft werden.
Außerdem sind mobile Monitore in Planung. So können Inhalte gemeinsam
bearbeitet oder Präsentationen geübt werden. Um der Forderung nach Essen und
Trinken nachzukommen, werden Snack- und Kaffeeautomaten in die Planung
aufgenommen.“ fasst Marcus Heinrich die weitere Vorgehensweise zusammen.

Seine Tipps für die Absolventen?

„Ich habe mir einen detaillierten Zeitplan erstellt. So hatte ich stets den Überblick über
erledigte sowie anstehende Aufgaben. Ich habe jedoch den Aufwand für die
Transkription der Interviews unterschätzt. Daher ist ein Zeitpuffer am Ende
Bearbeitungszeit nicht schlecht.“

Die Arbeit steht hier online unter  zur Verfügung.

 

Abschließend hier eine Übersicht aller eigereichten und begutachteten BA.

Wir gratulieren den AbsolventInnen herzlich und wünschen Ihnen für Ihren weiteren Berufs- und Lebensweg weiterhin viel Erfolg!

BA-Arbeiten_2015

 

M.A. Archivwissenschaft & B.A. Archiv –
Das sind die Abschlussarbeiten im Wintersemester 2014/15

Es ist wieder soweit! In diesen Wochen verteidigen vier unserer Studierenden im berufsbegleitenden Masterstudiengang Archivwissenschaft sowie zwei Teilnehmerinnen der Fernweiterbildung Archiv ihre Abschlussarbeiten. Wir wünschen den Prüflingen viel Erfolg!

Hier geht es zur Abschlussarbeiten-Infografik aus dem Sommersemester 2014 !

 

Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ von Dr. Benjamin Bussmann. Der Verfasser wird die Arbeit in Kürze auf dem Publikationsserver der FHP zur Verfügung stellen.

[Zur Person]

Dr. Benjamin Bussmann, geboren 1972. Nach einer praktischen Ausbildung zum Fotografen habe ich von 1997 bis 2003 mittelalterliche und neuere Geschichte sowie Philosophie studiert. 2005 folgte die Promotion in mittelalterlicher Geschichte. Von 2008 bis 2011 arbeitete ich im Dombauarchiv Köln. Seit 2011 bin ich im Historischen Archiv der Stadt Köln (HAStK) tätig. Das Masterstudium war Teil meiner Ausbildung zum Archivar im HAStK. Im Rahmen der Fernweiterbildung untermauerte ich mein bis dahin praktisch erworbenes Wissen im Bereich der Archivwissenschaft mit einem theoretischem Fundament.

Kontakt: mail@benbussmann.de

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]20141214_Foto

Das Thema „Die Bestandserhaltung digitaler Informationen mittels der Definition von signifikanten Eigenschaften“ habe ich gewählt, da ich im Zuge meiner archivischen Tätigkeit zunehmend mit Fragestellungen zur digitalen Archivierung konfrontiert werde. Dabei fiel mir auf, dass die im Bereich der Migrationsstrategie wichtigen signifikanten Eigenschaften sehr heterogen definiert werden. Daher zielte ich mit meiner Masterarbeit darauf, einen Ansatz zu finden und zu begründen, wie die wesentlichen Eigenschaften eindeutiger bestimmbar sind.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Archivwelt steht angesichts der rapide zunehmenden Menge an digitalen Informationen vor der Herausforderung, dass digitales Archivgut (z.B. elektronische Akten oder Datenbanken) im Gegensatz zu analogen Objekten (wie etwa Pergamenturkunden oder Papierakten) einem steten technologischen Wandel unterliegt. Diese Veränderungen, die sich auf die Hardware, die Software und/oder die Dateiformate auswirken, können einerseits die Haltbarkeit und andererseits die Authentizität und Integrität der Informationen erheblich beeinträchtigen. Den technologischen Wandel muss ein Archivar fortwährend im Blick behalten und darauf reagieren, damit die digitalen Informationen dauerhaft und vertrauenswürdig erhalten bleiben. Die zeitlich unbegrenzte Bewahrung digitaler Objekte erfordert also eine aktive Archivierung – im Gegensatz zu analogen Archivalien, die, nach ggf. konservatorischen Maßnahmen, weitgehend statisch archiviert werden können. Spätestens seit den 1990er Jahren sind in Projekten und Publikationen zahlreiche Lösungsansätze für die Archivierung von digitalen Objekten erarbeitet worden. Die Masterarbeit nimmt mit der Definition von signifikanten Eigenschaften einen wesentlichen Aspekt dieser Lösungsstrategien in den Fokus.

Die Untersuchung verfolgt methodisch einen deduktiven Ansatz, um so dem Leser allgemein das mitunter fremde und komplexe Thema der digitalen Bestandserhaltung und der signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Lösungsansatz nachvollziehbar zu vermitteln. Um die Nachvollziehbarkeit weiter zu fördern, werden in einem Glossar die wesentlichen Termini aus dem Bereich der digitalen Archivierung definiert. So wird ein einheitliches Vokabular für die für einen Laien mitunter fremden und in der Fachwelt heterogen besetzten Termini vermittelt und in der Arbeit verwendet. Kurz: Das Ziel ist es, dem Leser die aktuell zunehmend drängenden Schwierigkeiten der digitalen Archivierung umfassend, das heißt terminologisch wie thematisch sowie im Allgemeinen und im Konkreten nahezubringen. Damit sollen einerseits ein Problembewusstsein gegenüber digitalem Archivgut geschärft und andererseits Lösungen angeboten werden.

Inhaltlich wird im ersten Hauptkapitel die digitale Archivierung allgemein vorgestellt. Dabei werden die Unterschiede zwischen analogen und digitalen Objekten, die Probleme bei der digitalen Bestandserhaltung sowie die verschiedenen Erhaltungsmaßnahmen (Analogisierung, Gerätemuseum, Emulation, Migration) beschrieben. Der zweite Hauptabschnitt widmet sich den signifikanten Eigenschaften als einem konkreten Teilaspekt der Migrationsstrategie. Hier wird die Entwicklung des Modells der signifikanten Eigenschaften in verschiedenen Projekten und Publikationen vorgestellt und dann ein entsprechendes allgemeines Modell definiert sowie der Frage nachgegangen, wann die wesentlichen Merkmale eines digitalen Objekts festgelegt werden müssen. Anschließend wird untersucht, inwieweit sich Parallelen zwischen dem Projekt zum intrinsischen Wert und den signifikanten Eigenschaften ergeben. Schließlich werden zwei unterschiedliche Modelle hinsichtlich eines konkreten Anhaltspunkt für die Definition von signifikanten Eigenschaften präsentiert: der „designated community“- sowie der Provenienzansatz. Danach folgt die Begründung, weshalb die Festlegung von wesentlichen Merkmalen auch einer Bewertungstätigkeit gleichkommt. Abschließend wird untersucht, inwieweit sich die unterschiedlichen Modelle für den Anhaltspunkt in die große Bewertungsdiskussion (Schellenberg vs. Booms) einbetten lassen und welche Rückschlüsse sich aus möglichen Parallelen ergeben.

In einem abschließenden Resumée werden die zentralen, im Verlauf der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen. Diese sind u.a., dass durch die Migration nicht sämtliche Merkmale eines digitalen Objekts unverändert und/oder vollständig erhalten werden können, dass deshalb zum Erhalt der Authentizität und Integrität auf Ebene der Performance die signifikanten Eigenschaften eines digitalen Objekts definiert werden müssen. Oder, dass hinsichtlich der signifikanten Eigenschaften das „ob“ bzgl. ihrer Existenz und das „warum“ hinsichtlich ihres Zwecks weitgehend außer Frage stehen und dass einzig die Frage nach dem „wie“ bzgl. der konkreten Ausgestaltung und Definition von signifikanten Eigenschaften noch nicht im Konsens beantwortet ist. Eine weitere Feststellung ist, dass das Problem der konkreten Definition eng mit dem relativen und daher subjektiven Charakter von Signifikanz zusammenhängt. Schließlich wird auch mittels der Abwägung der Vor- und Nachteile der beiden präsentierten Ansätze „designated community“ vs. Provenienz sowie mittels deren Einbettung in die große Bewertungsdiskussion versucht, die Definition von signifikanten Eigenschaften weiter zu konkretisieren.