Recherchen im Archiv
in Detektivgeschichten für Kinder und Jugendliche

Ein Beitrag aus der Reihe “Die besten Abschlussarbeiten im Sommersemester 2014″ von Sven Haarmann

[Zur Person]

Sven Haarmann, geb. 1975, Studium der Germanistik und Politischen Wissenschaft, seit 2001 Mitarbeiter im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn (u.a. zuständig für das Willy-Brandt-Archiv), 2011–2014 berufsbegleitendes Studium im Weiterbildungs-Masterstudiengang Archivwissenschaft in Potsdam.

[Zur Masterarbeit – Themenfindung]

Mein vor mehr als drei Jahren gefasster Entschluss, Archivwissenschaft an der FH Potsdam berufsbegleitend zu studieren, fühlt sich in der Erinnerung keineswegs als grandios durchdachter Quereinsteiger-Schachzug, sondern vielmehr als eine aus dem Bauch heraus getroffene “Ach, ich mach das jetzt einfach”-Entscheidung an. Schnell bestätigte sich, was man sich für das Studium erhofft hatte: zweimal pro Semester bastelten wir in vorzüglich kollegialer Atmosphäre und im Wettlauf mit dem benachbarten Landtagsneubau an unserem Abschluss. Auf Augenhöhe mit dem archivwissenschaftlichen Diskurs stellten sich viele Fragen, und so begann ich mich in einem speziellen Fall zu wundern, warum in den ohnehin spärlichen Untersuchungen zur fiktionalen Darstellung von Archiven in Literatur und Film ausschließlich erwachsene Stoffe behandelt werden – und schon hatte ich mein Masterarbeitsthema gefunden, denn wer Archive und archivähnliche Umgebungen in der spezifischen Kinder- und Jugendliteratur bzw. in allen für die ArchivnutzerInnen von morgen verfassten und produzierten Medien sucht, hat viele alte und frische Spuren zu verfolgen …

[Zur Masterarbeit – Inhalt]

Die Masterarbeit trägt ausgewählte Quellen zusammen, um auf archivarischer Seite das Bewusstsein für kinder- und jugendliterarische Stoffe mit archiv(al)ischen Bezügen und Inhalten zu schärfen und zum produktiven Umgang mit ihnen anzuregen. Gleich in mehreren Formaten schlummert Potential, gerade im Genre der Detektivgeschichte: Wer kriminalistische LaienforscherInnen begleitet, ebnet die in den Archiven allenthalben gefürchteten Hemmschwellen mit spielerischer Leichtigkeit ein. Denn wann immer Juniordetektive einen Fall lösen und dessen Vorgeschichte mit historischen Quellen ergründen, fügen sich in die rückwärtsgerichtete Erzählweise der Detektivgeschichte Handlungselemente wie die Nutzung eines Archivs (z.B. in Die drei ??? und das Aztekenschwert) hervorragend ein; auch die Vermittlung archivfachlichen Wissens ließe sich in einem solchen Format in propädeutischen Ansätzen realisieren.
Archivarinnen und Archivare, die sich vor allem am Tag der Archive gern als “Detektive der Geschichte” präsentieren, sollten Mut zu kindgerechter Unterhaltung, zu Fiktionalisierung und Popularisierung zeigen und ihre Archivalien als erzählte Geschichte aufbereiten. Als Kommunikationskanal zur jüngeren Zielgruppe bietet sich die Detektivgeschichte für archivpädagogisches Edutainment in vielen Formen an. Jedes Archiv kann hier ansetzen und die eigenen Bestände vor Ort mit Entdeckungsreisen ins Archiv (als Schnitzeljagd wie z.B. Rettet Archibald! bzw. als authentische Rechercherätsel) oder in gedruckter wie virtueller Form als mysteriöse Fälle (Puzzles, Geheimschriften, Wimmelbilder, Spurensuche in Texten, Karten und Fotos etc.) inszenieren.
Wünschenswert wäre zudem eine Serie oder Reihe archiv(al)ischer Krimis, in denen Archive sichtbar ins Zentrum der Abenteuer rücken und aktiv handelnde Archivarinnen und Archivare in Hauptrollen schlüpfen.
Die Ästhetisierung des Archivwesens und der eigenen Archive als geheimnisvolle Orte, in denen es viel Aufregendes zu entdecken und zu erforschen gibt, vermag viel zu bewirken. Werden Archive von innen als spannende und faszinierende Erlebniswelten wahrgenommen und auf unterhaltsame wie lehrreiche Weise als literarische Schauplätze von Abenteuern und Ermittlungen erkundet, ist die Chance groß, dass dies jungen LeserInnen nachhaltig im Gedächtnis bleibt und ihnen über kurz oder lang auch den Weg in ein reales Archiv erschließt.

Die Masterarbeit wurde von Prof. Dr. Susanne Freund und Prof. Dr. Mario Glauert betreut und wird auf jeden Fall veröffentlicht. Wer vorher bzw. sonst wie Fragen oder Hinweise hat, kann sich gerne an mich wenden.

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