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Jeder kann schreiben!

So lautet das Fazit von Rosaria Chirico, Gründerin der Schreibwerkstatt Schreib los!. Am vergangenen Freitag besuchten Julia Sammler und Sabine Wolf den Workshop der Schreibtrainerin zum Thema „Bachelorarbeiten begleiten und bewerten“ in der Filmuniversitat Babelsberg Konrad Wolf. Veranstaltet wurde der Workshop vom Netzwerk Studienqualität Brandenburg (SQB). Hier ist ihre Zusammenfassung des Workshops.

Ergebnisse Workshop

Ergebnisse der ersten Gruppenarbeit – Foto: Wolf

Nachdem zu Anfang die Erwartungen der Teilnehmenden abgefragt wurden, ging es im Anschluss in der ersten Gruppenübung darum, eigene Erfahrungen sowohl als Studierender als auch als Lehrender Revue passieren zu lassen. Was haben negative Bewertungen zu Studienzeiten in mir ausgelöst und was positive? Das Gleiche sollten wir für eine Arbeit herausarbeiten, die von uns bewertet wurde. Warum hat diese Arbeit zu Erfolg bzw. Misserfolg geführt und was waren die Faktoren, die bei der Notengebung eine Rolle spielten? Warum wurden Arbeiten am Ende gut bzw. schlecht bewertet? Fühlen sich Studierende zu Recht ungerecht bewertet?

Hierbei haben alle Gruppen unabhängig voneinander herausgearbeitet, dass „Transparenz“ und „Vergleichbarkeit“ entscheidende Kriterien bei der Notenvergabe sind, die Lehrende vor einer „Rechtfertigungssituation“ bewahren und für Studierende eine „Checkliste“ zum Schreiben einer Arbeit darstellen („Welche Punkte habe ich noch nicht oder zu wenig berücksichtigt, obwohl sie bei der Bewertung eine wichtige Rolle spielen?“).

Fragebogen Studierende

Fragebogen für Studierende – Foto: Wolf

Wie kann weiterhin die Rolle der Betreuenden einer Abschlussarbeit bewusster gestaltet werden, wenn diese doch offensichtlich einen so großen Einfluß auf die Bewertung am Ende hat? Rosaria Chirico verwies hiermit auf das Dilemma, in dem sich viele Gutachterinnen und Gutachter befinden, die gleichzeitig betreuen und bewerten: Der Spagat zwischen „Betreuer und Juror“ ist hierbei häufig schwierig und das daraus resultierende Problem allzu menschlich: Viele GutachterInnen wissen aus eigener Erfahrung, dass das persönliche Verhältnis zu den Studierenden und somit subjektive Einschätzungen ebenfalls als unformulierte Kriterien in die Bewertung einfließen. Abstand ist daher ein ganz entscheidendes Kriterium, wenn GutachterInnen die eigene Objektivität bei der Bewertung in Frage stellen. Die Unschlüssigkeit über die Vergabe der richtigen Bewertung, die weder zu streng noch zu gutmütig ausfallen sollte, kann reflektiert und überwunden werden, indem man sich eine zweite Meinung zur Arbeit durch einen weiteren Fachexperten bzw. eine weitere Fachexpertin einholt.

Ein häufiges Problem, das für „Frust auf beiden Seiten“ sorgt, sind Abschlussarbeiten, die überraschend schlecht ausfallen, obwohl zuvor Sprechstunden und Kolloquien besucht wurden und sich sowohl GutachterIn als auch „Prüfling“ in Sicherheit wähnen, später auf ein angemessenes Resultat zu schauen. Tatsächlich aber sprechen Studierende und BetreuerInnen in Kolloquien häufig aneinander vorbei und dringen somit nicht bis auf den Kern des Problems durch – sei es auch Scham der Studierenden, sich als unwissend „bloßzustellen“ oder aber weil sie das Kernproblem schlicht nicht von selbst erkennen. So berichtete Rosaria Chirico davon, dass Studierende häufig mit formalen Fragen in die Sprechstunde kommen aber dass sich die ursprünglichen Problemstellungen –  beispielsweise Fragen zur richtigen Zitierweise – im Verlauf einer (guten) Beratung häufig als „Nebenschauplätze“ herausstellen, wenn erkannt wird, dass der Arbeit Struktur und roter Faden fehlen.

Abhilfe kann hier ein Fragebogen zur Sprechstundendokumentation schaffen, der sowohl von Betreuenden als auch von Studierenden ausgefüllt wird. Darin festgehalten werden zum Beispiel der Stand der Dinge, Probleme, Lösungsvoschläge etc. (siehe Abbildung). Der Bogen soll dabei helfen, Fallstricke, die während des Bearbeitungsprozesses der Abschlussarbeit auftauchen, zu vermeiden.

Fallstricke…

Ein Fallstrick, der einen besonders gravierenden Einfluss auf die Arbeit hat, ist  z.B. der Schreibtyp, da sich dieser im Zeit- und Selbstmanagement widerspiegelt. Hier gilt es herauszufinden, welcher Kategorie der/die Studierende angehört. Handelt es sich um den kreativ-assoziativen Typ, der eine engmaschige Betreuung und regelmäßigen Termindruck benötigt, damit er sich nicht in Gedanken verliert oder um den strukturierten Schreibtyp, der grundsätzlich über ein gutes Zeitmanagement verfügt aber dafür ggf. dazu neigt, sehr spät mit dem Schreiben zu beginnen oder das Thema der Arbeit so stark einzugrenzen, das wichtige Punkte gar nicht einbezogen werden?

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Fragebogen für Lehrende – Foto: Wolf

Da sich die Studierenden dessen oftmals selbst nicht bewusst sind, ist der Scheibtypen-Test der Goethe-Universität Frankfurt ein erster Schritt, der zusammen mit dem Fragebogen zu einer strukturierteren Herangehensweise bei der Bearbeitung der Bachelorarbeit führt.

Entwicklung eines Bewertungsrasters

Nach der Pause entwickelten wir auf der Grundlage von von vier bereits bestehenden Bewertungsrastern in Gruppenarbeit unsere eigene Bewertungsmatrix. Hierbei zeigte sich, dass die unterschiedlichen Fachgebiete durchaus unterschiedlicher Auffassung waren, wie ausführlich die Punkte Form und Inhalt untergliedert werden sollten und ob eher eine Notenskala oder eher prozentual bewertet werden sollte… wir haben uns schließlich auf eine Notenskala von 1  -5 entschieden und unser Raster grob in Form (30%), Inhalt (40%) und Methode (30%) untergliedert. Letztgenanntere unterteilte sich noch in Eigenständigkeit, Festigkeit und Ablauf. Unter Form fassten wir die äußere Form, die korrekte Verwendung von Zitaten, das einflechten von Tabellen und Abbildungen und die Verwendung von Fachbegriffen zusammen. Unter Inhalt verstanden wir neben der Gliederung auch die verwendete Literatur, das angewendete Fachwissen, die Aktualität der Forschungsfrage, die Reflexion und die belegbarkeit.

In der Tiefe der Erde…

Häufig sind in Abschlussarbeiten Alltagsformulierungen zu finden, die durch ein oberflächlichliches oder fehlendes Lektorat in der Erstversion der Arbeit verblieben sind. Ein Beispiel für die Verwendung von Alltagssprache: „In der Tiefe der Erde wird der Druck immer höher!“ Dieser eher an Küchenpoesie erinnernde Satz hält kaum der Wissenschaftlichkeit stand, da er Präzision als auch den Hinweis auf die Nachweisbarkeit vermissen lässt. In einem kurzen Brainstorming erarbeiteten wir Kriterien eines wissenschaftlichen Textes, wie z.B. die Verwendung von Fachtermini und Definitionen sowie die Vermeidung von Redundanzen und Modalverben. Unsere Aufgabe bestand nun darin, dem aufgeführten Text mithilfe der erarbeiteten Kriterien Wissenschaftlichkeit zu verleihen – mit zum Teil sehr interessanten und ausführlichen Ergebnissen!

Ganz oft ist in Abschlussarbeiten aber auch das umgekehrte Phänomen zu beobachten, bei dem Studierende gar nicht erst in einen Schreibfluss kommen und sich an der möglichst wissenschaftlichen Formulierung Ihrer Sätze die Zähne ausbeißen. Sie verbringen dann zuviel Zeit mit dem Grübeln über gute Formulierungen als mit der eigentlichen wissenschaftlichen Bearbeitung ihres Themas.

Welche Tipps können Lehrende ihren Studierenden also geben, damit diese überhaupt erst einmal ins Schreiben kommen? Hier stellte uns Rosaria Chirico die „Free-Writing-Methode“ vor, bei der es darum geht, erst einmal die Gedanken in Alltagssprache herunter zu schreiben, bevor diese dann in einen wissenschaftlich adäquaten Text umgewandelt werden. Der geschriebene Text kann dabei Fehler aufweisen und es können Füllzeichen verwendet werden, wenn eine Wort fehlt – der Schreibfluss steht im Vordergrund. Als Zeitlimit gilt 5 – maximal 20 Minuten und die Methode kann auch zum „Aufwärmen“ vor dem Verfassen eines längeren Textes verwendet werden.

Selbstverständlich übten wir uns auch selbst im „Free Writing“ und formulierten unsere persönlichen Ergebnisse des Workshops. Dies war dann auch unsere letzte Aufgabe bevor es ans Feedback ging, das äußerst positiv ausfiel – den Erwartungen der Teilnehmenden wurde durchweg entsprochen.

Fazit
Ein anschaulich und gut gestalteter Workshop, der nicht nur auf die bloße Bewertung von Bachelorarbeiten einging, sondern darüber hinaus auch Vorschläge bot, wie z.B. unterschiedlichen Schreibtypen begegnet werden kann. Dabei war besonders interessant, dass es so etwas wie ein „Schreibgen“ gar nicht gibt.  Jede/r von uns zieht vielmehr einen „Schreiberfahrungsschwanz“ an guten und schlechten Erfahrungen mit dem Schreiben hinter sich her und je nachdem, welche Erfahrungen überwiegen, hat diejenige/derjenige dann das Gefühl „gar kein Talent fürs Schreiben“ zu haben. Dabei kann hier eigentlich nur eines helfen:

Üben, üben, üben – denn Schreiben kann wirklich jeder!

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Archivtheorie meets Archivpraxis:
Das sind die Masterarbeiten im Sommersemester 2016

Im Januar haben wir die Studierenden des 3. Jahrgangs M. A. Archivwissenschaft in die „Freiheit“ entlassen. Das bedeutet, dass sie nicht mehr an Präsenzen in Potsdam teilnehmen und (im Idealfall) keine offenen „Scheine“ mehr einholen müssen.

Gleichzeitig stehen unseren Studierenden 6 Monate zum Schreiben ihrer Masterarbeiten bevor – und das neben Familie und der Arbeit in einem Archiv!

Wir freuen uns darüber, dass trotz dieser Mehrfachbelastung mehr als die Hälfte des Kurses bereits jetzt im Sommersemester 2016 das Studium abschließen möchte.

Die Themen der diesjährigen Abschlussarbeiten zeigen wie vielfältig die Arbeit von Archivarinnen und Archivaren sein kann: Von archivprakischen Fragen zu Personenstandsunterlagen, Heimakten und Digitalisierungskonzepten in Kommunalarchiven über Arbeiten zu wenig beschriebenen Archivtypen („Was sind Museumsarchive?“ Oder: „Wie werden Überlieferungen in Gedenkstättenarchiven gebildet?“) bis hin zum beliebten Thema der Archivpädagogik.

Besonders interessant dürfte auch ein Blick in die Zukunft des Stasi-Unterlagen-Archivs sein oder die Frage nach Personalmanagement in Archiven, die in diesem Semester gleich in zwei Arbeiten thematisiert wird.

Seit Einführung des Masterstudienganges Archivwissenschaft im Jahr 2009 setzen sich unsere Kurse zur Hälfte aus Studierenden aus kommunalen sowie kirchlichen Archiven zusammen. In diesem Semester werden kirchenarchivliche Themen ebenfalls gleich in zwei Masterarbeiten aufgegriffen.

Wir wünschen allen Studierenden eine produktive Zeit und freuen uns auf ein Wiedersehen zur M.A.-Verteidigung im September! 🙂

Audiowalks in Archiven – Masterarbeit von Anna Hoffmann im BibSpider-Verlag

Inzwischen wurde die folgende Publikation zwar bereits auf AUGIAS, im VdA-Blog und auf der Seite des Fachbereichs Informationswissenschaften beworben. Nichtsdestotrotz möchten wir gerne auch an dieser Stelle darauf aufmerksam machen.

Wie bereits im November angekündigt, wurde neben der Masterarbeit von Christel Gäbler nun auch die Abschlussarbeit unserer Absolventin Anna Hoffmann – Audiowalks in Archiven – im BibSpider-Verlag veröffentlicht. Ein Abstract zu Ihrer Arbeit ist kann in unserem Blogbeitrag von Oktober 2014 nachgelesen werden.

Transformation ins Digitale – Besuchen Sie uns auf dem 85. Deutschen Archivtag in Karlsruhe!

In diesen Tagen findet der 85. Deutsche Archivtag #deutscherarchivtag in Karlsruhe statt. Ganz im Sinne des diesjährigen Tagungsthemas „Transformation ins Digitale“ präsentieren wir in diesem Jahr ausgewählte Abschlussarbeiten nicht in analoger Form, sondern digital! Darunter auch die gestern im Forum Ausbildung und Berufsbild präsentierte Abschlussarbeit von Dr. Benjamin Bussmann „Signifikante Eigenschaften als Schlüssel zur Bewertung und Bestandserhaltung digitaler Unterlagen“.

Sie können uns noch bis morgen am Stand der Fachhochschule Potsdam besuchen. Wir freuen uns auf Sie :-)!

Abstracts zu den Abschlussarbeiten finden Sie hier.

Abschlussarbeiten_Volltext

Möglichkeiten digitaler Archivierung in kleinen Institutionen

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014/ Wintersemester 2014/15″ von Eleonore Emsbach

[Zur Person]

Eleonore Emsbach, geb. 1968. Nach einer Ausbildung und Berufstätigkeit als Handwerksbuchbinderin folgte ein Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft und Englischer Sprach- und Literaturwissenschaft. Während des Studiums von 1997 bis 2004 im Archiv und Ausstellungsbereich des Deutschen Filmmuseums tätig. Seit 2007 Archivangestellte in der Abteilung Sammlungen und Nachlässe sowie Projektmitarbeiterin in Onlineportal-, Digitalisierungs- und Normdatenprojekten im Deutschen Filminstitut – DIF e.V., Frankfurt am Main.

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]

In meinem Studium habe ich den Schwerpunkt auf die informationstechnologischen Module gelegt. Daher stand für mich fest, auch ein Masterarbeitsthema aus diesem Bereich zu wählen. Im Laufe des Studiums kristallisierte es sich heraus, dass die in meinem beruflichen Alltag momentan größte Herausforderung in der Frage besteht, wie unser Archiv digitales Schriftgut und Bildmaterial, welches bereits vereinzelt angeboten wird, mit den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln übernehmen und für die Zukunft erhalten kann. Entsprechend lag es nahe, im Rahmen meiner Abschlussarbeit einen Lösungsweg für dieses aktuell dringliche Problem zu erarbeiten.

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Masterarbeit befasst sich mit den Möglichkeiten, die kleinen Archiven bei der Einrichtung eines digitalen Langzeitarchivs zur Verfügung stehen. Problemstellung und Erkenntnisziel bestehen darin, auf der Grundlage der zumeist theoretisch ausgerichteten Fachliteratur ein Konzept zu skizzieren, das auch für nur mit begrenzten Mitteln ausgestattete Archive in der Praxis umsetzbar ist.

Im ersten Teil der Arbeit werden die wichtigsten Grundlagen digitaler Langzeitarchivierung dargelegt. Dies umfasst die Präsentation der relevanten theoretischen Konzepte und Standards, die den meisten aktuellen Aktivitäten und Initiativen zur digitalen Archivierung zugrunde liegen. Hierzu zählen Konzepte zum Aufbau eines digitalen Archivs (OAIS-Referenzmodell), zum Informationsbegriff und zur Definition von Eigenschaften digitaler Objekte (Performance-Modell, Signifikante Eigenschaften). In diesem Kontext wird auch die mögliche Berücksichtigung von Nutzungsinteressen bei der Festlegung der erhaltenswerten Eigenschaften diskutiert (Konzept der Designated Community). Weiterhin werden verschiedene Standards zur Beschreibung digitaler Objekte dargestellt (PREMIS, ISAD(G)). Im Anschluss folgt eine Übersicht über die praktischen Methoden der Erhaltung: Vor- und Nachteile der wichtigsten Erhaltungsstrategien wie Migration, Emulation, Erhalt der ursprünglichen Hard- und Softwareumgebung, gängige Speicherformate und Formatcharakterisierung, Speichermedien und Speicherung durch Dienstleister. Schließlich werden rechtliche Aspekte und Fragen der Vertrauenswürdigkeit digitaler Archive besprochen.

Im Anwendungsteil werden darauf aufbauend die Möglichkeiten digitaler Langzeitarchivierung in kleinen Archiven exemplarisch anhand eines Beispiels aus der Praxis untersucht. Bei der Konzeptentwicklung wird zum einen auf die DIN 31644 – Kriterien für vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive Bezug genommen. Zum anderen orientiert sich der Entwurf an einem von Adrian Brown vorgeschlagenen Modell zur Bestimmung des Reifegrads digitaler Archive (Maturity Model), das mit dem Ziel entwickelt wurde, Organisationen eine Hilfestellung bei der Einschätzung ihrer spezifischen Möglichkeiten zu geben.

Es wird im Einzelnen auf folgende Aspekte eingegangen: Die Bewertung und Aussonderung auf der Basis inhaltlich-fachlicher und formaler Kriterien, die Definition von Zielgruppen und Nutzungszielen, die Bestimmung der zu erhaltenden Objekttypen und ihrer signifikanten Eigenschaften sowie die daraus resultierenden geeigneten Speicherformate, die Übernahme digitaler Objekte in das Archiv, die Bildung von Archivinformationspaketen, die Beschreibung digitaler Objekte sowie deren physische und logische Erhaltung. Weiterhin werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und ihre Konsequenzen für die digitale Archivierung besprochen sowie die Formulierung einer Preservation Policy behandelt. Fragen des Zugangs und der Nutzung werden dagegen aus Platzgründen ausgeklammert.

Die Masterarbeit zeigt auf, weshalb es insbesondere für kleinere Archive notwendig ist, bei der digitalen Archivierung in noch stärkerem Maße Prioritäten zu setzen als bei der analogen. Für Einrichtungen mit stark begrenzten finanziellen und personellen Mitteln empfiehlt sich daher die Implementierung eines Minimalkonzepts. Der vorgelegte Entwurf gründet sich auf der Erhaltung des Bitstreams, einer den Minimalanforderungen entsprechenden Erfassung der Metadaten und Dokumentation der Bestandserhaltungsaktivitäten sowie einer ad hoc Planung und Umsetzung von Erhaltungsmaßnahmen. Er beruht weiterhin auf der Verwendung freier (nicht proprietärer) und leicht zugänglicher Softwaretools sowie dem weitgehenden Rückgriff auf die bereits vorhandene technische Infrastruktur. Ferner soll durch eine Beschränkung hinsichtlich der Archivformate die Komplexität der Erhaltungsmaßnahmen reduziert werden.

Die skizzierte Lösung ermöglicht es, mit geringen Mitteln eine Basisinfrastruktur für die digitale Archivierung einzurichten, die die Option einer künftigen schrittweisen Weiterentwickelung in sich trägt. Die relativ niedrigen Einstiegshürden unterstützen dabei einen kurzfristigen Beginn von Archivierungsmaßnahmen. Da das Modell zudem einige gängige Standards berücksichtigt, auf denen viele Softwarelösungen zur digitalen Archivierung aufbauen, wird bei einem möglichen künftigen Ausbau des digitalen Archivs die Gefahr der Inkompatibilität minimiert.

Die Masterarbeit wurde von Dr. Christian Keitel und Prof. Dr. Karin Schwarz betreut. Da sie einige vertrauliche Angaben enthält, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, muss auf eine vollständige Publikation leider verzichtet werden. Es ist jedoch geplant, eine leicht gekürzte Fassung verfügbar zu machen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

[Zum Studiengang]

Meine Motivation zur Teilnahme am Masterstudiengang Archivwissenschaft in Potsdam von Oktober 2011 bis März 2015 gründete sich darauf, dass ich bislang im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit vor allem mit der Archivierung von Schriftgut zu tun hatte. Da die Methoden des klassischen Sammlungsmanagements hierfür aber nur bedingt geeignet sind, entschied ich mich für eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Archivarin, um meine zukünftige Arbeit auf ein solides fachliches Fundament zu stellen.