„Jäger des verlorenen Satzes“ – Impressionen vom 66. Westfälischen Archivtag in Bielefeld am 11. und 12. März 2014

Ein Gastbeitrag von Alexander Entius, Leiter Stadtarchiv Frechen, Teilnehmer der Fernweiterbildung ArchivGastautor Alexander Entius

So jungfräulich das Blog der Fernweiterbildung ist, so jungfräulich sind auch meine Erfahrungen im Schreiben eines Blogs. Falls mein Beitrag daher nicht allen „Regeln der Kunst“ entspricht, bitte ich das zu entschuldigen.

Der 66. Westfälische Archivtag in Bielefeld war mit  230 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Er stand unter dem Thema „Nach vorne schauen – Strategieentwicklung und Planung in Archiven“ – Detlef Helling, gastgebender Bürgermeister, beschreibt Archive in seinem Grußwort auch als „Jäger des verlorenen Satzes“.

Als Leiter eines kleinen kommunalen Archivs möchte ich mich in meinem Beitrag auf eine kurze Reflektion der Vorträge beschränken, die ich für meine Arbeit im Stadtarchiv Frechen als impulsgebend betrachte. Eine ausführliche Zusammenfassung des diesjährigen Archivtages kann im „Archivamtblog“ des LWL nachgelesen werden.

Bereits beim vergangenen Westfälischen Archivtag in Münster  („Alles digital? – Elektronische Archivierung in der Praxis“) wurde vielfach von Verbund-Lösungen gesprochen, die gerade mit Hinblick auf Strategieentwicklung in Archiven eine immense Rolle spielen sollten. So berichtete der Präsident des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, Dr. Frank Bischoff, über die sich verändernde Rolle der Archive. Er betonte, dass einige Ziele künftig nicht mehr regional zu lösen sein werden, sondern nur in größeren Zusammenschlüssen erreichbar sind. Unter anderem sieht er die Überlieferungsbildung im Verbund als wichtiges Instrument im Spannungsfeld knapper Ressourcen und wünscht sich gleiches Engagement auch in anderen Arbeitsfeldern.

„Archiventwicklungsplanung als strategisches Instrument“ Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamtes, ging in seinem Vortrag der Frage nach, warum Archiventwicklungsplanung in den Archiven bisher selten vorzufinden ist. Anhand einer „Google“-Recherche wurde deutlich, dass der Begriff „Museumsentwicklungsplanung“ weitaus mehr „Treffer“ lieferte als der Begriff „Archiventwicklungsplanung“. Stumpfs Überlegungen gehen dahin, dass Archive ihre Existenz vielleicht zu sehr in der gesetzlichen Verankerung als Pflichtaufgabe begründet sehen und deswegen keine Lobbyarbeit betreiben würden. Anschließend beschrieb er sehr anschaulich wie eine solche „Archiventwicklungsplanung“ (auch für kleinere Archive) aussehen könnte.

Ich denke, dass viele Archive im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine solche Planung bewusst oder unbewusst betreiben, jedoch diese aufgrund des häufig vorherrschenden Zeitmangels selten zu Papier bringen, geschweige denn diese öffentlichkeitswirksam darstellen.

„Von der Strategie zum Konzept – Bestandserhaltung zwischen Willkür, Wunsch und Wirklichkeit“

„Von der Strategie zum Konzept – Bestandserhaltung zwischen Willkür, Wunsch und Wirklichkeit“

Pyramide Bestandserhaltung

„Von der Strategie zum Konzept – Bestandserhaltung zwischen Willkür, Wunsch und Wirklichkeit“ lautete der Vortragstitel von Professor Dr. Mario Glauert; hierbei ging es in erster Linie um bestandserhaltende Maßnahmen, die den Geldbeutel (kleinerer) Archive schonen. Die humorvolle Anmoderation, in der Professor Glauert als „Pharao der Pyramiden“ bezeichnet wurde, war ein gelungener Einstieg auf das was folgte. So stellte er praxisnah Möglichkeiten dar, wie die verschiedenen Stufen eines Konzeptes zur Bestandserhaltung aussehen könnten. Bemerkenswert schien mir der Ansatz der Restaurierung „on demand“. Dahinter verbirgt sich eine Prioritätenverschiebung der restauratorischen Bearbeitung von Beständen unter dem Fokus der Benutzungsanfragen. Kurzum: „Kann eine Akte aus konservatorischen Gründen nicht vorgelegt werden, wird sie innerhalb eines Jahres restauriert“.

Für „mein“ Archiv, in dem Bestandserhaltung bisher eine untergeordnete Rolle spielte, konnte ich sehr viele praktische und leicht umsetzbare Tipps mitnehmen, die sich auch mit überschaubaren Mitteln umsetzen lassen.

Überhaupt empfand ich den diesjährigen Westfälischen Archivtag als eine Bereicherung für meine Arbeit. Ich konnte zahlreiche fachliche Anregungen mitnehmen und Einblicke in Bereiche bekommen, mit denen man sich in kleineren Archiven gezwungenermaßen nur am Rande beschäftigen kann. Manches werde ich direkt umsetzen können, manches schreibe ich auf den „Wunschzettel“.

Eine für mich wichtige und motivierende Erkenntnis solcher Archivtage ist jedenfalls: Man ist als „kleineres Archiv“ mit seinen Problemen nicht allein! Das hilft einem zwar nicht bei der Lösung seiner schier nicht enden wollenden Herausforderungen, aber lässt Einen wissen, dass es woanders Kolleginnen und Kollegen gibt, die tagtäglich vor den gleichen Aufgaben und Problemen stehen.

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