Mehr als „nur“ Bauhaus – Tagung der FaMI-AusbilderInnen des Bundes in Dessau

Am 12. und 13. Juni 2014 fand in Dessau die Tagung der FaMI-AusbilderInnen des Bundes statt. Es war mein erster Besuch in der Bauhaus-Wirkstätte und wird in Anbetracht meiner Leidenschaft für Architektur und Design – ich habe unter anderem ein zweimonatiges Praktikum im Bauhaus-Archiv Berlin während meines Studiums gemacht – nicht mein letzter gewesen sein.

Anlass meiner Reise war jedoch die Präsentation der Fernweiterbildung Archiv und Bibliotheksmanagement vor den FaMI-AusbilderInnen, gemeinsam mit Patrick Frischmuth, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste im Bundesarchiv Berlin und Teilnehmer der 5. gradualen Fernweiterbildung Archiv. Bereits im letzten Jahr präsentierten meine Kollegin Sabine Wolf, Projektkoordinatorin für die Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement, und ich unser Weiterbildungsangebot im Rahmen der Tagung im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin.

Diesjähriger Tagungsort war das Umweltbundesamt (UBA) und den Schwerpunkt unseres Vortrages bildete die Frage, welche Kenntnisse und Fähigkeiten ein/e FaMI für die Fernweiterbildung bereits mitbringt und worauf AusbilderInnen (künftig) achten sollten, um ihren Azubis einen bestmöglichen Start in die Höherqualifizierung zu ermöglichen. Die Präsentation von Patrick Frischmuth ist am Ende dieses Beitrags eingestellt.

Oliver Olesch, Leiter der Fachbibliothek Umwelt und „seine“ FaMIs waren für die einwandfreie und liebevolle Organisation verantwortlich: So wurde ich bereits am Dessauer Bahnhof von einem „Fachangestellten-Komitee“ empfangen, das mir den Weg zum Tagungsort wies, wo mir am „Check-In-Schalter“ meine Unterlagen überreicht wurden. Wer nun denkt, dass es gar nicht mehr besser kommen kann, der irrt! Neben Keksen sowie Heiß- und Kaltgetränken gab es nämlich auch noch selbst gebackene Cake-Pops, die mir im Vergleich zu anderen Fachtagungen als originelle Aufmerksamkeiten in Erinnerung bleiben werden.

Das UBA ist seit 2002 Ausbilder für den FaMI-Beruf (Fachrichtung Bibliothek) und bildet derzeit 12 Fachangestellte aus. Im Anschluss daran werden FaMIs für ein Jahr übernommen; bei sehr guten Leistungen in den Abschlussprüfungen für weitere sechs Monate. Die schulische Ausbildung erfolgt am OSZ Louise Schroeder in Berlin, da Sachsen-Anhalt selbst keine Fachangestellten ausbildet.

Sachsen-anhaltische Azubis des FaMI-Berufes gehen zur schulischen Ausbildung entweder nach Berlin oder in das Thüringische SBZ Sondershausen. Auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein verfügen über einen solchen Kooperationsvertrag: So findet die schulische Ausbildung von FaMIs aus Schleswig-Holstein an der Beruflichen Schule Müritz statt.

Anhand einer Statistik des Bundesverwaltungsamtes (BVA) verdeutlichte Herr Olesch den aktuellen Stand des Ausbildungsberufes in den Bundesbehörden. So gab es 2013 insgesamt 180 auszubildende FaMIs, verteilt auf 53 Einrichtungen und fünf Fachrichtungen. Die meisten Fachangestellten arbeiteten in der Fachrichtung Bibliothek (98 Azubis); 48 Ausbildungsplätze entfielen auf die Fachrichtung Archiv, 31 auf den Bereich Information und Dokumentation, 2 auf die Fachrichtung Medizinische Dokumentation und schließlich entfiel 1 Ausbildungsplatz auf den Bereich Bildagentur. Weiterhin stellte der Bund 2013 insgesamt 66 vollständig qualifizierte Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste neu ein (Bibliothek: 33, Archiv: 22, IuD: 10, Med. Dok.: 1).

FaMI-Ausbildertagung

Doch wer bewirbt sich überhaupt um einen Ausbildungsplatz zur/zum FaMI?

„Klassische“ Schulabgängerinnen und Schulabgänger gibt es kaum noch, wie aus der anschließenden, sehr lebhaft geführten Diskussion der AusbilderInnen hervorging. Nur noch wenige bewerben sich direkt im Anschluss an die Mittlere Reife oder das Abitur um einen Ausbildungsplatz in diesem Berufsfeld. Personalverantwortliche in Archiven, Bibliotheken und Dokumentationsstellen sehen sich zunehmend mit einer „Überalterung“ ihrer BewerberInnen konfrontiert, denn viele unter ihnen haben bereits eine abgeschlossene Ausbildung oder gar ein abgeschlossenes Studium.

Die starke Motivation und zuvor erworbene Kompetenzen der „reifen“ Bewerberinnen und Bewerber stehen im Spannungsfeld zu späteren Autoritätsproblemen gegenüber den jungen FaMI-AusbilderInnen und BerufsschullehrerInnen.

Doch eine Bewerbung im Vorfeld nicht zu berücksichtigen, da es sich um eine Zweitausbildung handelt, kommt für die meisten Bundesbehörden nicht in Frage.

Intrinsische Motivation

Woran geeignete Azubis zu erkennen sind und wie ihnen der Start ins Berufsleben und der Ausbildungsalltag erleichtert werden können, sollte im Vortrag der Diplom-Psychologin Corinna Rakow (Deutsche Gesellschaft für Personalwesen e.V – DGP) verdeutlicht werden. InteressentInnen, die sich aus intrinsischer Motivation heraus bewerben – also dem Wunsch, eine bestimmte Handlung auszuführen, weil die Handlung an sich als interessant und erfüllend wahrgenommen wird – sind die idealen Auszubildenden. Azubis nach diesem Kriterium auszuwählen klingt zunächst einfach. Jedoch kann die wahre Motivation in vielen Fällen nur zwischen den Zeilen, also beispielsweise in einem informellen Gespräch nach dem Vorstellungsgespräch, ermittelt werden. Im Ausbildungsalltag sei es weiterhin wichtig, so Rakow, dass sich die AusbilderInnen auch nach mehreren Jahren der Berufstätigkeit in die Situation ihrer Auszubildenden hineinversetzen können. Nicht immer sind fehlende Motivation oder mangelndes Interesse Grund für schlechte Leistungen oder Fehlzeiten. Frau Rakow betonte, dass die Auszubildenden ganzheitlich betrachtet werden müssen – die individuelle Lebenssituation sollte bei MitarbeiterInnengesprächen, insbesondere in Krisensituationen, immer berücksichtigt werden.

Motivation ist ebenfalls von zentraler Bedeutung wenn es um die Entscheidung für eine Weiterbildung geht. Für unsere FernweiterbildungsteilnehmerInnen sind sowohl die Aussicht auf eine höhere Qualifizierung und Besoldung (extrinsisch) als auch der Wunsch nach einer anspruchsvollen Tätigkeit mit vielfältigen Aufgaben (intrinsisch) ausschlaggebende Gründe an die FH Potsdam zu kommen. Für viele von Ihnen geht mit dem Erlangen des akademischen Grades B.A. im Anschluss an die Weiterbildung der Wunsch nach einer interessanten Tätigkeit und entsprechender Höhergruppierung in Erfüllung. Diejenigen, die die Weiterbildung aus Eigeninitiative heraus und ohne Unterstützung des Arbeitsgebers absolvieren, haben sehr gute Aussichten, sich erfolgreich auf Stellen des gehobenen Dienstes im gesamten Bundesgebiet zu bewerben. Gerade in Kommunalarchiven wird nach Aussage von Vertretern der BKK (Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag) dringend nach archivfachlichem Nachwuchs im gehobenen Dienst gesucht.

Neue Entgeltordnung des Bundes

Roswitha Hoge, Zuständige für die FaMI-Ausbildung und Fortbildung zum Fachwirt für Medien- und Informationsdienste der Bezirksregierung Köln, forderte MitarbeiterInnen, die sich neben der Arbeit weiterqualifizieren und anspruchsvollen Tätigkeiten nachgehen – dabei aber weiterhin in Entgeltstufe 6 (oder darunter) eingestuft sind – zu mehr Mut und Initiative auf: „Es wird kein Arbeitgeber ankommen und Ihnen freiwillig mehr zahlen!“ Alle Angestellten des Bundes haben seit dem 1. März 2014 das Recht, bei Übertragung einer höher zu bewertenden Tätigkeit stufengleich höher eingruppiert zu werden (Vgl. Flugblatt-Entgeltordnung-Bund). Die Entgeltgruppe 9 wurde mit der neuen Entgeltordnung für den TVÖD (gilt seit 01.01.2014) in zwei Gruppen gespalten: 9a und 9b. „Die Entgeltgruppe 9a besitzt ab sofort die Tätigkeitsmerkmale der „kleineren“ Entgeltgruppe 9“ – Das bedeutet, dass u.a. Fachwirte für Medien- und Informationsdienste künftig bei entsprechenden Tätigkeitsmerkmalen in die 9a eingruppiert werden können. Die Tarifstufen EG 9b – EG 12 bleiben weiterhin Archiv-/Bibliotheks-/IuD-MitarbeiterInnen mit abgeschlossener (Fach-) Hochschulbildung (Dipl. oder B.A.) und entsprechender Tätigkeit vorbehalten.

Die Fachwirtfortbildung, die bisher nur in Hessen und Nordrhein-Westfalen angeboten wird, soll künftig auch auf Bundesebene eingeführt werden. Eine baldige Einführung ist derzeit jedoch noch nicht absehbar, da zunächst ein geeigneter Bildungsträger gefunden werden muss.

Mein Bericht zur Tagung der FaMI-Ausbildertagung des Bundes soll an dieser Stelle enden, da ich leider nicht die Möglichkeit hatte am 2. Tagungstag teilzunehmen. Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei dem Leiter der größten Umwelt-Fachbibliothek im deutschsprachigen Raum, Herrn Oliver Olesch, und seinen Auszubildenden für die tolle Organisation bedanken! Ebenfalls bedanke ich mich bei den FaMI-AusbilderInnen für die lebhafte und offene Diskussion und hoffe gleichzeitig auf ein paar Kommentare, die meine Eindrücke ergänzen.


2 Gedanken zu „Mehr als „nur“ Bauhaus – Tagung der FaMI-AusbilderInnen des Bundes in Dessau

  1. J. Haenig

    So ausführlich und gut geschrieben. Bin ja bei den Cake Pops stehen geblieben in mich gegangen und hab es mitgenossen – die Küchlein sind einfach toll. Was mir aber noch mehr gefällt ist die Außenfassade des Umweltbundesamts.

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