Archiv des Autors: Julia Sammler

Duisburgs „Hüter des alten Feuers“
– Ein Beitrag aus der Reihe „Wege ins Archiv(wesen)“

Marinko Betker nahm am 3. Durchgang unseres M.A. Archivwissenschaft teil und ist somit einer unserer jüngsten Absolventen, der von seinem archivarischen Werdegang berichtet. Der Duisburger Stadtarchivar schrieb im Sommersemester 2016 seine Masterarbeit über Personalmanagement für Großstadtarchive und berät engagiert Nachwuchs- ArchivarInnen. Viel Spaß beim Lesen des folgenden Beitrags :-)!


Im Jahr 2000 nahm ich ein Magisterstudium an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf auf. Die Fächerkombination lautete „Neuere und Neueste Geschichte einschließlich Landesgeschichte“ im Hauptfach, mit den Nebenfächern „Mittelalterliche Geschichte“ und „Informationswissenschaft“. Die Magisterprüfung im Hauptfach habe ich bei Prof. Dr. Christoph Nonn, und in der Informationswissenschaft bei Prof. Dr. Wolfgang Stock abgelegt. Im Rahmen der Magisterarbeit „Die Selbstsicht der frühen BRD im Spiegel ihres Bildes von der Weimarer Republik“ analysierte ich kritisch die Historiographie der 1950er Jahre der noch jungen Bundesrepublik. Zugegeben sammelte ich im Rahmen des Magisterstudiums eher wenig Erfahrung im Archivwesen. Ein obligatorischer Besuch des damaligen Landeshauptarchivs an der Mauerstrasse in Düsseldorf verschaffte mir Einblicke in die Bereiche Benutzung, Bestandserhaltung und Erschließung. Ich nahm erstmals den Beruf des Archivars wahr, was mich nachdrücklich prägte, natürlich positiv 🙂 . Beim Stadtarchiv Ratingen, damals bereits geleitet von Frau Dr. Münster-Schröer, ging ich eine Zeitlang für ein studentisches Projekt ein und aus, und lernte Archive allmählich als Forschungs- und Lernorte kennen.

Juli 2015: Marinko Betker im Podium beim „Erlebnis Archiv – Studierende vor Ort im Rheinland“, eine jährlich stattfindende Veranstaltung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), bei der Studierende auf Archivar*Innen treffen und sich umfassend über das archivarische Berufsbild informieren können.

Mein Weg ins Archivwesen
Ich repräsentiere im wahrsten Sinne den archivarischen Quereinsteiger. Frisch graduiert gelang mir im Herbst 2007 der Einstieg in die Ordnungsverwaltung der Stadt Duisburg. Dort verbrachte ich zunächst einige Jahre, in denen ich im Außendienst mit Vollzugs- und Ermittlungstätigkeiten betraut war. Ganz so zufällig wie es sich liest, war diese Berufswahl nicht, so hatte ich während des Studiums schon mehrere Jahre im kommunalen Vollzugsdienst der Stadt Mettmann gearbeitet. Im Jahr 2011 wurde eine Stelle im gehobenen Archivdienst beim Stadtarchiv der Stadt Duisburg frei. In einem internen Verfahren wurde ein „Hüter des alten Feuers“ gesucht, diese Zeile der Ausschreibung werde ich wohl nie vergessen. Natürlich bewarb ich mich um die Stelle, und konnte mich glücklicherweise durchsetzen. Seit Juli 2011 bin ich als Mitarbeiter im Archivdienst der Stadt Duisburg tätig.

Mein Weg zum Archivmaster
Mit der Umsetzung zum Stadtarchiv ging ich gleichzeitig die Verpflichtung ein, mich für das berufsbegleitende Masterstudium an der FH Potsdam zu bewerben. Im Rahmen der Personalentwicklung wurde mir zunächst ein angepasstes Geschäftsfeld übertragen, da mir schlicht die fachliche Qualifikation fehlte. Meine Fächerwahl im Magisterstudium erwies sich als gute Basis, um sich „on the job“ das archivarische Handwerkszeug anzueignen. Als erste Qualifizierungsmaßnahme durchlief ich so ziemlich jeden belegbaren Grundkurs an der Archivschule Marburg, und lernte die archivarischen Standards kennen. So vergingen zwei Jahre, in denen ich vor allem in der Erschließung, dem Benutzerdienst und dem Bearbeiten von Anfragen eingesetzt wurde. Ich hatte Freude an der Arbeit und bei mir bekräftigte sich der Wunsch, den Beruf des Archivars zu erlernen. Mit einer festen Planstelle im Rücken, bewarb ich mich um einen Master-Studienplatz an der FH Potsdam und wurde für das 3. Matrikel, Start Wintersemester 2013, zugelassen.

Was sich seit dem Masterzeugnis verändert hat

Als Dozent „qua Amt“ schulte Marinko Betker, hier zusammen mit dem Institutsleiter, Hr. Dr. Andreas Pilger, im Mai 2015 die ersten Familienforscher in der Mercator-Werkstatt des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg (KSM). Inzwischen verfügt das Stadtarchiv mit der „DenkStätte“ des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie (ZfE) über einen eigenen außerschulischen Lernort, an dem zahlreiche Formate wie pädagogische Workshops und Vorträge realisiert wurden.

Nach der Master-Graduierung habe ich erstmals das Gefühl, einen beruflichen Lebensstand erreicht zu haben. Mir wurde Anfang des Jahres 2017 eine Planstelle im gehobenen Archivdienst übertragen. Respektive betrachtet verging meine Potsdamer Zeit wie im Fluge. Man hatte zudem nie das Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein, da man sich jederzeit mit den Kommilitonen bzw. der Studiengangkoordinatorin austauschen konnte <Unvergessen sind natürlich die Präsenzveranstaltungen in Potsdam!>

Sicher war die Einteilung der Arbeitsbelastung nicht immer einfach, so dass ich auch zahlreiche Sonntagabende im Arbeitszimmer verbringen musste. Die Geburt meines Sohnes Thorin ereilte sich zudem kurz vor der Themenzuweisung meiner Masterarbeit! Auf der fachlichen Seite habe ich eine Menge mitgenommen, und mich dank des Wahlpflichtbereiches im Feld der elektronischen Langzeitarchivierung spezialisiert. Meine Masterarbeit „Personalmanagement für Großstadtarchive – Eine Personalbedarfsberechnung beim Stadtarchiv Duisburg“ wurde als Organisationsprojekt in Kooperation mit dem Stadtarchiv realisiert. Ich plane eine Veröffentlichung der Ergebnisse, die jedoch noch etwas Nachbearbeitung und die Freigabe von betrtieblichen Informationen erfordern wird. Gerade die Methode des „taktischen Personalmanagements“, die ich am Beispiel Duisburg angewendet habe, könnte anderen Kommunalarchiven als Beispiel für Aufgaben- und Personalplanung dienen.

Das Stadtarchiv Duisburg

Zu den Schätzen des Stadtarchivs gehört dieses alte Duisburger Stadtsiegel aus dem 13. Jahrhundert, dass den „Salvator Mundi“ (Erlöser der Welt) zeigt. Die älteste beim Stadtarchiv überlieferte Pergamenturkunde stammt aus dem Jahr 1129. Auf dem Portal Archive.NRW präsentiert das Stadtarchiv die gesamte Breite der amtlichen Überlieferung nebst dem privaten Sammlungsgut.

Das Stadtarchiv Duisburg ist mit seinem Bestand von ca. 9 Regalkilometern Archivgut eines der größten Kommunalarchive Nordrhein-Westfalens, gelegen innerhalb einer Archivlandschaft, die mit dem Umzug des Landesarchivs NRW nach Duisburg komplettiert wurde. Die Stadtarchivare sind überwiegend mit den klassischen facharchivarischen Aufgaben, wie der Erschließung, dem Lesesaaldienst und der Überlieferungsbildung betraut. Sie dienen jedoch auch als Ansprechpartner für die Ämter der Stadtverwaltung und zahlreiche Benutzer mit genealogischem bzw. stadtgeschichtlichem Interesse. Alleine im Jahr 2016 mussten über 1600 schriftliche Anfragen beantwortet werden. Die jährlichen Übernahmen einer fünfstelligen Anzahl von Unterlagen in das Verwaltungsarchiv entlasten die abgebenden Stellen; sie wollen jedoch gut geplant sein!

Meine Aufgaben im Stadtarchiv

Im Rahmen eines Betriebspraktikums hat die angehende Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FAMI) Eileen Küppers ca. anderthalb Regalmeter der historischen Unterlagen der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e. V. verzeichnet. Marinko Betker übernahm die Verzeichnungskontrolle und die Begleitung des daraus entstandenen Findbuches bis zur Übergabe an den Vorstand der DFG Duisburg im August 2016.

Innerhalb des Teams bin ich mit wachsender Erfahrung vor allem für Veranstaltungen der Historischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt worden. Mittels der durch das Masterstudium erworbenen theoretischen Kenntnisse konnte ich Kurse für Familienforscher durchführen bzw. meine Kenntnisse im Records Management für die Konzeption einer Fortbildung zur Einführung in die behördliche Schriftgutverwaltung nutzen.

Die Formate wurden gut angenommen und werden im Angebot des Stadtarchivs verstetigt. Eine eher junge Kooperation mit der ich betraut bin, betrifft die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg e. V., deren historische Unterlagen jüngst durch eine Praktikantin im Stadtarchiv verzeichnet wurden. Die Vernetzung mit den Akteuren vor Ort empfinde ich als sehr reizvoll; sie hält manchmal Überraschungen bereit (so nahm an einer Veranstaltung z. B. der französische Generalkonsul aus Düsseldorf teil). Perspektivisch werde ich mit dem Eintritt des Stadtarchivs in die elektronische Langzeitarchivierung meine an der FH Potsdam erworbenen Kenntnisse einbringen können!

Ein wichtiges persönliches Anliegen ist mir die Förderung des archivarischen Nachwuchses, dem ich schon so manche Sonderveranstaltung gewidmet habe, um den Kollegen von morgen Rede und Antwort zu stehen.

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Weil auf jedes Ende ein neuer Anfang folgt…

…verabschiedeten wir den 5. gradualen Fernweiterbildungskurs Archiv in dieser Woche mit dem symbolträchtigen Stift zum Verfassen einer Abschlussarbeit, Nervennahrung und einem Crashkurs im Bachelorarbeiten schreiben.

Drei Jahre sind seit der Begrüßung der engagierten FaMI an der Fachhochschule Potsdam vergangen. Sie haben sich an der Blogparade von Siwiarchiv beteiligt und seit 2013 ihr archivfachliches Fundament Präsenz um Präsenz erweitert. Dem Aufstieg in den gehobenen Dienst sollte nun nichts mehr im Wege stehen!

Dass die Nerven vor der letzten Hürde angespannt sind, kann man niemandem verübeln. Zwar hat man das wissenschaftliche Schreiben mit jeder Hausarbeit aufs Neue geübt, aber was wenn man sich nun bei der Themenfindung verzettelt oder gar zu viel Stoff hat, von dem man keine Abstriche machen möchte?

Auf solche und andere Fragen hatte Rosaria Chirico in ihrem schreibdidaktischen Workshop die passenden Antworten. Die freiberufliche Schreibtrainerin, die wir bereits im vergangenen Jahr kennengelernt haben, überzeugte nicht nur uns, sondern auch unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Angst vor dem Schreiben einer scheinbar endlos langen         ABSCHLUSSarbeit ist einem klaren Kopf und realistischer Einschätzung des Projektes Bachelorarbeit gewichen. Es muss keine Doktorarbeit geschrieben werden! Erkenntnisse sind wichtig, aber sie müssen nicht zwangsläufig neu sein. Wichtig ist, dass sie für die Verfasserinnen und Verfasser neu sind und der Weg zur Erkenntnis für die Gutachterinnen und Gutachter nachvollziehbar ist.

In diesem Sinne wünsche ich den künftigen Absolventinnen und Absolventen eine spannende Reise, an deren Ende der Erkenntnisgewinn einem neuen Anfang vorangeht.

Alles Gute :-)!

 

 

Sauspannend! Der Stellenwert von Bewegungsarchiven für die Demokratiebildung – ein Radiointerview mit
Julia Hartung

Die Bedeutung der Archive von unten ist immens. Vielen klassischen Archiven ist es so gut wie nicht möglich, ihre Bestände um nicht-amtliches Archivgut zu bereichern und somit Überlieferungen zu bilden, bei denen es sich nicht um so genannte Herrschaftsüberlieferungen handelt.

Bei den Bewegungsarchiven – wie es das Beitragsbild der Illustratorin Tine Fetz bereits suggeriert – handelt es sich in der Regel um lebendige Dokumentationseinrichtungen mit einem Sammelschwerpunkt. Im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) sind die Archive von unten in der Fachgruppe 8 „Archive der Hochschulen sowie wissenschaftlicher Institutionen“ verortet. In diesem Jahr wurde das Positionspapier „Zur Zukunft der Archive von Protest-, Freiheits- und Emanzipationsbewegungen“ verabschiedet.

Ich wage zu behaupten, dass die Bedeutung der Archive von unten im digitalen Zeitalter weiterhin wächst: Wer sonst sollte die relevanten Bottom-Up-Prozesse im Web aus einer unübersichtlichen Masse an Informationen filtern und diese den offiziellen Überlieferungen gegenüberstellen können, wenn nicht Bewegungsarchive?

In diesem Radiointerview berichtet Julia Hartung von den Aufgaben und dem Stellenwert der deutschen Bewegungsarchive.

Julia Hartung ist Soziologin mit dem Schwerpunkt „Historische Aufarbeitung deutschen Verbrechen 1933-45“ und lebt und arbeitet in Berlin. Zur Zeit absolviert sie den Masterstudiengang Archivwissenschaft an der FH Potsdam und ist im Archiv der Akademie der Künste tätig.

Wir bedanken uns für den interessanten Beitrag :-)!

WP-A1 – IuK-Technologien (M.A. Archivwissenschaft)

Nach langer Pause ist es wieder soweit: Hier kommt ein neuer Beitrag aus unserer Reihe „Module unter der Lupe“! Professor Dr. Jörg Bleymehl erweckt unser Wahlpflichtmodul „Informations- und Kommunikationstechnologien“ im M.A. Archivwissenschaft zu neuem Leben. Seit 2000 vertritt er an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fakultät Medien, das Lehrgebiet Angewandte Medieninformatik und Mediengestaltung. Schwerpunkte seiner Lehre im Studiengang Medientechnik sind Webentwicklung und Entwicklung mobiler Anwendungen. Im Studiengang Museologie lehrt er „Datenmanagement und Datenbanken“ und im Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft „Medienkompetenz und Medienherstellung“.

In Anlehnung an die Entwicklungen des Social Web im Archivwesen verhilft der „im Umgang mit GeisteswissenschaftlerInnen geübte“ Ingenieur dem Modul zu neuem Glanz. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit :-)!

Worum geht es bei dem Modul?

Prof. Dr. Jörg Bleymehl

Prof. Dr. Jörg Bleymehl

In der heutigen Zeit sind IuK-Technologien allgegenwärtig und die Entwicklung schreitet rasant voran. Grundlegende Kenntnisse sind daher für alle Bereiche hilfreich, wenn nicht sogar notwendig. Dies gilt auch für die Archivwissenschaft. Diese Kenntnisse sollen es den Studierenden ermöglichen, Möglichkeiten der Technologien für die eigene Arbeit zu erkennen und/oder zu bewerten. Natürlich macht es wenig Sinn, hier allzu tief in technische Details einzusteigen. Hierfür gibt es entsprechende Fachleute.

Der Fokus des Moduls wird auf dem Internet liegen. Hier wird erst einmal die Funktionsweise in vereinfachter Form vermittelt und wichtige Begriffe, die mittlerweile sogar das heimische Wohnzimmer erreicht haben, erläutert (Router, VPN u.a.).

Im weiteren Verlauf des Moduls werden dann verschiedene Dienste des Internet vorgestellt, die von den Studierenden genutzt werden, so z.B. ein Content Management System zum Erstellen einer Webseite oder eines Blogs sowie Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke. Wichtig ist, die Grundprinzipien der Dienste zu verstehen und deren Erfolg nachvollziehen zu können.

Was bringen die Studierenden bereits mit?

Die Studierenden dürften sehr inhomogene Voraussetzungen mitbringen, bedingt durch berufliche oder private Erfahrungen und Präferenzen. Auch ist zu erwarten, dass verschiedenen Diensten (z.B. Facebook) gegenüber durchaus Vorbehalte herrschen und eine private Nutzung deshalb explizit vermieden wird. Hier gilt es, objektive Kriterien herauszuarbeiten, die es ermöglichen, eine Nutzung solcher Dienste im beruflichen Rahmen neutral zu bewerten.

Welche Prüfungsleistung gibt es?

Die Prüfungsleistung wird eine praktische Abschlussarbeit. Hier ist es wünschenswert, dass die Studierenden ein Projekt angehen, welches direkt mit ihrer Tätigkeit in Verbindung steht. Es muss daher mit den Studierenden individuell abgestimmt werden, um was es sich genau handelt.

Vielen Dank!

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Koblenz, wir kommen!

Die „Koffer“ sind gepackt und wir machen uns abreisebereit für den 86. Deutschen Archivtag in Koblenz. Vom 28. – 30. September werden wir mit einem Messestand auf der „Archivistica“ vertreten sein. In diesem Jahr haben wir unser Beratungsangebot für InteressentInnen ausgebaut.

Wir freuen uns darauf, alle Interessierten auf dem #archivtag am Stand 13 zu begrüßen! 🙂